Rechter Aufschwung

In Britannien organisieren sich faschistische Gruppen mit Hilfe von USA-Finanziers neu

Am Samstag, dem 14. Juli, kam es in der Londoner Innenstadt zu einem Überfall auf Mitglieder der Transportarbeitergewerkschaft RMT durch Schläger der faschistischen Football Lads’ Alliance (FLA). Die stürmten ein Pub, in dem sich die Gewerkschafter gerade aufhielten, und attackierten die Linken mit Stühlen und Biergläsern. Es gab eine Reihe von Verletzten, darunter auch der stellvertretende RMT-Vorsitzende Steve Hedley.

»Es war ein völlig unprovozierter Angriff«, sagte Hedley in einem Videointerview für die antifaschistische Recherchegruppe »Hope not Hate«. »Wir haben uns allerdings gut verteidigt. Es gab Opfer auf beiden Seiten. Diesen Leuten geht es nicht um Redefreiheit. Ihnen geht es darum, organisierte Menschen aus der Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung anzugreifen. Deshalb müssen wir rausgehen und sie stoppen.«

Hedley hatte zuvor gemeinsam mit anderen RMT-Mitgliedern an einer Kundgebung gegen einen Aufmarsch der FLA teilgenommen. Die FLA forderte auf ihrer Demo die Freilassung von Stephen Yaxley-Lennon, der besser unter seinem Pseudonym »Tommy Robinson« bekannt ist. Lennon war Gründer und einige Jahre lang Anführer des rechten Hooliganbündnisses English Defence League (EDL).

Die EDL organisierte in den Jahren 2010 bis 2012 zahlreiche, oft gewaltsam verlaufende, fremdenfeindliche Aufmärsche in ganz England. Sie wurde so unter anderem zum Vorbild für die deutsche »Hooligans gegen Salafisten«. Lennon sprach zudem öfters auf Pegida-Kundgebungen.
Die EDL selbst war ein recht kurzfristiges Phänomen. Aufgrund antifaschistischer Gegenmobilisierungen und interner Zerwürfnisse zerbrach die Gruppe schnell. Lennon erfand sich daraufhin als antimuslimischer und verschwörungstheoretischer Videoblogger für Portale wie »Infowars« neu. Das wurde ihm vor einigen Monaten zum Verhängnis, als er über Facebook live von einem Gerichtsverfahren in Leeds berichtete, obwohl der Richter eine Nachrichtensperre verhängt hatte. Lennon wurde daraufhin zu 13 Monaten Haft verurteilt.

Seitdem ist er zu einer Zentralfigur der internationalen »alternativen Rechten« avanciert, die nun in England Demonstrationen für seine Freilassung abhalten und auf diesem Weg versuchen, der faschistischen Bewegung in Britannien zu neuem Schwung zu verhelfen. Viele dieser Demonstrationen sind weiterhin sehr klein, einige haben aber Teilnehmerzahlen von 10.000 beziehungsweise 25.000 Teilnehmern erreicht.

Finanziert wird der neue Organisationsversuch aus den USA. Der sich dem »antidschihadistischen« Milieu zugehörig zählende Thinktank »Middle East Forum« gibt auf seiner Internetseite an, die Solidaritätsdemonstrationen für Lennon finanziert und an deren Vorbereitung mitgewirkt zu haben. Donald Trump jr., der Sohn des USA-Präsidenten, twitterte, daß er Lennon unterstütze. Der ehemalige Präsidentenberater Stephen Bannon forderte in Radiointerviews mit dem Londoner Sender LBC die Freilassung Lennons und ließ auf diversen Demonstrationen Grußbotschaften verlesen. Zu guter Letzt intervenierte laut Berichten der Zeitung »Guardian« die USA-Botschaft in der Frage und forderte Lennons Freilassung. Bannon soll derzeit Geld sammeln, um den Aufbau einer rechten Massenbewegung in Britannien zu finanzieren. Laut in der Tageszeitung »The Times« veröffentlichten Umfrageergebnissen vom 22. Juli würden 38 Prozent der Bevölkerung eine Partei rechts von den regierenden Konservativen unterstützen. Das ist eine Warnung für das Lager rund um den Labour-Chef Jeremy Corbyn, was passieren könnte, wenn die Linke nicht in die Gänge kommt.

Die RMT hat derweil auf ihre Weise reagiert. In einer von der Londoner Sektion angenommenen Resolution fordert die Gewerkschaft den Aufbau einer linken, gewerkschaftlich organisierten anti-rassistischen Massenbewegung unter dem Motto »Jobs, Wohnraum, gegen Rassismus«.

Christian Bunke, Manchester

Donnerstag 9. August 2018