Unser Leitartikel:
Das Handwerk aufwerten

Eine Aufwertung des Handwerks sei unbedingt erfordert, so die Handwerkskammer. Eine Forderung, die für die Kommunisten keine neue Erkenntnis ist. Seit vielen Jahren tritt die KPL schon dafür ein.

Was soll man jedoch von einer Handwerkskammer halten, die nach außen hin zu Recht die Aufwertung eines Wirtschaftssektors fordert, der immerhin nahezu 90.000 Erwerbstätige beschäftigt, im gleichen Atemzug jedoch gegen eine Anhebung des Mindestlohns eintritt, sich für längere Arbeitszeiten und eine vollständige Flexibilität stark macht und bei jeder sich bietenden Gelegenheit im stillen Kämmerlein noch immer die Abschaffung der automatischen Lohnanpassung (Index) fordert. Soll diese Aufwertung etwa auf Kosten der Beschäftigten erfolgen?

Wer junge Menschen für das Handwerk begeistern will, muss diesen ordentliche Perspektiven bieten und eine sichere Zukunft in Aussicht stellen. Was derzeit nicht der Fall ist. Zu diesen Perspektiven gehören neben einer Arbeitsplatzgarantie eine angepasste Entlohnung und echte Aufstiegschancen im erlernten Beruf.

An erster Stelle gehört allerdings die Zusicherung, nach bestandener Lehre vom Betrieb übernommen zu werden. Was heutzutage beileibe keine Selbstverständlichkeit ist. So kommt es immer häufiger vor, dass jungen Menschen nach bestandener Gesellenprüfung kein Arbeitsvertrag angeboten wird. Drei Jahre als billige Arbeitskraft ausgenutzt zu werden, um dann anschließend, trotz Diplom, auf der Straße zu landen, ist ein Risiko, das immer weniger junge Menschen einzugehen bereit sind, was folgende Zahlen deutlich belegen: Im Jahr 1990, als Luxemburg nur knapp über 380.000 Einwohner zählte, waren rund 1.350 junge Menschen in einer Berufsausbildung, 28 Jahre später und einem Bevölkerungszuwachs von rund 220.000 Einwohnern waren es deren nur knapp 400 mehr. Schlimmer noch, im Jahr 2016 schlossen von 1.736 eingeschriebenen Lehrlingen nur 368 ihre Lehre erfolgreich ab.

Eine weitere Hemmschwelle um eine Lehre anzutreten oder abzuschließen, besteht darin, dass die Arbeit, die man im Privatsektor als Handwerker zu verrichten hat – sollte man nach Ende der betrieblichen und schulischen Ausbildung im erlernten Beruf eine Anstellung finden – vielfach unterbezahlt ist. Und dies nicht nur in den Anfangsjahren der beruflichen Laufbahn. Ein Blick in so manchen Kollektivvertrag zeigt, dass Handwerker in der Regel nicht mehr als den qualifizierten Mindestlohn oder nur knapp über den 120 Prozent des sozialen Mindestlohns verdienen. Eine Entlohnung, die einfach nicht ausreicht, ein Leben in Würde führen zu können. Umso berechtigter ist die Forderung der Kommunisten, die 20-prozentige Aufbesserung des Mindestlohns nicht länger hinauszuschieben.

Die von der Hanfwerkskammer geforderte Aufwertung eines so wichtigen Wirtschaftssektors wie das Handwerk mit seinen mehr als 7.000 Betrieben kann nur über eine Umverteilung der Gewinne erfolgen. Gewinne, die nicht weiter zu großen Teilen in die Taschen von Betriebsinhabern und Aktionären fließen dürfen, sondern in eine allen Anforderungen entsprechende Berufsausbildung, in höhere Löhne und in neue und sichere Arbeitsplätze – auch solche für Hilfsarbeiter mit geringerer Qualifikation – investiert werden müssen.

Wer jedoch wie die Handwerkskammer verlorene Markanteile durch eine noch größere Ausbeutung der Arbeitskraft zurückgewinnen will, muss sich die Kritik gefallen lassen, dass ihre Forderung nach einer Aufwertung des Handwerks keine Grundlage hat, die standhält.

gilbert simonelli

Gilbert Simonelli : Dienstag 15. Mai 2018