Sozialwahlen im Sektor Finanzen und Dienstleistungen:

OGBL will stärker werden

Schon vor ein paar Monaten hatten die Syndikate Finanzen (früher Banken und Versicherungen) sowie Dienstleitungen und Energie im OGBL angekündigt, gemeinsam bei den Sozialwahlen aufzutreten. Dies weil bei diversen Ausgliederungen Personal aus dem Finanzsektor sich z.B. in einer Informatikfirma wiederfindet und dann in den Bereich des anderen Syndikats fällt.

Dabei will der OGBL in beiden Bereichen stärker werden, was bedingt, daß der LCGB und die Aleba schwächer werden müssen. Wobei die das eigentlich nicht werden dürfen, um nicht ihre nationale bzw. sektorielle Repräsentativität zu verlieren, aber das blieb gestern bei der Pressekonferenz von der Gewerkschaft, die in der Salariatskammer derzeit bereits 38 der 60 Mandate hat, ungesagt.

Zweck der Übung soll sein, daß es bei den Banken und Versicherungen einen besseren Kollektivvertrag gibt, nachdem das Lohnschema dort längst nicht mehr so attraktiv ist, wie es einmal war. Die Banken wurden mittlerweile durchaus vom Gesundheitswesen überholt, wo der OGBL federführend ist, wie es Véronique Eischen, Mitglied des OGBL-Exekutivkomitees, stolz betonte. Und um im Dienstleistungsbereich – Informations- und Kommunikationstechnologien, Steuerberatungskanzleien, Audit- und Beratungsfirmen – überhaupt erst einmal zu Kollektivverträgen zu kommen, braucht es in diesem Bereich zunächst ordentlich viele Personalvertreter des OGBL. Vorbild müsse da der »neue gute Kollektivvertrag« sein, der bei der Cetrel unter OGBL-Mehrheit ausgehandelt wurde. Am idealsten wäre jedenfalls ein Kollektivvertrag in jedem Sektor! Einstweilen ist Luxemburg da noch weit weg, es muß sich demnach viel ändern.

Dafür wurde ein thematisch aufgebauter Wahlkampf mit zehn Themen angekündigt, wobei einstweilen aber nur sechs verraten werden. In vierzehntägigem Rhythmus kommt ein Faltblatt auf Französisch und auf Englisch heraus, von denen es jetzt zunächst zwei gibt, wonach das Thema dann im Internet unter www.secteurfinancier2019.lu vertieft und mit Videos ergänzt wird. Einstweilen erklärt dort Jérémy Deidda, ein Personaldelegierter des OGBL, daß das Patronat vor der größten Gewerkschaft des Landes weit mehr Respekt hat als vor einer kleinen sektoriellen.

Die Digitalisierung führt einerseits zu Stellenabbau, andererseits zu Stellenadaptierungen und zu neuen, spezialisierteren Stellen. Damit dem Anpassungsdruck standgehalten wird und alle ihren Arbeitsplatz behalten in der neuen Welt von Morgen werde das individuelle Recht auf Weiterbildung ebenso wichtig wie das Recht auf Abschalten und die Vereinbarkeit von Familien- und Berufsleben. Es könne nicht sein, Leute einerseits zu entlassen und andererseits zu klagen, es fehle an spezialisierten Leuten: da müsse Reorientierung ermöglicht werden.

Das Salariat müsse auch etwas von der Flexibilisierung haben, nicht nur die Betriebe. Es gelte, die Vereinbarung zu den Zeitsparkonten schnell gesetzlich umzusetzen, hieß es als einzige konkrete sektorielle Forderung an die mit der Regierungsbildung Beschäftigten.

Der OGBL will einerseits kein Pflaster auf Wunden sein, andererseits vorbeugend tätig werden und das alles bitteschön im »Sozialdialog« als bessere Salariatsvertretung für eine gesündere Arbeitswelt. Der Kollektivvertrag wurde dabei als das beste Lösungsmittel für alle Probleme bezeichnet.

Wobei da bei den Banken das falsche Führungspersonal hervorsticht, mit dem das Patronat einen Großteil der Beschäftigen aus dem Bereich des Kollektivvertrags abzieht. Daß es dazu gekommen ist, wird »der bis jetzt majoritären Gewerkschaft« angelastet, die bislang die Position des OGBL dazu nicht genug unterstützt habe. »Wenn wir die Mehrheit kriegen, ist das ein Hauptthema«, ist Véronique Eischen überdeutlich.

Wetten das Patronat hofft, daß es nicht dazu kommt? Ein mehr als heißer Wahlkampf, der tröpfchenweise befeuert wird, ist jedenfalls zu erwarten.

jmj

Montag 5. November 2018