Trump mit Vietnam-Besuch zufrieden

Handelsabkommen über 12 Milliarden US-Dollar

Nachdem die bisherige Asienreise Donald Trumps im Schatten der viertägigen Marinemanöver der USA mit Südkorea und seiner säbelrasselnden Reden stand, machte der Besuch in Hanoi, wo der USA-Präsident am Samstag eintraf, einen durchweg harmonischen Eindruck. An der Fahrtroute zum Präsidentenpalast, wo ihn Staatschef Tran Dai Quang mit feierlicher Zeremonie empfing, waren zur Begrüßung Stars and Stripes schwenkende Vietnamesen aufgeboten. Die bekannte vietnamesische Popsängerin Mai Khoi, die gegen den Besuch Trumps mit einem Plakat protestierte, wurde von der Polizei aufgefordert. in ihrem Haus zu bleiben.

Nachdem sich Quang mit seinem Amtskollegen unter einer Büste Ho Chi Minhs den Presse-Fotografen präsentiert hatte, trafen beide Staatschefs zur Erörterung der Vertiefung einer vielseitigen Kooperation zusammen. Weitere Gespräche bzw. Verhandlungen folgten mit der Nummer Eins des sozialistischen Vietnam, KPV-Generalsekretär Nguyen Phu Trong, sowie Ministerpräsident Nguyen Xuan Phuc, den Trump bereits im Mai in Washington empfangen hatte. Neben der wirtschaftlichen Zusammenarbeit und Investitionen wurden Fragen der Bildung, der Wissenschaft und Technologie sowie die Kooperation in multilateralen Foren erörtert. Zu mehreren vereinbarten Verträgen gehört ein Handelsabkommen über zwölf Milliarden US-Dollar. Fortgesetzt werden sollen Studien und Praktika, zu denen sich derzeit laut Agentur VNA rund 30.000 Vietnamesen in den USA befinden.

Zuvor hatte Vietnam als Ausrichter des Gipfeltreffens der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft APEC in der Hafenstadt Da Nang sein wachsendes internationales Ansehen als eines der wirtschaftlich leistungsstärksten Länder Südostasien präsentiert. Rund 93 Millionen Einwohner zählend, stieg das Bruttoinlandsprodukt in den letzten zehn Jahren von 730 US-Dollar pro Kopf der Bevölkerung auf 2.445 Dollar an. Bei einem jährlichen Wachstum von 6,7 Prozent soll es bis 2020 auf mehr als 3.200 Dollar zu steigen.

Vietnam ist auf seinem Weg zu einem leistungsstarken Industriestaat an Investitionen aus den USA interessiert ist, stellt für diese ebenso einen wichtigen Exportmarkt dar. Seit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen 1995 rückte Vietnam 2017 auf den 16. Platz unter den Handelspartnern in Washington vor, während die USA mit in 834 Projekten investierten 47 Milliarden US-Dollar auf Platz acht vorrückten.

Zur Vertiefung dieser Zusammenarbeit war Präsident Tran Dai Quang, wie VNA berichtete, während des Gipfels in Da Nang persönlich mit Vertretern von 60 der größten Unternehmen der USA zusammengetroffen. In einer gemeinsamen Erklärung bekannten sich beide Seiten »zu den Prinzipien des Respekts der Unabhängigkeit, der Souveränität, der territorialen Integrität und der politischen Institutionen ihrer Länder« als Basis ihrer Zusammenarbeit. Wie es weiter heißt, wollen beide Länder auch »die bilaterale Verteidigungszusammenarbeit bei der Seefahrtsicherheit, der humanitären Hilfe, der Katastrophenrettung, dem Friedensschutz und der Beseitigung von Kriegsfolgen« intensivieren. Beide Seiten hätten auch ihre »ernste Beunruhigung« zum Nuklear-Programm und der Entwicklung ballistischer Raketen der KDVR ausgedrückt und stimmten überein, zu einem Abkommen über eine kernwaffenfreie friedliche koreanische Halbinsel zu kommen.

Der gemeinsamen Erklärung ist zu entnehmen, daß die Lage im südchinesischen Meer und der Konflikt um die Paracel- und Spratly-Inseln erörtert wurden. Beide Seiten sprachen sich für die freie internationale Schifffahrt, Überflugrechte und den ungehinderten Handel in der Region aus.

Spekulationen, Hanoi habe sich in der Konfrontation der USA mit China auf Trumps Seite ziehen lassen, erhielten eine Abfuhr durch den Besuch des Chinesischen KP-Chefs und Präsidenten Xi Jinping, den Nguyen Phu Trong, kaum das Trump am Sonntag abgereist war, in Hanoi empfing. Beide Seiten hätten in einer »freundschaftlichen Atmosphäre« die positive Entwicklung ihrer »uneingeschränkten strategischen partnerschaftlichen Zusammenarbeit bekräftigt« und würden Schwierigkeiten und Hindernisse in ihren Beziehungen im Interesse ihrer Völker lösen.

Gerhard Feldbauer

Mit dem Besuch des Chinesischen KP-Chefs und Präsidenten Xi Jinping am Sonntag in Hanoi wurden Spekulationen ausgeräumt, Hanoi habe sich in der Konfrontation der USA mit China auf Trumps Seite ziehen lassen (Foto: EPA-EFE)

Dienstag 14. November 2017