Kein weiteres Einkaufszentrum geplant

Bei der Umwidmung der Industriebrache Esch-Schifflingen sollen auf Belval gemachte Fehler vermieden werden

Wie schon bei der vor 15 Jahren begonnenen Umwidmung der Industriebrache Esch-Belval soll der Stahlkonzern ArcelorMittal auch nach der Aufgabe seines Produktionsstandortes Esch-Schifflingen vor mittlerweile fünf Jahren weiter von dem Gelände profitieren. Dies geschieht über die Entwicklungsgesellschaft Agora, an deren Aktionariat der Luxemburger Staat und ArcelorMittal jeweils zur Hälfte beteiligt sind, und die auch Eigentümerin der 62 Hektar großen Industriebrache Esch-Schifflingen werden soll.

Noch rechtzeitig vor den Gemeindewahlen traten am Mittwoch drei Minister, Vertreter von Agora und ArcelorMittal sowie die Bürgermeister von Esch/Alzette und Schifflingen das erste Mal in dieser Angelegenheit vor die Presse, um »erste Diagnosen« für die Industriebrache, auf der ab dem Jahr 1871 fast 140 Jahre lang Stahl hergestellt wurde, zu präsentieren. Die Vorstellungen der »über hundert Experten« (von Agora, ArcelorMittal sowie von staatlichen und Verwaltungen der beiden Gemeinden) sind allerdings noch sehr vage.

Festzustehen scheint bislang lediglich, daß zwischen Esch und Schifflingen ein neues, von beiden Gemeinden dringend benötigtes Wohngebiet entstehen soll, in dem sich auch kleinere Geschäfte und mittelständische Betriebe »zum Beispiel aus dem handwerklichen Bereich« ansiedeln sollen. Von allen Seiten wurde gestern beteuert, daß »kein weiteres Einkaufszentrum« geplant sei und daß auf Belval gemachte Fehler dieses Mal vermieden werden sollen.

So soll es laut Innenmini­ster Dan Kersch keinen sogenannten Masterplan (wie in Esch-Belval) mehr geben, der damals zwischen ArcelorMittal, dem Staat und dem Gemeindesyndikat Pro-Sud ausgeheckt wurde. Der damalige »Masterplan der Regierung« sei »ziemlich rigide« gewesen und habe der Gemeinde Esch kaum Mitspracherechte eingeräumt. Das soll dieses Mal mit einem »Plan d’Orientation d’Aménagement Concerté«, kurz: P.O.A.C., ganz anders werden, versicherte Minister Kersch. Die Escher Bürgermeisterin Vera Spautz und ihr Schifflinger Amtskollege Roland Schreiner waren voll des Lobes über soviel Mitspracherechte und versicherten ihrerseits, nun würden auch die Bewohner ihrer Gemeinden in die Planungen einbezogen. Schreiner äußerte sogar die Hoffnung, daß in dem neuen Wohngebiet mit integrierten Arbeits- und Freizeitgestaltungsmöglichkeiten irgendwann einmal mehr Menschen arbeiten als in dem einstigen Stahlwerk. Als ArcelorMittal den Standort nach langem Hin und Her 2012 endgültig dichtmachte, gingen hunderte Arbeitsplätze verloren.

oe

Oliver Wagner : Mittwoch 13. September 2017