Eine staatliche Konvention mit Sodexo – aber wo bleibt die Transparenz. Warum schaltet die Regierung sich nicht ein?

Die Streikenden sind entschlossen und zuversichtlich

Nach dem 100-prozentigen Streikerfolg der Beschäftigten der Pflegeinrichtung »Les Parcs du 3ème Age« in Bettemburg, waren die Lohnabhängigen der Pflegeeinrichtung »An de Wisen« in Bettemburg am gestrigen dritten Streiktag voller Optimismus, dass es ihnen auch gelingen wird, die ihnen seit Oktober 2017 geschuldete Aufwertung der Laufbahnen und Löhne zu erkämpfen.

Naiv sind sie dennoch nicht, denn sie wissen, dass hinter der Pflegeeinrichtung in Bettemburg der börsennotierte französische Konzern Sodexo steht, der mit harten Bandagen kämpft, wenn es um die Profite für die Aktionäre geht.

Die Streikenden sind entschlossen und zuversichtlich

OGBL-Zentralsekretärin Nora Back wies anlässlich einer Pressekonferenz vor Ort am gestrigen Freitag darauf hin, dass die Beschäftigten der Pflegeeinrichtung in Bettemburg es mit einem verschachtelten Konzern zu tun haben, der innerhalb der Konzernstrukturen völlig undurchsichtige Verschiebungen und Auslagerungen von Personal und Geldern vornehmen darf. Wie das im real existierenden Kapitalismus, in dem die Gesetze oft zugunsten des Kapitals und zu Lasten der Lohnabhängigen gemacht werden, eigentlich ganz normal ist, möchte man hinzufügen.
Die Trägergesellschaft der Bettemburger Pflegeeinrichtung machte über Jahre hohe Profite, die aber nicht in Erscheinung traten und wenn, dann bestenfalls in hohen Provisionen, von denen niemand weiß, wozu sie da sein sollen.

Ist dieses Modell noch tragbar?

Immerhin gibt es eine Konvention mit dem Staat, die seit 1992 mehrere Male erneuert wurde, ohne dass nachzuvollziehen ist, was genau mit den öffentlichen Geldern geschieht, was skandalös ist.
»Die Regierung muss sich einschalten«, so die Zentralsekretärin des OGBL, die sich fragte, ob das bestehende Modell noch tragbar sei. In der Tat gehen hier ganz unkontrolliert und ohne jegliche Transparenz öffentliche Gelder an einen internationalen Konzern, der Millionen Profite macht, aber nicht in der Lage sein will, die geschuldete Aufwertung der Laufbahnen und Löhne für 177 Beschäftigte zu bezahlen.

Bleibt die Frage, wieso die Regierung dieses Spielchen mitmacht und der zuständige LSAP-Minister seine Hände in Unschuld waschen will und ein regelrechtes Versteckspiel mit den Beschäftigten und der Gewerkschaft treibt.

Gestern kündigte der OGBL an, dass es demnächst auch zu einer Arbeitsniederlegung in der »Séniorie St Joseph« in Petingen kommen wird, die Teil der Zitha-Gruppe ist, die der katholischen Amtskirche nahe steht, bei der aber die christliche Nächstenliebe keine Rolle mehr zu spielen scheint, wenn es darum geht, die den Beschäftigten geschuldete Aufwertung der Laufbahnen und Löhne zu gewährten.

Heute Manifestation der Solidarität in Bettemburg

Heute Samstag findet eine Solidaritätsmanifestation statt, welche der OGBL im Laufe der Woche angekündigt hatte, allerdings wurde sie kurzfristig von Luxemburg nach Bettemburg verlegt. Beginnen wird sie um 12.00 Uhr bei der Pflegeeinrichtung »An de Wisen«.

A.R.

Während der gestrigen Pressekonferenz in Bettemburg

Ali Ruckert : Freitag 8. Juni 2018