Alte Hetzte in neuer Verpackung

Marine Le Pen will Front National mit neuem Namen an die Macht führen. Bannon assistiert

Lille – Ein knappes Jahr nach ihrer Niederlage bei der Präsidentenwahl will die Faschistin Marine Le Pen ihrer Partei Front National einen neuen Namen geben und damit »tiefgreifende Erneuerung« signalisieren. Die 1972 gegründete Partei solle künftig »Rassemblement National« heißen, sagte die 49-Jährige unter dem Jubel der Teilnehmer am Sonntag zum Abschluß des Parteitages im nordfranzösischen Lille.

Le Pen machte deutlich, daß sie die rechtsextreme Partei aus der Oppositionsrolle herausführen und an die Regierung bringen wolle. »Unser Ziel ist klar: Die Macht«, rief sie. Über den neuen Namen sollen nun die Parteimitglieder per Briefwahl abstimmen. Mit einem Ergebnis rechnet die Parteichefin nach Medienberichten frühe­stens in sechs Wochen.

Le Pen bekam in Lille von den Mitgliedern Rückendeckung. Sie wurde als Parteivorsitzende für eine dritte Amtszeit bestätigt. Die gelernte Anwältin war die einzige Kandidatin. Hundert Prozent der gültigen abgegebenen Stimmen der wahlberechtigten Parteimitglieder entfielen auf sie, wie AFP berichtete. Knapp drei Prozent der Wahlzettel waren leer oder ungültig abgegeben worden.

Die Umbenennung des FN solle ein »Aufruf sein, sich uns anzuschließen«, sagte Le Pen. »Der Name Front National steht für eine epische und glorreiche Geschichte.« Aber er schrecke manche Wähler ab. »Front« mache man immer gegen jemanden oder etwas. Künftig müsse die Partei Bündnisse und Kompromisse eingehen, forderte Le Pen.

Der Abgeordnete von »La France Insoumise«, Alexis Borbière, schrieb auf Twitter, der Vorschlag erinnere an das »Rassemblement National Populaire«, eine faschistische Partei, die im Zweiten Weltkrieg mit den Nazis kollaboriert habe. »Kennen die FN-Verantwortlichen die französische Geschichte nicht? Oder spielen sie mit ihr?«, fragt er.

Die Partei beendete auch das Kapitel ihres Mitgründers Jean-Marie Le Pen. Der Vater von Marine Le Pen verlor seine Position als Ehrenvorsitzender der Partei. Er war schon 2015 ausgeschlossen worden.

Marine Le Pen pochte in ihrer mehr als einstündigen Rede auf »mehr nationale Eigenständigkeit und weniger EU«. Angesichts der »Terrorbedrohung« in Frankreich fordert sie strengere Gesetze und härtere Strafen für Täter.

Am Samstag hatte Le Pen prominente Schützenhilfe aus den USA bekommen. Steve Bannon, früherer Berater von USA-Präsident Donald Trump, sagte ihrer Partei künftige Wahlsiege voraus. »Sie sind Teil einer weltweiten Bewegung«, rief Bannon unter lautem Jubel. »Die Geschichte ist auf unserer Seite.« Bannon tourt durch Europa, um verschiedene populistische Bewegungen kennenzulernen.

In der Innenstadt von Lille protestierten laut Angaben der Präfektur 500 Menschen friedlich gegen die Politik des Front National. (dpa/ZLV)

Steve Bannon, ehemaliger Chefstratege des Weißen Hauses in den USA, hält beim Parteitag des Front National gemeinsam mit Marine Le Pen eine Pressekonferenz (Foto: AP/dpa)

Montag 12. März 2018