Welche Lehre paßt zu mir?

Handwerks- und Salariatskammer wollen Schülerinnen und Schülern bei der Wahl der passenden Berufsausbildung mit einem Eignungstest helfen

Die Zahlen sind eigentlich bekannt: Seit dem Jahr 1990 hat sich die Zahl der Handwerksbetriebe auf 7.250 fast verdoppelt, die Zahl der in Luxemburg angemeldeten Handwerker ist sogar um beinah 150 Prozent auf 84.500 gestiegen. Hingegen wurde die Zahl der 1990 in Luxemburg erfolgreich abgeschlossenen Berufsausbildungen nur noch selten erreicht – in den meisten Jahren wurden zum Teil deutlich weniger Gesellenbriefe übergeben.

Nicht zuletzt, um unter Jugendlichen für die betriebliche Berufsausbildung zu werben, bieten die Handwerks- und die Salariatskammer ab diesem Jahr eine »berufsneutrale Eignungsprüfung« an, die das »persönliche Fähigkeitsprofil der Schüler« aufzeigen soll, damit er sich informieren kann und schließlich die Lehre findet, die am besten zu ihm paßt.

Wie am Montag auf einer gemeinsamen Pressekonferenz im Lycée Technique du Centres auf Limpertsberg betont wurde, kann der sogenannte Basic-check, der allen Schülerinnen und Schülern des allgemeinen Sekundarunterrichts am Ende des zweiten Trimesters der 5. Klasse (vormals 9. Klasse des technischen Sekundarunterrichts) angeboten wird, nicht die Erfüllung der jeweiligen Zulassungsbedingungen ersetzen. Auch in einem Werbefaltblatt heißt es klipp und klar: »Nur schulische Ergebnisse sind entscheidend für den Zugang zur Berufsausbildung.«

Der Basic-check, der auf einem Schweizer Vorbild basiert, mit dem die Abbrecherquote in der Alpenrepublik seit Mitte der 90er Jahre deutlich gesenkt werden konnte, dauert inklusive kurzer Pausen fast drei Stunden. Er wird zwischen dem 26. März und dem 30. April kostenlos von der Handwerks- und der Salariatskammer angeboten – entweder in der jeweiligen Schule oder in den Räumen der Arbeiterkammer. Informationen, Beispielaufgaben und eine »check-app«, mit der man sich vorab mit den Fragen vertraut machen kann, gibt es auch im Internet unter www.basic-check.lu.

Die während des online durchgeführten Antwortwahlverfahrens (Multiple Choice) gestellten Fragen umfassen Denkaufgaben mit sprachlichen Inhalten – entweder auf Französisch oder Deutsch. Wobei auch Dialoge, Leseverständnis, Grammatik und Übersetzungen in der jeweils nicht gewählten Sprache sowie auf Englisch abverlangt werden. Hinzu kommen laut Faltblatt »Denkaufgaben mit zwei- und dreidimensionalen Inhalten, Denkaufgaben mit Zahlen und Praxisaufgaben«.

Die regelmäßig von unabhängigen Experten überprüfte Auswertung des Eignungstests wird ausschließlich elektronisch an den freiwillig Teilnehmenden übermittelt. Der kann dann mit einem sogenannten Matchingtool selbst feststellen, für welche betrieblichen Lehren er die Mindestanforderungen erfüllt. Dazu vergleicht das Orientierungstool die erreichten Punkte mit den Anforderungen der jeweiligen Ausbildung. Mit diesen Daten könne ein persönliches Berufsprofil erstellt werden, erklärte Dan Schroeder von der Handwerkskammer.

Vorbild DDR?

Sowohl Salariatskammerpräsident Jean-Claude Reding als auch Handwerkskammerpräsident Tom Oberweis betonten gestern »die Wichtigkeit des Schweizer Modells ‚Kein Abschluß ohne Anschluß’«. Zusammen mit Partnern in Frankreich und Deutschland bieten Salariats- und Handwerkskammer bereits sogenannte duale Studien an, die zum Großteil in einem Unternehmen stattfinden. Um »Perspektiven jenseits des Gesellen- und Meisterbriefs« anbieten zu können, solle auch über Bachelor- und Masterabschlüsse im Dualen System nachgedacht werden, hieß es gestern unisono und Jean-Claude Reding schlug gar vor, »noch einen Schritt weiterzugehen und das klassische Abitur mit einer Berufsausbildung zu verbinden«. Das Vorbild hierzu würde allerdings nicht aus der Schweiz, sondern aus der DDR stammen, wo es für Akademikerkinder die Regel war, parallel zum Abitur an einer Oberschule eine berufliche Ausbildung in einem Betrieb zu machen.

oe

Montag 5. März 2018