Am Findel läuft das Wachstum davon:

Noch ein Störer der Nachtruhe

In der Nacht vom 6. auf den 7. August trat eine Frachtfluggesellschaft in die Reihe der nächtlichen Störenfriede ein, die bisher dort noch nicht figurierte: Suparna Airlines heißt sie. Sie startete um 4.40 Uhr, nachdem zwei Maschinen der selben Gesellschaft um 2.10 Uhr und um 4.20 Uhr gelandet waren. Dazwischen flatterte noch um 3.25 Uhr eine Maschine der Cargolux rein, die wohl eher verfrüht als verspätet eintraf. Legal ist das alles unter Garantie nicht!

Suparna Airlines ist eine chinesische Frachtfluggesellschaft mit Sitz in Shanghai und Basis auf dem Flughafen Shanghai-Hongqiao und ist dort als Jinpeng bekannt. Sie ist eine Tochtergesellschaft jener HNA Group, die den Flughafen Hahn im deutschen Hunsrück ihr Eigen nennt. Früher hieß sie Yangtze River Express, was hierzulande wohl bekannter ist als der neue Name.

Die HNA ist übrigens nicht mit der HNCA zu verwechseln, die Anteile an der Cargolux hält. Während HNA ein Mischkonzern in Privathand ist, ist die HNCA (Henan Civil Aviation Development and Investment) eine Staatsfirma am Flughafen Zhengzhou.

Asiatische Pakete für Europa

Der neue nächtliche Ruhestörer scheint in Zusammenhang zu stehen mit den neuesten Aktivitäten einer Luxemburger Firma, die zu hundert Prozent in Staatshand ist: POST Luxembourg!

Unter dem Namen »International Parcel Logistics« begann die Post auf angemieteten 6.000 Quadratmetern im ehemaligen Cargocenter auf Findel mit einer Aktivität, die ein Ersatz werden soll für die Jahr für Jahr geringer werdende Menge an Briefpost. Pakete aus Asien werden dort angeflogen, um anschließend in alle Teile Europas weitergeschickt zu werden. Im März vergangenen Jahres begann das mit 2.000 Paketen pro Monat, im Juli 2018 waren es deren schon 18.000. Mit dieser Logistik- und Verzollungsaktivität gelang der Post 2017 ein Umsatz von drei Millionen Euro; im laufenden Jahr sollen daraus bereits zehn Millionen Euro werden.

Hinzu kommen jetzt neu mit »E-Commerce Fullfillment Services« Lager- und Versanddienstleistungen für Unternehmen, die sich damit eine eigene Vertriebsstruktur für über das Internet eingehende Bestellungen sparen.
Das ist alles schön und gut, so weit das Zeug tagsüber angeliefert wird, auch wenn wir zusätzlichen Lkw-Verkehr auf der Autobahn nicht auch noch brauchen. Es kann aber nicht sein, daß da eine Dringlichkeit konstruiert wird, die ohne Nachtflüge nicht einzuhalten sein soll.

Bei der Betriebsbesichtigung des Wirtschaftsministers am 31. Juli auf Einladung von Generaldirektor Claude Strasser und der stellvertretenden Generaldirektorin und POST-Courrier-Direktorin Hjoerdis Stahl waren wohl alle drei stolz wie Oskar auf den Erfolg der neuen Aktivitäten, ohne ein Wort darüber zu verlieren, zu welcher Uhrzeit die Pakete und Lieferungen für das Auslieferungslager anlanden.

Wir verstehen, wenn eine Regierung, die so viele Pferdefüße zu verstecken hat, am liebsten gar keinen Wahlkampf stattfinden lassen möchte, indem solches zu ihren Ungunsten ausdiskutiert werden könnte, und so klar werden müßte, daß bei den Sektionen der bürgerlichen Einheitspartei Profit vor Menschen kommt! Ein Beweis mehr, daß ohne eine konsequente Opposition durch kommunistische Abgeordnete keine Besserung im Interesse der Menschen und auch keine Einhaltung der Nachtruhe am Findel zu erwarten ist.

jmj

(Foto: dpa)

Donnerstag 9. August 2018