Nationaler Antibiotikplan 2018-2022:

Verantwortungsbewußter Einzatz für weniger Resistenzen

Da alles zusammenhängt, wurde nach etlichen Kampagnen in Teilbereichen nun ein gesamtheitlicher Aktionsplan aufgestellt. Obwohl der Verbrauch an Antibiotika in den beiden letzten Jahren im ambulanten Bereich – hier werden 93% verbraucht – um 7% zurückging und es 2014-2016 insgesamt einen Rückgang von 10% gab, liegt Luxemburg immer noch bei der ambulanten Medizin auf Platz 7 von 30 europäischen Ländern. Was Resistenzen und die Verwendung in Spitälern betrifft, liegt Luxemburg im Mittelfeld, bei der Veterinärmedizin in der oberen zweiten Hälfte.

Das habe damit zu tun, daß es in Luxemburg keine großen Schweine- und Kälbermastbetriebe und auch (noch) keine große Hähnchenzüchterei gibt.

Dennoch sollte ein besonderes Augenmerk darauf gelegt werden, rezente Antibiotika, die für die Humanmedizin von größter Wichtigkeit sind, nur noch in Ausnahmefällen in der Veterinärmedizin zu verschreiben. Immerhin sind Antibiotika ja auf jedem Gebiet im kleinen Großherzogtum verschreibungspflichtige Medikamente, die es nicht im freien Verkauf gibt.

Wobei sich Veterinärmedizin nicht auf die Landwirtschaft mit den Nutztieren beschränkt, wo eine Infektion des Menschen über Lebensmittel laufen kann, sondern auch die Haustiere sind bei falscher Behandlung eine eigentlich sogar noch größere Gefahr durch den engen Kontakt – denn wer schmust nicht mit Katze und Hund, wenn er seine Wohnung schon mit ihnen teilt.

Auch wenn das Herr Trump am Beginn eines Wirtschaftskrieges nicht gerne hören wird, so wurde bei der gestrigen Pressekonferenz zur Planvorstellung darauf verwiesen, daß in den USA Antibiotika massiv in der Tiermast eingesetzt werden, um das Wachstum zu beschleunigen, was in Europa (und nicht nur in der EU) schon lange verboten ist.

Wesentliches Ziel des Plans ist es, daß Antibiotika künftig nur noch gezielt eingesetzt werden, wenn sicher ist, daß Bakterien als Missetäter zu bekämpfen sind. Denn – und das wird schließlich seit Jahren immer wieder kampagnenartig wiederholt – gegen Viren helfen Antibiotika überhaupt nicht, wobei die in 80% der Fälle am Werk sind, wenn geniest und gehustet wird.

Zweitens sollen Breitband-Antibiotika so viel als möglich vermieden werden.

Ganz besonders dabei ist Luxemburg nicht der beste Schüler, wenn es auch eine leichte Tendenz zur Verbesserung gibt. In den Spitälern kommt es langsam dazu, systematisch Kulturen anzusetzen, um herauszufinden, welches spezifische Antibiotikum das Mittel der Wahl ist. Dazu sei es gekommen, weil fürs Spital Medikamente ein wesentlicher Kostenfaktor sind.

Es wird mit dem Plan für die Jahre 2018-2022 jetzt jedes Jahr Kampagnen geben, die sich einerseits an Ärzte und andererseits ans breite Publikum richten. Das wird sich wohl wundern, warum der Plan »One Health« heißt, wenn er doch nicht für die USA ist, sondern für Luxemburg. Hätte das in einer der drei Verwaltungssprachen des Landes nicht modern genug geklungen?

Weniger ist mehr

Dem ehrenwerten Publikum wird erneut ans Herz gelegt werden, Ärzte nicht zur Verschreibung von Antibiotika zu drängen, weil sie eben bei Viren völlig fehl am Platz sind, wenn sie aber beschrieben sind, sie exakt wie beschrieben zu nehmen und auch nicht frühzeitig abzusetzen. Gerade das ist die sicherste Methode, multiresistente Bakterien zu züchten, und in Indien oder Pakistan sind sie dabei besonders erfolgreich. Deswegen wird auch in Holland – einem Musterschüler beim Antibiotika-Konsum – jemand, der sich dort aufhielt, und der krank wird, im Spital grundsätzlich ins Isolierzimmer verfrachtet, bis nachgewiesen ist, daß er keinen multiresistenten Keim im Körper hat. Nur so lassen sich tatsächlich Resistenzen hintanhalten, was absolut nötig ist, sterben doch schon jedes Jahr dadurch allein in der EU 25.000 Menschen. Die Medizin darf die bedeutendste Innovation des 20. Jh. nicht in ihrem Arsenal verlieren, sonst sind Organtransplantationen oder Chimeotherapien gar nicht mehr durchführbar und Krankheiten wie Tuberkulose und Hirnhautentzündung wieder unheilbar.

Bei Haustieren gilt sowieso dasselbe wie beim Menschen: nur wenn Bakterien zu bekämpfen sind, und dann exakt in Dosis und Zeit wie vorgeschrieben. Wobei nie Reste einfach mal so geschluckt werden dürfen, weil man meint . . . denn da meint man falsch.

Tja, und in der Landwirtschaft sind die Regeln strikt einzuhalten. Der Abstand zum Schlachttermin muß stimmen, Milch darf während der Behandlung nicht von Mensch oder Tier konsumiert werden. Daß das bei uns eingehalten wird, ist sich das Landwirtschaftsministerium sicher, wären doch die Strafen bei Zuwiderhandlung abschreckend hoch. Wobei die Regeln in der biologischen Landwirtschaft noch um einiges strenger sind als in der konventionellen.

Den Ärzten wird ans Herz gelegt werden, dem Wunsch nach Antibiotika bei Viren zu widerstehen, sowie Schnelltests zu verwenden bzw. Kulturen im Labor anlegen zu lassen, um sicher zu sein und Breitband-Antibiotika vermeiden zu können. Es soll daher die Diagnose geschärft werden, wobei nationale Empfehlungen zur Behandlung häufiger Krankheiten vom Wissenschaftichen Gesundheitsrat ausgehen werden.

Ein neu geschaffenes Nationales Antibiotika-Komitee wird sowohl die Entwicklung bei Konsum und Resistenzen als auch die Wirkung der Maßnahmen überwachen und in einer jährlichen Evaluation publizieren.

Wobei heute schon klar ist, daß ein zweiter Plan nach Ablauf des ersten folgen wird.

jmj

Dienstag 6. März 2018