ArcelorMittal-Werk in Düdelingen soll an Liberty House Group gehen

LCGB kritisiert Konzernentscheidung zugunsten eines »Finanzfonds«

Der Stahlkonzern ArcelorMittal will auch sein Flachstahlwerk in Düdelingen an die britische Liberty House Group verkaufen. Wie ArcelorMittal am Freitag in einem Pressekommuniqué mitteilte, liegen »verbindliche Angebote« von Liberty House für das Düdelinger Werk sowie für zwei Galvanisierungslinien im belgischen Lüttich vor. Der LCGB, der bereits am Dienstag in einem Kommuniqué vor dem Deal zwischen ArcelorMittal und einem »Finanzfonds mit indischen Wurzeln« gewarnt hatte, bedauerte die Entscheidung am Freitag in einer weiteren Stellungnahme.

ArcelorMittal erklärte gestern weiter, der Verkauf der Werke in Düdelingen und Lüttich stehe noch unter dem Vorbehalt der erfolgreichen Übernahme des italienischen Stahlkonzerns Ilva, der Genehmigung durch die Wettbewerbshüter der EU sowie »dem Abschluß der Konsultationen mit den lokalen und europäischen Betriebsräten«. Die EU-Kommission, heißt es von ArcelorMittal weiter, habe sich einen einzigen Käufer für seine Werke gewünscht, die im Zuge der geplanten Ilva-Übernahme aus kartellrechtlichen Gründen veräußert werden müssen. Am 12. Oktober war bereits mitgeteilt worden, ArcelorMittal habe sich mit der Liberty House Group auf die Übernahme zweier großer gemischter Hüttenwerke im rumänischen Galati und im tschechischen Ostrava sowie zweier Walzwerke im italienischen Piombino und im mazedonischen Skopje geeinigt.

Der LCGB hat vor allem deshalb vor einer Übernahme des Düdelinger Flachstahlwerks durch Liberty Steel bzw. die dahinterstehende Liberty House Group gewarnt, weil die Gupta Family Group Alliance ihre Wurzeln »nicht in der Stahlerzeugung, sondern in Investitionsfonds« habe. In den vergangenen vier Jahren, gab der LCGB gestern in einer Pressemitteilung zu bedenken, habe der »Finanzfonds« seine Mitarbeiterzahl von 1.500 auf über 26.000 erhöht. Daneben werfe auch der »dichte Schleier«, der über den Finanzfonds der Liberty House Group hänge, Fragen auf.

Indes teilte Liberty Steel am Freitag mit, man bemühe sich, die rund 300 Arbeitsplätze in Düdelingen und die rund 700 in Lüttich zu behalten. Von »Anlagen hoher Qualität und mit einem qualifizierten und erfahrenen Personal« sprach ihr »Executive Chairman« Sanjeev Gupta. Die Gruppe verfolge das Ziel, »eine Arbeitsbeziehung mit den respektiven Regierungen, Gewerkschaften und anderen lokalen Interessenvertretern in Belgien und Luxemburg aufzubauen«.

ArcelorMittal erklärte gestern gegenüber RTL Radio Lëtzebuerg, die derzeit in Düdelingen und in Lüttich geltenden Kollektivverträge würden unverändert weiterlaufen. Die Übernahme der Werke solle noch in diesem Jahr abgeschlossen werden, bis dahin werde das Düdelinger Walzwerk von ArcelorMittal mit Stahl beliefert.

Wirtschaftsminister Etienne Schneider erklärte gegenüber RTL, die jetzige Situation sei von der EU-Kommission provoziert worden. Er wolle die Liberty House Group und ihre Unternehmensstrategie so schnell wie möglich kennenlernen.

Der Christliche Gewerkschaftsbund fordert die Regierung auf, die Stahltripartite aus Konzern-, Regierungs- und Gewerkschaftsvertretern zu einer Dringlichkeitssitzung zusammenzurufen.

oe

Sanjeev Gupta, Executive Chairman der Liberty House Group (am 5.4.2016 in London)
(Foto: EPA)

Freitag 2. November 2018