Rache für Streik

Ryanair setzt sich über Urteil hinweg: Standort in Eindhoven geschlossen

Der Arbeitskampf zwischen Ryanair und seinen 147 Mitarbeitern am Flughafen im niederländischen Eindhoven eskaliert. Ende letzter Woche setzte ihnen die irische Billigfluglinie die Pistole auf die Brust: entweder freiwillige Versetzung ins Ausland oder Entlassung. In Eindhoven gibt es nichts mehr für sie zu tun – Ryanair hat den Standort am Montag geschlossen, wie BNR Nieuwsradio berichtete.

Damit setzt sich das Unternehmen über eine einstweilige Verfügung des Gerichts in Den Bosch hinweg, das Ryanair vorerst untersagt hatte, die Dependance zu schließen und die Mitarbeiter ins Ausland zu versetzen. Es seien keine wirtschaftlichen Gründe für die Schließung zu erkennen, so der Richter. Vielmehr deute einiges darauf hin, daß sich Ryanair mit der Maßnahme für den Streik am 28. September rächen wolle. Das Unternehmen hatte bereits nach der vorletzten Arbeitsniederlegung gedroht, sich aus Eindhoven zurückzuziehen, wenn das noch einmal vorkomme.

Die Mitarbeiter hätten zwar einen irischen Arbeitsvertrag, dennoch müsse sich Ryanair auch an das niederländische Arbeitsrecht halten, betonte das Gericht. Es verpflichte die Fluglinie, weiter die Gehälter zu zahlen. Jede Mißachtung der richterlichen Anordnung hat ein Bußgeld von jeweils 250.000 Euro zur Folge.
Mit einem Rekordgewinn von 1,45 Milliarden Euro im letzten Jahr bezahle Ryanair die Strafe aus der Portokasse, glaubt die Gewerkschaft der niederländischen Verkehrsflieger, VNV. Es sei unerhört, daß nicht einmal ein Richterspruch den Konzern stoppen könne. »Ryanair schert sich um nichts und niemanden«, sagte der Sprecher der VNV am Montag der »Volkskrant«.

Die einstweilige Verfügung war nur von den 16 festangestellten Piloten erwirkt worden. Die VNV wies darauf hin, daß insbesondere die Kopiloten überwiegend noch in der Probezeit seien und fristlos entlassen werden könnten. Die Gewerkschaft hatte ihnen deshalb geraten, sich besser nicht zu beteiligen. Außerdem beschäftige Ryanair viele Scheinselbständige, so die VNV. Diese seien vertraglich verpflichtet, ausschließlich für die irische Gesellschaft zu fliegen.

Seit Anfang der Woche gelte bereits ein neuer Dienstplan. »Der eine muß am Montag von Fèz nach Deutschland fliegen, ein anderer von Marrakesch nach Frankreich und ein dritter von Bukarest nach Britannien«, erklärte der Sprecher. Bisher waren sie von und nach Eindhoven geflogen. Die Piloten würden den neuen Dienstplan nicht erfüllen, kündigte die Gewerkschaft an. Sie säßen »zu Hause«, um ihre Flüge von Eindhoven aus anzutreten.

Seit Monaten schon wehren sich die Angestellten von Ryanair in ganz Europa gegen die miesen Arbeitsbedingungen. Die Arbeits- und Sozialminister der Europäischen Union schickten am Donnerstag einen Brandbrief in die Firmenzentrale in Dublin, ohne aber mit Konsequenzen zu drohen.

Auch in Zukunft wird es übrigens Ryanair-Flüge von und nach Eindhoven geben, allerdings in deutlich geringerem Umfang – und mit neuem, günstigerem Personal, vor allem aus Osteuropa, schrieb »De Morgen« am Montag. Die Flugzeuge stünden allerdings nicht mehr über Nacht in Eindhoven.

Gerrit Hoekman

Streikender Ryanair-Angestellter am 22. August in Eindhoven (Foto: ANP/EPA-EFE)

Dienstag 6. November 2018