Skandalöse Verkehrspolitik:

Für weniger Lohn zu jeder Schandtat bereit

Die Absichten und Interessen hinter dem, was geschieht, aufzuzeigen, ist das, was die »Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek« von den anderen Medien des Landes unterscheidet. Das stört Regierungs- wie Schöffenratsmitglieder, wobei das einzige, was sie dabei tröstet, ist, daß das von uns erreichte Publikum beschränkt ist. Es ist also einfach, sie wirksam zu ärgern: helft mit, diese Zeitung breiter bekannt zu machen!

Dies gesagt, wenden wir uns der Verkehrspolitik zu, die mit Sachverstand nicht zu erklären ist. Da wird in der Hauptstadt mit der Tram jede Menge Verkehrsfläche verbraucht mit dem Ergebnis, daß die Kapazität des öffentlichen Personennahverkehrs um die Hälfte sinkt. Das ist mittlerweile sogar offiziell, wurde doch die Tramkapazität im Modu 2.0 heimlich und leise von 10.000 auf 6.000 Passagiere gesenkt. Wir waren die einzigen, die immer wieder darauf hingewiesen haben, daß die hohe Kapazität nicht machbar sein wird. Die aber wäre schon um 2.500 Plätze unter der gelegen, die es auf der Achse Hauptbahnhof-Oberstadt bis zur Beseitigung des zentralen Busbahnhofs am Aldringer in den Bussen gab. Nicht erklärt hat die Regierung, der Schöffenrat oder Luxtram S.A., wie sie die gesunkene Kapazität ausgleichen wollen: sie fehlt.

Dafür erfinden sie jede Menge neuer Tramlinien, wobei jene in Hollerich neuerdings in der Rue de l’Aciérie einen Knick machen soll, der sie quer durch vier denkmalgeschützte Häuser führt, die als letzte Reste von Arbeiterwohnhäusern der Paul-Wurth-Werke unter Denkmalschutz stehen. Daß das kein wirklicher Schutz in Luxemburg darstellt, ist leicht überprüfbar am Beispiel des verschwundenen »Pôle Nord«, wo der Denkmalschutz gleich zweimal erlassen und aufgehoben wurde. Im Gegensatz zu diesem Tanzpalast sind besagte Häuser aber bewohnt und bestens in Schuß, ebenso wie die Reihe der weiteren, die in der Rue de l’Aciérie, an der Route d’Esch und in der Rue de Cessange abgerissen werden müßten.

Das ist umso skandalöser, als der Maßstab der im Zeremoniensaal am Knuedler ausgehängten Karten derart groß war, daß das dort nicht zu erkennen war. Zufällig klickte wer viermal im Geoportail im Internet, und sah die Bescherung. Sie darf auch andernorts vermutet werden, hat doch niemand die Zeit, sich überall derart durchzuklicken. Selbst nach Esch/Alzette soll nun plötzlich keine direkte neue Zugtrasse mehr entstehen und auch keine weniger direkte, die zugegeben keinen Sinn machen würde, sondern eine wenig direkte Tram, die nur zwischen Foetz und dem Boulevard de Cessange (wenn es ihn denn irgendwann einmal geben sollte) »schnell« sein soll. Davor und danach dann eben langsam, wobei die Betriebsgeschwindigkeit im Modu 2.0 ebenfalls von im nicht kreuzungsfreien Verkehr unerreichbaren 25 auf 20 km/h verringert wurde.

Sinn macht das mit der geringen Transportkapazität natürlich überhaupt keinen, um die Arbeitskräfte in die Hauptstadt zu karren, wo es deren heute schon mit deutlich über 200.000 genug für eine Stadt mit 500.000 Einwohnern gibt. An dieser verfehlten Überzentralisierung ändert weder der neue Allgemeine Bebauungsplan der Hauptstadt etwas, der 80.000 zusätzliche Arbeitsplätze bis 2035 erlaubt, noch die Leitpläne der Regierung. Daß darüber nicht diskutiert wird im Wahlkampf, dazu haben sich alle Sektionen der bürgerlichen prokapitali­stischen Einheitspartei verschworen!

Dafür haben sie jetzt in Villerupt einen Bürgermeister gefunden, der gerne eine Verlängerung der Tram bis in seinen Ort hätte. Würde er eine Verlängerung der Zuglinie fordern, die derzeit in Audun Terminus hat, würde kein Hahn nach ihm krähen, denn das wäre ja sinnvoll.

Doch es würde hintertrieben, was das eigentliche Anliegen hinter der Tram ist: die Verbilligung der Ware Arbeitskraft. Über die privatrechtlich organisierte Firma Luxtram S.A. im Eigentum von Staat und Stadt Luxemburg haben sich DP, LSAP, Déi Gréng und CSV die Möglichkeit geschaffen, die Löhne um 30 bis 45 Prozent unter jene des öffentlichen Dienstes, wie sie bei AVL, TICE und CFL praktiziert werden, zu drücken. Sie haben dem gutbezahlten Direktor, der sich als Märchenerzähler deshalb auch nie zu schade ist, den Auftrag gegeben, auf keinen Fall einen Kollektivvertrag zuzugestehen, der bei Lohn und Arbeitsbedingungen daran angepaßt ist.

Das ist letztlich auch der einzige »vernünftige« Grund, der hinter der Ausdehnung des Tramnetzes zu erkennen ist. Protest dagegen ist somit mehr als berechtigt, beginnend am kommenden Freitag um 9.30 Uhr am Glacis!

Denn es ist in der Tat ein Skandal ersten Ranges, wenn Staat und Gemeinden nicht mehr für ordentliche Lohn- und Arbeitsbedingungen im Interesse der Allgemeinheit und auch der Kaufkraft stehen, sondern für Hungerlöhne und Verschlechterungen aller Art. Dies umso mehr, wenn damit mutwillig auch noch die Sicherheit im Verkehr aufs Spiel gesetzt wird.

Dies dadurch, daß die acht Arbeitsstunden eines Tages auf eine Zeitspanne von 13 Stunden verteilt sein dürfen, während das sinnvollerweise bei der CFL auf zehn Stunden begrenzt ist. Denn bei 13 Stunden bleibt den vor allem französischen Grenzgängern, die für 2.700 Euro brutto noch bereit waren, Tram zu fahren, praktisch keine Erholungszeit mehr, ist doch zu ihrer Arbeitszeit noch der Weg zur Arbeit und wieder nach Hause hinzuzurechnen. Daß das aber auf Dauer gefährlich wird, sollte bekannt sein. Daß ein schweres Schienenfahrzeug einen anderen Bremsweg hat als ein Fahrzeug auf Gummireifen auch.

Was dagegen hilft? Widerstand, und Stimmen für die KPL am 14. Oktober!

jmj

Freitag 20. Juli 2018