Traurig, aber wahr…

Unglaublich, was den Schaffenden alles zugemutet wird, was sie, wie unser Beispiel zeigt, heute alles in Kauf zu nehmen bereit sind. Auch dann, wenn die Arbeit, die ihnen aufgezwungen wird, gegen Arbeitsrecht und Sicherheitsbestimmungen verstößt.

Manuel (sein Nachname ist der Redaktion bekannt) ist seit Jahren bei einer kleinen Auslieferfirma beschäftigt. Seine Arbeit besteht darin, sowohl größere Einrichtungen (Altersheime, Krankenhäuser, Restaurants, usw.) wie auch Privatkunden zu beliefern. Das Liefergut reicht von kleinen Bestellungen bis hin zu prallgefüllten Paletten. Einen Beifahrer hat er nicht, so dass er alle Aufträge alleine verrichten muss.
Sein Arbeitstag beginnt frühmorgens mit dem eigenhändigen Beladen des Kleinlasters. Erst danach beginnt die Fahrt zu den Kunden. Dort wird abgeladen – vielfach in Kellern oder in Hinterhöfen –, einkassiert und neue Bestellungen entgegengenommen, ehe es weiter zum nächsten Kunden geht. Und dies den ganzen Tag über. Normalerweise endet Manuels Schicht gegen 17 Uhr. Dass es auch später werden kann, erlebt er meistens vor Feiertagen oder wenn Arbeitskollegen in Urlaub oder krankgeschrieben sind. So wie es vergangene Woche wieder der Fall war.

Dass zusätzliche Arbeit anstand, erfuhr Manuel jedoch nicht etwa bei Schichtbeginn am Morgen, sondern erst am frühen Abend. Als er seinen Kleinlaster gerade auf dem Firmengelände abstellen wollte, teilte sein Chef ihm mit, es stünden noch einige Aufträge an, da wichtige Kunden noch unbedingt beliefert werden müssten. Und das, obwohl er schon seit fast elf Stunden im Einsatz war.

Da sich Manuel nicht mit seinem Chef anlegen wollte – wissend dass jeder, der nicht nach dessen Pfeife tanzt, fehl am Platz ist, und bei den vielen Arbeitslosen schnell für Ersatz gesorgt wäre –, wurde der Transporter eben nochmal schnell geladen. Vier Kunden waren noch zu beliefern. Abermals ohne Begleitperson. Gegen 20 Uhr – also nach fast 14 Arbeitsstunden – war dann endlich Schichtschluss. Dabei dürfen laut Gesetz zehn Arbeitsstunden am Tag und 48 Arbeitsstunden pro Woche nicht überschritten werden.

Dass er nach einer fast doppelten Schichtdauer völlig übermüdet zu Hause ankam, ist verständlich. Auch muss nicht unbedingt unterstrichen werden, dass bei Fahrern, die übermüdet sind, die Unfallrisiken um ein Vielfaches größer sind. Dies alles scheint den Firmenchef jedoch nicht zu interessieren. Hauptsache seine Kasse stimmt.
Zuschüsse werden Manuel nicht bezahlt. Er wird mit dem Mindestlohn abgespeist, ganz gleich, ob er an Tagen acht, zehn oder wie vergangene Woche fast 14 Stunden im Einsatz war.

Traurig, aber wahr…

g.s.

jeudi 8 novembre 2018