Beweise gegen Bogotá

Nach Anschlag auf Maduro: Streit zwischen Venezuela und Kolumbien

Kolumbien hat eine erste Konsequenz aus dem am Samstag fehlgeschlagenen Anschlag auf Venezuelas Präsidenten Nicolás Maduro gezogen: Während der Amtseinführung des neuen Staatschefs Iván Duque am Dienstag in Bogotá wurde in der Umgebung des Präsidentenpalastes Casa de Nariño der Einsatz von Drohnen untersagt. Mit dieser Maßnahme solle die Sicherheit des neuen Präsidenten gewährleistet werden, teilte die Luftfahrtbehörde mit. Duque hat das Amt am Dienstagabend (Ortszeit) im historischen Zentrum der Hauptstadt von seinem Vorgänger Juan Manuel Santos übernommen. Der wies Vorwürfe zurück, hinter dem Attentat auf Maduro gestanden zu haben. »Ich hatte am Samstag Wichtigeres zu tun. Wir haben meine Enkelin Celeste getauft«, schrieb er am Montag auf Twitter.

Das venezolanische Außenministerium reagierte darauf mit einer offiziellen Stellungnahme. Es sei »zumindest überraschend«, daß die kolumbianische Regierung den Mordanschlag gegen den Staatschef eines Nachbarlandes nicht verurteilt habe, sondern sich lediglich darum bemühe, Beschuldigungen gegen Präsident Santos zurückzuweisen. Auch Maduro bekräftigte am Montag in einem im Internet verbreiteten Video die Vorwürfe gegen Bogotá. Die inzwischen festgenommenen Terroristen seien von Kolumbianern in Chinácota, einer Ortschaft im kolumbianischen Norte de Santander, ausgebildet worden. »Es gibt ausreichend Beweise für die Beteiligung der scheidenden Regierung Kolumbiens von Juan Manuel Santos«, so Maduro.

Während einer Militärparade auf der Avenida Bolívar im Zentrum von Caracas hatte Maduros Leibwache zwei mit Sprengstoff beladene Drohnen abgefangen. Bei der Explosion der Flugkörper wurden sieben Nationalgardisten verletzt. Der Ehrengarde gelang es, noch am Tatort sechs Verdächtige festzunehmen. Wie Innenminister Néstor Reverol mitteilte, war nach einem von ihnen bereits wegen eines bewaffneten Angriffs auf den Militärstützpunkt Paramacay im vergangenen Jahr gefahndet worden. Ein anderer hatte wegen der Beteiligung an militanten Protesten 2014 im Gefängnis gesessen. Ihnen soll nun wegen mehrfachen Mordversuchs, Hochverrats, Terrorismus und anderen Delikten der Prozeß gemacht werden.

Die von Miami aus arbeitende Journalistin Carla Angola, eine scharfe Gegnerin Maduros, berichtete in der Nacht zum Dienstag, daß sich in Bogotá Vertreter aller Oppositionsgruppen aus Venezuela getroffen hätten. Offiziell bestätigt wurde diese Information nicht. Am Dienstag verbreitete sie zudem die Drohung: »Maduro wird sich nicht verstecken können«.

In Caracas gingen am Montagabend Tausende Menschen gegen den Terrorismus auf die Straße. Der Präsident der Verfassunggebenden Versammlung, Diosdado Cabello, rief zum Widerstand gegen die Gewalt auf: »Wir sind eine friedliche Revolution, aber keine unbewaffnete.«

André Scheer

Diosdado Cabello: »Wir sind eine friedliche Revolution, aber keine unbewaffnete« (Foto: EPA-EFE)

Mittwoch 8. August 2018