Israel forciert den Krieg gegen Syrien und droht dem Iran

Nach dem Abschuß eines israelischen Kampfflugzeuges hat Ministerpräsident Benjamin Netanjahu Syrien und dessen Verbündeten Iran vor einer neuen gefährlichen Konfrontation in Nahost »gewarnt«. »Wir haben klare rote Linien gezogen«, sagte Netanjahu am Sonntag. Israel werde weiter »entsprechend vorgehen«.

Ein von der syrischen Luftabwehr getroffener Kampfjet war am Samstag auf israelischem Gebiet abgestürzt. Laut einem Bericht der »Jerusalem Post« verstärkte Israel als Reaktion auf den ersten Abschuß eines eigenen Kampfflugzeuges seit 1982 die Luftabwehr im Norden des Landes.

UNO-Generalsekretär Antonio Guterres rief alle Parteien zu einer »sofortigen und bedingungslosen Deeskalation der Gewalt« auf. Der Generalsekretär beobachte sowohl die »alarmierende militärische Eskalation« innerhalb Syriens wie auch deren gefährliche Ausdehnung über die Landesgrenzen hinweg, sagte ein Sprecher in New York. Rußlands Präsident Wladimir Putin appellierte, jegliche Schritte zu vermeiden, die zu einer für alle gefährlichen Konfrontation in der Region führten.

Die libanesische Hisbollah-Miliz sprach vom »Beginn einer neuen strategischen Phase, die der Verletzung des syrischen Luftraums und Landes Grenzen setzt«.

Bei einer Serie schwerer israelischer Luftangriffe in Syrien sollen am Samstag sechs regierungstreue Kämpfer getötet worden sein. Israel nutzte das Eindringen einer angeblich iranischen Drohne in sein Hoheitsgebiet als Vorwand für forcierte Luftangriffe gegen syrisches Territorium. Ein Video der Armee zeigte, wie ein Flugobjekt abgeschossen wurde. Der Iran dementiert, eine solche Drohne eingesetzt zu haben.

Die syrische Luftabwehr feuerte nach israelischen Angaben rund 20 Raketen ab. Getroffen wurde dabei ein israelischer Kampfjet des Typs F-16 ab, der nahe der Ortschaft Harduf im Norden Israels auf okkupiertem palästinensischem Gebiet zerschellte. Zwei israelische Piloten konnten sich mit dem Schleudersitz retten, einer von ihnen wurde jedoch schwer verletzt.

Israels Luftwaffe bombardierte nach eigener Darstellung »iranische Ziele« in Syrien und die Luftabwehr. Beschossen wurde laut syrischen Angaben unter anderem der strategisch wichtige Militärflughafen T4 im Zentrum des Landes. »Wir haben den iranischen und syrischen Kräften gestern harte Schläge versetzt«, prahlte Netanjahu.

Die israelische Luftwaffe hatte in den vergangenen Wochen und Monaten mehrfach Angriffe gegen Ziele in Syrien geflogen. Die Israelis behaupten, daß sich die meisten gegen die Hisbollah richteten.

Nach dem Abschuß des israelischen Kampfflugzeugs durch die syrische Luftabwehr hat Washington Israels »Recht zur Selbstverteidigung« betont. Die Vereinigten Staaten seien zutiefst besorgt über »die heutige Eskalation der Gewalt über die israelische Grenze«, sagte die Sprecherin des USA-Außenministeriums Heather Nauert am Samstag (Ortszeit). Die US-Regierung unterstütze »Israels souveränes Recht auf Selbstverteidigung«.

Die »kalkulierte Eskalation der Bedrohung« durch den Iran und das Bestreben des Landes, »seine Macht zu zeigen«, gefährde alle Menschen der Region – »vom Jemen bis zum Libanon«, so Nauert. Die USA würden weiterhin gegen »die Gesamtheit der böswilligen Aktivitäten des Iran« in der Region vorgehen. Washington fordere den Iran auf, Verhaltensweisen einzustellen, »die Frieden und Stabilität in der Region bedrohen«. (dpa/ZLV)

(Foto: EPA-EFE)

Montag 12. Februar 2018