Zwischen November 1942 und 1944 hatten die Nazis 364 sowjetische Zwangsarbeiter nach Differdingen verschleppt

Gedenkstein für die sowjetischen Zwangsarbeiter enthüllt

Mit einer ergreifenden Zeremonie wurde am 12. Mai 2018 auf dem Friedhof in Differdingen ein Gedenkstein für die von den Nazis nach Luxemburg verschleppten sowjetischen Zwangsarbeiter enthüllt. Zwischen November 1942 und 1944 hatte Hitlerdeutschland mehr als 3.000 Sowjetbürger aus dem von der faschistischen Wehrmacht besetzten Teilen der Sowjetunion nach Luxemburg verschleppt, wo die Nazis zu diesem Zeitpunkt ebenfalls ihre Terrorherrschaft ausübten.

Eines der acht Baracken-Lager, in denen die Sowjetbürger hinter Stacheldraht gefangen gehalten und von den Besatzern bewacht wurden, befand sich in Differdingen »op der Schlackemillen«, in Differdingen-Fousbann. Von dort aus begaben sich die 364 »Ostarbeiter«, wie sie von den Nazis genannt wurden, jeden Tag zum Hüttenwerk der Stahlwerke AG, das für die Kriegsproduktion der Nazis arbeitete.

Dort mussten die sowjetischen Zwangsarbeiter, von denen die Mehrheit junge Frauen und Mädchen im Schulalter waren, schwere körperliche Arbeiten verrichten, was – zusätzlich bedingt durch die knappen Rationen – dazu führte, dass viele gesundheitlich geschwächt waren.

Obwohl die Nazis denen, die den eingesperrten Sowjetbürgern helfen wollten – und sei es nur mit einer Suppe oder Brot – schwere Strafen androhten, hielt das viele Arbeiter und Einwohner nicht davon ab, den Zwangsarbeitern Lebensmittel oder Seife zuzustecken. Aus Dankbarkeit schenkten die eingesperrten Sowjetbürger ihnen oft selbst gefertigte Schnitzereien.

Zum 73. Jahrestag des Siegs über den Faschismus wurde nun in Erinnerung an die sowjetischen Zwangsarbeiter ein Gedenkstein auf dem Differdinger Friedhof enthüllt.

»Errichtet zum Gedenken an die Opfer des Zweiten Weltkriegs – sowjetische Zwangsarbeiter, die im Arbeitslager »Schlackemillen« festgehalten wurden, das sich in Differdingen in der Rue Max Meier 60 befand. Dieses Lager war das größte Zentrum der zwangsweisen Ausbeutung sowjetischer Kriegsgefangener und internierter ziviler Sowjetbürger in Luxemburg. Von 1942 bis 1944 waren hier bis zu 364 sowjetische Arbeiter eingesperrt, vor allem junge Mädchen«, lautet die Inschrift auf dem Gedenkstein, auf dem auch die Namen von zwei ums Leben gekommenen Sowjetbürgerinnen zu lesen sind – Anna Mjeschkowa 15 Jahre alt und Uljana Leljotka, 31 Jahre alt.

Nie wieder!

Die Einweihung erfolgte im Beisein des Gouverneurs der Region Tambow, Alexander Nikitin, des russischen Botschafters in Luxemburg Viktor Sorokin, des Bürgermeisters der Gemeinde Differdingen, Roberto Traversini, und einer starken Delegation der KPL unter Leitung ihres Präsidenten Ali Ruckert.

In kurzen Ansprachen wurde an die verschleppten Zwangsarbeiter erinnert, und der Gouverneur der Region Tambow mahnte, die Erinnerung an die schreckliche Zeit der faschistischen Besatzung und an die Opfer wachzuhalten und dafür Sorge zu tragen, dass so was nie mehr geschehen kann und die Zukunft frei von Krieg sein wird.

Nik.

Die von den Nazis nach Differdingen verschleppten Sowjetbürgerinnen mussten schwere körperliche Arbeiten verrichten und wurden zur Ankurbelung der Kriegsproduktion im Differdinger Hüttenwerk gezwungen. Foto von Nic. Philippe, KPL-Archiv)

Montag 14. Mai 2018