Militärmanöver in Südkorea

Nordkorea bezweifelt Ernsthaftigkeit von Gipfeltreffen mit Trump

Die Führung der Koreanischen Demokratischen Volksrepublik ist besorgt über Militärübungen der USA mit Südkorea und zieht in Erwägung, das für den 12. Juni geplante Gipfeltreffen von Staatschef Kim Jong Un mit USA-Präsident Donald Trump abzusagen. Das berichtete die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap am frühen Mittwoch (Ortszeit). Geplante hochrangige Versöhnungsgespräche mit Südkorea für denselben Tag seien abgesagt worden.

Laut der nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA seien die Militärübungen nicht wie gewünscht eingestellt worden. So simulierten die südkoreanische und die USA-Luftwaffe mit den »Max Thunder«-Übungen Attacken auf den Norden – dies sei eine ernste Provokation.
Diese Übung verletze die gemeinsamen Vereinbarungen von Süd- und Nordkorea nach dem Gipfeltreffens vom 27. April und seien eine vorsätzliche militärische Provokation. »Die Vereinigten Staaten werden sorgfältige Überlegungen anstellen müssen über das Schicksal des geplanten nordkoreanischen Gipfeltreffens«, hieß es in dem Bericht.

Ungeachtet der begonnenen Entspannungspolitik hatten die USA und Südkorea am Freitag das jährliche Manöver »Max Thunder« gestartet, eine zweiwöchige »Luftverteidigungsübung«. An dem Manöver nehmen nach Berichten südkoreanischer Medien etwa 100 Kampfflugzeuge teil.

Nordkorea hat vor dem Gipfeltreffen von Kim Jong Un und Präsident Trump mit dem versprochenen Abbau seines Atomtestgeländes begonnen. Einige wichtige Einrichtungen an den Eingängen des Testgeländes Punggye-ri im Nordosten des Landes seien abgerissen worden, berichteten Fachleute der auf Nordkorea spezialisierten Nachrichtenseite »38 North« des USA-Korea-Instituts.

Die KDVR hatte am Wochenende angekündigt, die Testanlage zwischen dem 23. und dem 25. Mai zu sprengen. Die Führung in Pjöngjang will mit der Zerstörung des Atomtestgeländes demonstrieren, daß es das Land mit seinen Ankündigungen ernst meint und verhandlungsbereit ist.

Das Weiße Haus hat zurückhaltend auf Medienberichte reagiert, wonach Nordkorea den Gipfel von Kim Jong Un und Donald Trump in Frage stellen könnte. »Wir sind uns des Medienberichts aus Südkorea bewußt. Die Vereinigten Staaten werden prüfen, was Nordkorea unabhängig davon gesagt hat«, erklärte Trumps Sprecherin Sarah Sanders. Sie ergänzte, die USA-Regierung werde sich weiter eng mit ihren Verbündeten abstimmen.

Ein Sprecher des USA-Kriegsministeriums erklärte, die Übungen seien lange angekündigt gewesen, es handele sich um regelmäßige Frühlingsmanöver. Der Sprecher betonte, die Übungen seien seit Jahrzehnten »defensiver Natur« und dienten der »Sicherung der südkoreanischen Verteidigungsfähigkeiten«. (dpa/ZLV)

F16-Kampfflugzeuge der US Air Force bei der Militärübung »Max Thunder 2017« in Gunsan, Südkorea am 20. April 2017. Bei den jährlichen Manövern simulierten die südkoreanische und die USA-Luftwaffe Attacken auf den Norden (Foto: EPA)

Mittwoch 16. Mai 2018