OGBL-ACAL zum Konflikt im Bussektor:

Schichtzeiten müssen gesenkt werden

Eine Amplitude ist eine Schichtzeit, während der ein Beschäftigter seinem Chef zur Verfügung stehen muß. Diese ist allerdings keineswegs deckungsgleich mit bezahlter Arbeitszeit, denn im Privatsektor ist es üblich, daß ein Busfahrer beispielsweise am Morgen eine Linie bedient und am Mittag eine Schulklasse befördern muß. Die Zeit dazwischen wird der Bus an einer geeigneten Stelle geparkt und der Fahrer bekommt weder diese Standzeit vergütet, noch darf er sich vom Fahrzeug entfernen, um die Zeit als Freizeit nutzen zu können, so gut es geht.
Im luxemburgischen Bussektor sind derzeit Amplituden von bis zu 15 Stunden erlaubt, was bedeutet, daß ein Busfahrer im Privatsektor, anders als seine Kollegen beim TICE oder AVL, lediglich neun Stunden Freizeit täglich hat. Daß darunter auf Dauer Privat- und Familienleben leiden, dürfte einleuchten.
Der OGBL-ACAL kämpfe bereits seit rund 30 Jahren um eine Senkung dieser Amplitudezeiten, so Syndikatszentralsekretär Romain Daubenfeld. Leider könne man zwar mit der Patronatsorganisation FLEAA über so ziemlich alles reden, nur bei den Amplitudezeiten bleibe diese absolut stur. Einige kleine Erfolge allerdings seien bereits erzielt worden: So konnte erreicht werden, daß diese Schichtzeiten auf RGTR-Strecken mit Entfernungen unter 50 Kilometern an die Bedürfnisse der Fahrer angepaßt werden. Diese Fahrer werden, sobald das entsprechende Großherzogliche Reglement in Kraft getreten ist, endlich Überstunden ab 10 Stunden Schichtzeit angerechnet bekommen und kurze Pausen zur Arbeitszeit gezählt.

Doch dies ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Der OGBL-ACAL erinnerte am Mittwochmorgen daran, daß die privaten Busunternehmen wesentlich mehr Geld aus dem Staatssäckel, und damit aus den Taschen der Steuerzahler, erhalten als TICE oder AVL und somit eine gesellschaftliche Verantwortung haben. Derart große Unterschiede in den Arbeitsbedingungen und Löhnen müßten endlich der Vergangenheit angehören. Dies auch im Interesse der Sicherheit mit Blick auf die Fahrgäste.

Von Seiten eines privaten Busunternehmers wurde indes das Zitat übermittelt: »Wer 12 Stunden am Tag arbeitet, der kann nicht müde sein«. An Ignoranz wohl kaum zu überbieten, ebenso, wie die Forderung, die Busfahrer mögen doch in die Umgegend des Unternehmens ziehen, wenn es ihnen nicht paßt, erst spät daheim zu sein.
Kaum eine andere Berufsgruppe hierzulande müsse derartige Arbeitsbedingungen ertragen. Die 40-Stundenwoche und der Achtstundentag sollten endlich auch den Busfahrern zugute kommen. Man fordere die Senkung der Amplitude auf 10 Stunden täglich.

Man wolle nun, ähnlich wie bereits im Jahre 2013 geschehen, eine Umfrage unter den Busfahrern im Privatsektor zur Situation veranstalten und sei bereit für eine Schlichtung, aber nach wie vor auch für produktive Kollektivvertragsverhandlungen. Zu letzteren gehöre aber in jedem Fall das Thema Amplitudensenkung.

CK

Mittwoch 10. Oktober 2018