Unser Leitartikel:
Wenn nicht der Mensch, sondern die Profitinteressen überwiegen

In den letzten Jahren haben sich die Arbeitsbedingungen stark verschlechtert. Was den arbeitenden Menschen immer schwerer zu schaffen macht, ist der heutzutage fast allgegenwärtige Stress, der sich nicht nur negativ auf die Arbeitsbedingungen und das Arbeitsklima auswirkt, sondern zunehmend auch negative Auswirkungen auf die Gesundheit der Schaffenden hat. Die Beschwerden den von Stress und zunehmendem Druck betroffenen Erwerbstätigen reichen von Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Verdauungsproblemen und Konzentrationsschwierigkeiten bis hin zu Angstgefühlen und Depressionen.

Negative Auswirkungen haben die neuen »Krankmacher« jedoch nicht allein auf die Schaffenden, sondern auch auf die Finanzen der Sozialversicherungen. So wurden innerhalb der EU im vorigen Jahr für die Behandlung von Lohnabhängigen, die aufgrund des wachsenden Drucks und des zunehmenden Stress erkrankten, weit über 20 Milliarden Euro an Honorarkosten, Medikamenten, Krankenscheinen, usw. von den Krankenkassen ausgegeben.

Druck, Hetze und Stress bereiten den arbeitenden Menschen immer größere Probleme, ausgelöst durch eine immer unzumutbarere Flexibilisierung der Arbeitswelt und eine Deregulierung der Arbeitszeitregelung – unter anderem häufig abgeänderte Schichtpläne, längere Arbeitszeiten, kürzere Ruhepausen, gestrichene Urlaubstage, kaum noch freie Wochenende. Eine Arbeitszeitorganisation also, die schon vor der rezenten Reform des PAN-Gesetzes in so manchen Wirtschaftsbereichen die Grenzen des Zumutbaren in vielerlei Hinsichten bereits deutlich überschritten hatte.

Nicht desto trotz einigten sich Regierung und Patronat vor Monaten in den Verhandlungen zur Reform des besagten Gesetzes darauf, die zur Berechnung der Arbeitszeiten geltenden Referenzperiode von einem auf vier Monate auszuweiten, was es den Betrieben seither erlaubt, die Schichtpläne in einem noch größeren Maße ihren Bedürfnissen anzupassen, ohne dabei die Grenzwerte von zehn Stunden am Tag und 48 Stunden die Woche überschreiten zu dürfen.

Darüber hinaus hält das reformierte Gesetz fest, dass bei einer Referenzperiode von bis zu drei Monaten die eigentliche Monatsarbeitszeit um 12,5 Prozent überschritten werden darf, bei einer Referenzperiode von mehr als drei Monaten um zehn Prozent. Erst wenn diese Grenzwerte überschritten werden, fallen Überstunden an. Was zur Folge haben wird, dass das Patronat »seinen« Mitarbeitern immer häufiger Mehrarbeit aufzwingen kann, ohne dafür Zuschüsse zahlen zu müssen.

Mehr Flexibilisierung und weitere Deregulierung der Arbeitszeitregelung heißt notgedrungen auch mehr Hetze und größeren Stress für alle Betroffenen.

Was eigentlich jeder wissen sollte, jedoch nichts daran änderte, dass die Hauptforderung des Patronats beim zuständigen Minister auf ein offenes Ohr stieß. Dies, obwohl schon lange vor der Gesetzesreform zahlreiche Erwerbstätige in einer Umfrage angegeben hatten, sie seien regelmäßig mit hohen Stresssituationen am Arbeitsplatz konfrontiert, ihr Nervenkostüm sei den immer schlechter werdenden Arbeitsbedingungen nicht mehr gewachsen und sie seien deswegen immer öfter in ärztlicher Behandlung.

Ein Beweis mehr dafür, dass im Kapitalismus nicht der Mensch, sondern allein der Profit zählt.

gilbert simonelli

Dienstag 30. Januar 2018