»Skypark Business Center South«:

Airport City statt City Airport

Dereinst gewann in der Hauptstadt ein DP-Bürgermeister Paul Helminger die Wahlen mit dem Versprechen dafür zu sorgen, daß der Findel nie über einen City-Airport hinausgehen werde. 938.000 Tonnen Fracht, wie 2017 am Findel angelandet, gehen verläßlich meilenweit über das hinaus, aber Helminger ist inzwischen Verwaltungsratspräsident von Cargolux und Luxair, und er findet das natürlich heute großartig. Seine Partei, die DP, sollte dafür von den Findel-Anrainern eigentlich abgestraft werden!
Bei der gestrigen Pressekonferenz zum »Skypark Business Center South«, dem ersten Meilenstein zur »Airport City« (welch ein Unterschied die Umstellung von zwei Worten doch ausmacht!), trat kein Helminger auf, dafür ein glücklicher Architekt, Partner der »Bjareke Ingels Group« (BIG) aus Kopenhagen, namens Jakob Sand und ein ebenso glücklicher erst am 21. September im Verwaltungsrat von lux-Airport einstimmig bestätigter »Chief Executive Officer« René Steinhaus, ein Luft- und Raumfahrtingenieur, der seine Karriere 1998 bei der Fraport AG begann und der danach beim Beratungsunternehmen A.T. Kearney wirkte, bevor er im September 2016 als »Commercial Director« zu lux-Airport kam. Die Karriere verheißt nichts Gutes für Flughafenanrainer!

Die BIG mit ihren 500 Architekten in Kopenhagen, New York und London hat schon mehrmals Angebote in Luxemburg vorgelegt, jetzt aber erstmals gemeinsam mit »metaform« aus Luxemburg den Zuschlag erhalten. Jakob Sand stellte bei der Pressekonferenz Beispiele aus dem Hause BIG vor aus aller Herren Länder. So arbeitete die Firma für die Weltausstellung in Shanghai, installierte eine Skipiste auf dem Dach einer Energieerzeugungsanlage (wir verstehen, warum das in Bourscheid nicht funktionieren konnte, denn so etwas gibt es dort nicht) und zeigte, wie im World Trade Center 3 nach der Sprengung während der Bush-Präsidentschaft nun im Neubau größere Volumina zu kleineren heruntergebrochen werden, etwas, das sich demnächst auch am Findel finden lassen wird. Und dann wurde ein Überflutungsschutz in Manhattan gezeigt, der eine Wiederholung der Überschwemmungen von 2012 verhindern soll, die aber gar nicht so aussieht, sondern wie eine sieben Meter hohe Terrassenkonstruktion mit Grünflächen, sozusagen ein Weinberg ohne Reben. Auch das findet sich wieder im Projekt des Bürogebäudes für den Findel, wo es auf unterschiedlichen Niveaus begehbare und begrünte Terrassen geben wird.

Was aktuell vorliegt, ist aber nur eine Grobplanung mit im Computer erzeugten Bildern. Die Detailplanung kommt erst noch, wobei aber 2019 Baubeginn sein soll, wahrscheinlich nach dem Bauarbeiterkollektivurlaub im Sommer. Fertig sein soll das 2021/22, denn laut dem ständig breitlächelnden René Steinhaus gibt es am Findel eine enorme Nachfrage nach Büro- und Dienstleistungsflächen (vom Restaurant bis zum Kindergarten). Ob das im ersten Anlauf 10.000 oder 15.000 Quadratmeter Fläche haben wird, ist auch noch nicht gewußt. Nur im Endausbau sollen 40.000 Quadratmeter und 2.000 Parkplätze verfügbar sein.

Somit ist auch nicht klar, ob da von lux-Airport 25 oder 35 Millionen Euro für den Bau auf den Tisch zu legen sein werden. Detailfragen sind somit völlig überflüssig. Wir nehmen also zur Kenntnis, daß da eine Tiefgarage gebaut werden wird, daß im ersten Kellerstockwerk ein trockener Übergang vom Terminal A zum neuen Büro- und Dienstleistungsgebäude entsteht, und darüber in »umweltfreundlicher Holzstruktur« in direkter Nähe zum Terminal A zwei und dahinter vier Stockwerke über dem Erdgeschoß vorgesehen sind, wobei ab dem ersten Bürostockwerk freie Sicht über den Durchgang vom Terminal A zum Terminal B auf das Rollfeld gegeben sein wird.

Die ganze Konstruktion wird abgerundet, um das Tageslicht besser nutzen zu können. Das wird nichts daran ändern, daß die Flieger weiterhin mit Erdölsprit fliegen, und das ist jetzt nicht eine bösartige Einlage unsererseits, denn das sagte CEO Steinhaus wortwörtlich, allerdings auf Englisch. Klingt wahrscheinlich weniger direkt.
Das soll also die Möglichkeit bieten, die Nachfrage nach Büroflächen vieler am Findel tätiger Firmen zu befriedigen, wobei lux-Airport selbst Bedarf an mehr Fläche hat. Dann soll im Erdgeschoß die Nachfrage nach Cafés, Restaurants, Supermärkten und anderen Dienstleistungsangeboten wie Kindergärten und Kinderkrippen für die Kinder des am Findel tätigen Personals Platz sein. Und in den Tiefgaragen sollen Autoverleih- wie Autoteilfirmen Flächen kriegen.
Der gefeierte ökologisch-korrekte Bau hat auf einem Flughafen stark den Geruch des berühmt-berüchtigten »Grün-Waschens« und verspricht leider weiteres Wachstum mit noch mehr Passagieren, noch mehr Fracht und noch mehr Flugbewegungen. Das Ganze ist also für Anrainer keine wirklich gute Nachricht, auch wenn die mögliche Unterbringung vor Ort für Kinder des Personals deren Leben vereinfacht. Aber klar, die Wirtschaft im real existierenden Kapitalismus steht nicht für »den Menschen vor dem Profit«...

jmj

Zwei überglückliche Menschen: BIG-Partner Jakob Sand und lux-Airport CEO René Steinhaus bei der gestrigen Pressekonferenz

Freitag 5. Oktober 2018