»Puls spüren und fühlen«:

Luxemburgisch lebt

Die Regierung hat bei TNS Ilres eine Umfrage bestellt, um zu sehen, wie ihre Strategie zur Förderung der Luxemburger Sprache vom 9.3.2017 und das am 15.11.2017 nachgereichte Gesetzesprojekt, das noch im Juli gestimmt werde, ankommt. Gleichzeitig läuft die Auswertung der vier sogenannten »Bürgerforen« in Verbindung mit der Online-Plattform, die auch im Juli vorgestellt werden soll.

Gestern erklärte Tommy Klein der Presse die Ergebnisse aus 1.053 Befragten ab 16, die im Land wohnen. 40% davon haben nicht die Luxemburger Nationalität; gefragt wurde zwischen dem 23.1. und dem 6.2.2018.

Der Mann trägt den schönen Titel »Client service director« spazieren und scheint damit auszudrücken, bei TNS Ilres sei Englisch die erste Sprache. Zunächst darf die Regierung zufrieden sein. 76% finden die Aktionen der Regierung wie z.B. schreiwen.lu, die Förderung im Kleinkinderalter und das Online-Wörterbuch gut, 46% sogar sehr gut und nur 10% schwach. 15% finden allerdings gar nichts. Bei Leuten mit Luxemburger Staatsbürgerschaft steigt die Zustimmung auf 79%, Portugiesen liegen noch bei 74%, andere Nationalitäten »nur« bei 69%. Wenn 11% der Luxemburger und 18% der Portugiesen sich dazu nicht in der Lage spüren, eine Aussage zu machen, sind es bei den anderen Nationalitäten 21%. Noch genauer sind 31% derer, die kein Luxemburgisch können, dazu nicht in der Lage. Schlußfolgerung: die haben davon gar nichts mitgekriegt.

Integration über öffentliche Schule

Jede Regierung war bisher stolz auf die Mehrsprachigkeit des Landes neben der Wichtigkeit, die dem Luxemburgischen beigemessen wurde. Interessant ist, daß 94% der 16-24jährigen sagen, sie seien des Luxemburgischen mächtig und 92% sie beherrschten die drei offiziellen Sprachen des Landes. Von 25-34 sind das dann 90 und 87%, und dann macht sich die Einwanderung stark bemerkbar. Von 34-44 sind es nur noch 67 und 61%, von 45-54 70 und 61%, von 55-64 70 und 64%, während es bei 65 und älter wieder 78 und 69% sind. Da macht sich wohl der Zweite Weltkrieg bemerkbar, wurde doch damals kein Französisch mehr unterrichtet unter faschistischer Besatzung. Es ist das aber auf jeden Fall der Beweis, daß die Integration über die öffentliche Schule und deren Schulhöfe ab der zweiten Generation funktioniert.

Neue Einwanderer wie integrieren?

Die Frage, die sich stellt, ist also die, wie die erste Generation der Einwanderer sich integrieren läßt. Wie die erreicht werden sollen, wenn es nicht über die Betriebe geschieht, in denen sie arbeiten, erschließt sich uns nicht. Dennoch ließ die Regierung TNS Ilres nur nach Schule (44% vorrangig, 88% insgesamt), Politik (34 und 74%), den Leuten selbst (17 und 69%), den Vereinen (4 und 59%) und »anderen Instanzen« (1 und 6%) fragen, wenn es darum geht, wer bei der Förderung des Luemburgischen tätig werden soll. Tommy Klein gab auf Nachfrage an, unter den anderen Instanzen seien auch die Betriebe genannt worden.

Klar, wenn das nicht angeboten wird als Möglichkeit, werden wenige das angeben. Wir erlaubten uns die anwesenden Regierungsmitglieder Meisch und Arendt zu fragen, wie sie das sehen. Claude Meisch lieferte die übliche Jein-Politikerantwort. Es gäbe Betriebe und Dienstleister, wo das wichtiger sei, wie der Gesundheits- und Pflegesektor und überall, wo direkter Kundenkontakt besteht. Es gäbe da ja Initiativen, die die Regierung ganz stark unterstütze, die aber sicher ausbaufähig seien. Ob das nun im Betrieb oder im Sprachenurlaub außerhalb geschehe, müsse offen bleiben, vor allem weil es bei Gemeinden und Vereinen, die Sprachkurse anbieten, oft schon schwierig sei, Ausbilder zu finden. Das werde nicht besser, wenn es die Betriebe tun müßten.

Wir garantieren aber, daß kein Bauarbeiter ins Nationale Spracheninstitut nach der Arbeit gehen wird, es aber sinnvoll wäre, dort im Betrieb Luxemburgisch zu lernen, damit nicht Portugiesisch Vorbedingung ist, um am Bau arbeiten zu dürfen.

Mehrsprachigkeit lebt

98% der Befragten sagen, sie können Französisch, 80% Englisch, 78% Deutsch, 77% Luxemburgisch, 22% Portugiesisch, 19% Italienisch, 15% Spanisch, 1% Kreolisch und 11% andere Sprachen.

Eine Sprache können nur 3%. 10% können 2, 14% 3, 73% vier und mehr und 72% die drei offiziellen Sprachen.

Nur 27% finden es kompliziert im Alltag mit dem ständigen Wechsel von einer Sprache in die andere, allerdings sind das 58% bei denen, die kein Luxemburgisch können und 18% bei denen, die das beherrschen. Die Regierung darf sich freuen, daß nur für 18% die Diskussion übers Luxemburgische unnötig oder total übertrieben ist, auch wenn das bei denjenigen, die die Sprache nicht beherrschen 28% sind. Denn sogar 52% dieser Nicht-Luxemburgischsprechenden sind mit der Notwendig einer stärkeren Rolle des Luxemburgischen einverstanden, während es bei den Luxemburgisch Sprechenden 86% sind.

Wenn allerdings 63% der Luxemburgischsprachigen ihre Sprache auch als Schriftsprache sehen, finden ihre Gegenüber das nur zu 33%. Wer Luxemburgisch kann sieht diese Sprache zu 70% als Hauptintegrationssprache und zu 23% Französisch als Zweitintegrationssprache.

Jene, die kein Luxemburgisch können, sehen Französisch zu 67% an erster Stelle und zu 24% Luxemburgisch an zweiter Stelle. Unabhängig von der eigenen Sprachkompetenz kommt Luxemburgisch auf 60% als Hauptintegrationssprache.

jmj

Donnerstag 7. Juni 2018