Shopping in Permanenz

DP drängt auf umfassende Freigabe der Ladenöffnungszeiten und spricht von »Chancengleichheit« für Einzelhändler

Geht es nach der DP, die höchstwahrscheinlich zumindest bis zum nächsten Herbst den Premier stellt, dann werden die Ladenöffnungszeiten in Luxemburg umfassend freigegeben. Einzelhändler sollten »selbst entscheiden dürfen«, wie lange sie ihr Geschäft am Abend geöffnet haben wollen und ob sie es auch sonntags öffnen wollen, erklärte der Chamberdeputierte Claude Lamberty am Dienstag auf einer Pressekonferenz. Zwar gehe es der DP nicht um rund um die Uhr und auch an allen Sonntagen geöffnete Geschäfte, es solle aber möglich werden, die Läden morgens schon um 4 oder 5 Uhr zu öffnen und abends bis 22 Uhr offen zu halten, sowie die Möglichkeit, öfter als bisher sonntags zu öffnen.

Zur Begründung bemühte Lamberty, der auch Generalsekretär der DP ist, Schlagworte wie »Modernisierung« und »Chancengleichheit für alle« – meinte damit jedoch lediglich Chancengleichheit für alle Einzelhändler, bzw. Chancengleichheit für Einzelhändler gegenüber Tankstellenbetreibern, die ihre supermarktähnlichen »Tankshops« allabendlich »mindestens bis 22 Uhr« offenhalten dürfen. Derzeit gebe es in Luxemburg »eine Regelung und 20.000 Ausnahmen«, klagte der DP-Mann. Neben den Einzelhändlern »von Düdelingen bis Wemperhardt und von Pallen bis nach Echternach«, die »konkurrenzfähig« gegenüber dem in Luxemburg besonders beliebten »e-commerce« (Internethandel) und den sogenannten Mitbewerbern aus der Großregion blieben bzw. noch an Attraktivität hinzugewönnen, würden auch die Kunden von einer weitgehenden Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten profitieren, behauptet Lamberty. Immerhin erhalte der Kunde »eine gute Alternative zum einfachen Klicken im Internet«.

Bereits im Programm der DP zu den letzten Chamberwahlen 2013 hieß es: »Wir wollen im Handel die Ladenöffnungszeiten freigeben, weil wir die zunehmende Nachfrage der Kunden nach flexibleren Öffnungszeiten ernst nehmen und hierin eine Chance für den Handel und damit für sichere Arbeitsplätze in der Großregion sehen. Aus diesem Grund wird die DP die Ladenöffnungszeiten im Einklang mit dem bestehenden Arbeitsrecht freigeben.« Im Koalitionsabkommen von DP, LSAP und Déi Gréng heißt es hingegen, die aktuelle Regelung der Ladenöffnungszeiten werde lediglich »evaluiert und nach Konsultation der Sozialpartner gegebenenfalls revidiert«.

Nachdem ein Differdinger Bäcker vor dem Verwaltungsgericht Recht bekam und sämtliche Handwerksbetriebe, die Lebensmittel verkaufen, ihre Läden nun schon um 4 Uhr öffnen dürfen, hatte der zuständige Vizepremier und Wirtschaftsminister Etienne Schneider (LSAP) erklärt, er werde sich einer Liberalisierung der Öffnungszeiten im Handel nicht verschließen. Später stellte er jedoch über den Kurznachrichtendienst Twitter klar, mit ihm werde es »keine komplette Liberalisierung« der Ladenöffnungszeiten, wie sie nach dem Urteil des Verwaltungsgerichts unter anderem von der DP-Jugendorganisation JDL gefordert wurde, geben.

Der Nationalvorstand des OGBL, der größten Gewerkschaft im Handel, hat einer totalen Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten zuletzt im Dezember eine klare Absage erteilt. Ausnahmen zum 2012 veränderten Gesetz aus dem Jahr 1995 könne es höchstens nach einer Einigung mit den gewählten Vertretern der im Handel Schaffenden geben, erklärte sein Präsident André Roeltgen.

oe

Den eigenen Laden in Permanenz geöffnet halten, das wünschen sich die Patrons. Wie es mit der Erholung der im Handel Schaffenden aussieht, interessiert sie nicht (Foto: dpa)

Dienstag 13. März 2018