Energiekonzern Encevo schließt 2017 mit 55,7 Millionen Euro Nettogewinn ab

Der Energiekonzern Encevo, eine Holding, in der vornehmlich der Energieversorger Enovos und der Netzbetreiber Creos zusammengefaßt sind, verkaufte im Jahr 2017 insgesamt 27,2 Milliarden Kilowattstunden Gas (+12,5%) und 11,4 Milliarden Kilowattstunden Strom (-14,2%). Er schloss das Jahr mit einem Nettogewinn von 55,7 Millionen Euro ab; ein Jahr zuvor waren es 83,2 Millionen Euro. Auch der Umsatz ging wegen der niedrigeren Preise von 1,89 auf 1,76 Milliarden Euro zurück. Investiert wurden 199,7 Millionen Euro, wovon allein 160 Millionen Euro in die Netze flossen. Hinzu kamen Investitionen in IT-Projekte, in Windanlagen und in den Kauf eines Stromnetzes im Saarland. Der Konzern, der rund 1.600 Beschäftigte zählt, plant weiter hohe Investitionen in den Ausbau und die Modernisierung der Strom- und Gasnetze, »erneuerbare« Energien, die Installation von »intelligenten« Strom- und Gaszähler und Ladestationen für Elektroautos.

Der Konzernspitze zufolge war das Jahr 2017 ein Übergangsjahr, da nach den Rekordergebnissen von 2016, im vergangenen Jahren Sonderrückstellungen und Sonderabschreibungen vorgenommen werden mussten. Die relativ niedrigen Energiepreise konnte sich der Konzern nicht zunutze machen, da in den langfristigen Versorgungsverträgen, die abgeschlossen wurden, um während der nächsten Jahre eine gewisse Preisstabilität zu gewährleisten, deutlich höhere Preise festgehalten sind als das der derzeitige Marktpreis ist. Hinzu kam ein Rückgang bei den Vergütungen für die regulierten Netzaktivitäten.

Dennoch zeigte sich die Konzernleitung anläßlich der Bilanzpressekonferenz am 9. Mai in Esch/Alzette zufrieden mit dem abgelaufenen Geschäftsjahr, umso mehr die Nettofinanzschulden weiter zurückgingen und Ende 2017 nur noch knapp 473,8 Millionen Euro betrugen, während das Eigenkapital um 3,6 Prozent auf 1,29 Milliarden Euro anwuchs.

Neuer Aktionär gesucht

Diese Zufriedenheit kommt auch darin zum Ausdruck, dass 24,5 Millionen Euro des 55,7 Millionen Euro hohen Nettogewinns als Dividende an die Aktionäre der Holding ausgeschüttet werden. Das sind seitens der öffentlichen Hand der Luxemburger Staat (28%), die Stadt Luxemburg (15,61%), die Nationale Kredit- und Investitionsgesellschaft SNCI (14,20%), die Staatssparkasse BCEE (12%) und seit Februar 2018 das Luxemburger Postunternehmen (4,71%), während als einziges privatkapitalistisches Unternehmen die französische Aktiengesellschaft Ardian (25,48%) Teilhaber ist. Dieser Investitionsfonds, der auf mehreren Kontinenten Aktiva in Höhe von 67 Milliarden Euro verwaltet, scheint unzufrieden mit der Ausrichtung der Encevo und will daher seine Anteile an der Holding verkaufen. Die derzeitigern Aktionäre haben zwar ein Vorkaufsrecht, wollen das aber offenbar nicht nutzen, so dass bis Jahresende für mehrere hundert Millionen Euro ein neuer privater Kapitalist bei Encevo einsteigen dürfte.

A.R.

Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 199,7 Millionen Euro investiert, davon rund 160 Millionen Euro in die Strom- und Gasnetze. Foto: Creos

Freitag 11. Mai 2018