PPP im Weltall

Heute soll die »Luxembourg Space Agency« gegründet werden, um mit Steuergeldern Weltraumforschung privater Unternehmen zu fördern

Heute soll die »Luxembourg Space Agency« gegründet werden, mit der Noch-Premierminister Xavier Bettel das Land in den exklusiven Kreis der »zehn wichtigsten Raumfahrtnationen« aufsteigen lassen will. Dahinter stehe das noch ambitioniertere Ziel, hatte Bettel schon vor zwei Jahren getönt, mittelfristig »eine globale Führungsrolle bei der nachhaltigen Nutzung von Weltraumressourcen übernehmen« zu können.

Wie Paul Zenner vom federführenden Wirtschaftsministerium vorab sagte, soll die unter dem englischen Kürzel »LSA« firmierende Luxemburger Weltraumagentur »mit staatlichen Mitteln«, also mit Steuergeldern, »private Unternehmen bei Weltraumforschungsvorhaben fördern«. Wir haben es also mit einer Art PPP, einer öffentlich-privaten »Partnerschaft«, im Weltall zu tun.

Die neue Agentur solle auch »Kompetenzen und Talente fördern«, fügte Zenner gegenüber dpa an. So wolle man »schlaue Köpfe nach Luxemburg holen«. Hinter der von Zenners Chef, Wirtschafts- und Außenhandelsminister Etienne Schneider, schon für 2017 angekündigten LSA-Gründung steht erklärtermaßen das 2016 lancierte Projekt »Space Resources«, also das Vorhaben des Bergbaus auf Asteroiden im Weltall (»Spacemining«).

Dabei geht es zunächst darum, im erdnahen All gewonnene Rohstoffe wie Wasserstoff und Sauerstoff als Treibstoff für Raumfahrzeuge und eine »neue Weltraumindustrie« nutzbar zu machen, später sollen dann auf Asteroiden Edelmetalle wie Gold und Platin abgebaut werden. Unter den privaten Konzernen, die die aktuelle Regierung seit 2016 fördert, findet sich Planetary Resources, ein US-amerikanisches Unternehmen, das sich dem extraterrestrischen Bergbau verschrieben hat und zu deren Investoren u.a.

Google-Gründer Larry Page gehört. Mit an Bord ist seit 2013 auch die Bechtel Corporation, das führende Bauunternehmen in den USA. Der Luxemburger Staat hält Anteile an dem Unternehmen. Das liegt im Trend: Staaten und Konzerne erobern den Weltraum neuerdings gemeinsam. Dazu hat die Regierung vor einem Jahr als bisher einziges Land in Europa per Gesetz einen »Rechtsrahmen« für den Asteroidenbergbau geschaffen.

In Folge dessen haben sich schon mehrere US-amerikanische Konzerne mit ihren Europazentralen in Luxemburg niedergelassen. Das Wirtschaftsministerium behauptet, heute würden bereits »rund zwei Prozent« der Jahreswirtschaftsleistung Luxemburgs »mit Weltraumaktivitäten erwirtschaftet«. Das sei ein vergleichsweise hoher Wert. Auch die in Betzdorf ansässige Société Européenne des Satellites sei 1985 mit staatlicher Förderung gegründet worden. Heute sei SES der größte kommerzielle Satellitenbetreiber der Welt.

Minister Schneider hatte im Juli vergangenen Jahres angekündigt, in der Luxemburger Weltraumagentur würden sämtliche Mitarbeiter des GIE (»Groupement d’intérêt économique«) Luxinnovation sowie sämtliche Mitarbeiter seines Ministeriums, die bereits »im Weltraumbereich« tätig sind, innerhalb des Ministeriums an einem Ort zusammengezogen.

oe

Dienstag 11. September 2018