Damit die Hunde den Letzten weniger fest beißen:

Mehr Kunden für Bio-Fairtraide-Kaffee gesucht

In der Welt werden nach 50 Jahren mit einer jährlichen Steigerung von zwei Prozent heute täglich zwei Milliarden Tassen Kaffee getrunken, was zu einem Jahresumsatz von rund 200 Mrd. USA-Dollars führt. Den Gewinn machen aber nicht die kleinen Produzenten, denn von September 2016 bis September 2018 fielen ihre Preise 40% von 1,4 auf 1 $ pro Pfund. Das kommt einer Katastrophe für ihre Familien gleich.
Die Profite machen Zwischenhändler, Röstereien in den Industrieländern und vor allem kapitalkräftige Multis, allen voran jene, die Kaffee in teuren Abfallkapseln in den Markt gedrückt haben. Diese teuerste und umweltschädliche Variante macht mittlerweile 11% des Weltmarkts aus, und eigentlich sollte jeder Vernunftbegabte sie verweigern. Das umso mehr als diese Multis in ihrer Jagd nach dem Maximalprofit nie bereit sein werden, die kleinen Produzenten gerecht zu entlohnen. Wobei der Traum vom gerechten Welthandel unter kapitalistischen Vorzeichen nie Wirklichkeit werden kann!

Eine Kooperative gegen die Not

Gestern waren Joachim Munganga, Präsident der Kooperative SOPACDI aus dem kongolesischen Kivu, und Evelyne Sifa, Präsidentin des Frauenkomitees dieser Kooperative, in Luxemburg, um ihren Kaffee zu bewerben, den sie in biologischer Wirtschaftsweise herstellen und der nun in Belgien und Luxemburg mit dem Siegel Fairtrade versehen verkauft wird. Ihr Ziel ist klar: mehr Konsumenten, denn zur Zeit können sie nur 30% ihrer Produktion so absetzen, der Rest muß also zu Weltmarktpreisen verkauft werden.

Am Weltmarkt gibt es den oben erwähnten einen USA-Dollar pro Pfund, bei Fairtraide kommt zum Basispreis von 1,4 $ die Fairtraide-Sozialprämie von 20 Cent, die Bio-Prämie von 30 Cent und eine Qualitäts-Prämie von 50 Cent hinzu, was dann 2,4 $ pro Pfund ausmacht.

Das ist schön, und das macht einen großen Unterschied für die Tausenden kleinen Erzeuger am Kivu-See, von denen 3.500 Frauen sind. Dennoch ist zu fragen, warum die Kaffeebohnen in den Industrieländern geröstet werden müssen, anstatt diese Aufgabe in der Wertschöpfungskette von den Erzeuger-Kooperativen erledigen zu lassen. Damit kämen die Erzeuger vom reinen Rohstofflieferanten weg und es gäbe mehr lokale Arbeitsplätze dort.

Gut, damit würden die 7 Röstereien im kleinen Großherzogtum eine Profitquelle verlieren, die 2017 mit 63 Fairtrade-Kaffeesorten und 336 t einen Marktanteil von 9,6% hatten.

SOPACDI-Geschichte

Die Kaffeekultur kam mit den belgischen Kolonisatoren in den Kongo. Der Kolonialherr war der Chef, die Kongolesen stellten die Arbeiter, und ihnen war streng verboten, in Eigeninitiative Kaffee anzubauen. Das durften sie erst nach der Unabhängigkeit, wo sie für sich selbst tätig wurden.

Zur der Zeit bedeutete der Kaffee ganz banal das Leben auf dem Dorf, bis mit der »Zairisierung« schlechte Zeiten anbrachen. Im Kongo fiel der Kaffeepreis, obwohl er in den Nachbarländern stabil blieb. Die Folge war, daß die Erzeuger ihre Bohnen mitten in der Nacht schwarz über die Grenze brachten und sie im Uganda, in Ruanda und Burundi verkauften. Für die Dörfer am Kivu-See hieß es in einer Piroge, also einem Einbaum-Paddelboot, des Nachts nach dem Ruanda aufzubrechen, dort den Kaffee zu verkaufen und mit Lebensmitteln und anderen Waren wieder des Nachts zurückzupaddeln. Motto: laß Dich nicht erwischen!

Dabei ertranken etliche, weswegen viele den Mut verloren, weiterhin Kaffee anzubauen. Sollte das wirklich die einzige Möglichkeit sein, so den Tod zu riskieren? Der Versuch Maniok, Bohnen und anderes zum Verkauf anzubauen, brachte nicht genug ein.

Aus der Not entstanden inter-ethnische Kriege mit marodierenden bewaffneten Banden, was die Lage nur weiter verschlechterte und zu Landflucht führte. Da kam die Idee, die Menschen in einer Vereinigung zusammenzubringen, wo sie, alle Ethnien gemeinsam, über die Zukunft nachdenken sollten, wobei das Wichtigste der Frieden ist. Daraus ist die Kooperative SOPACDI entstanden.

Mit Agronomen zusammen wurden die Anbaumethoden verbessert und so kam es zu einer gleichbleibend hohen Qualität. Es war nicht mehr nötig, des Nachts über den Kivu-See zu paddeln dank der Fixpreise nach der Fairtrade- und Bio-Zertifizierung. Mit der Sozialprämie wird vieles in den Dörfern möglich – von Schule über Gesundheitswesen bis zu Sozialhilfe.

Auch hat die Kooperative die Stellung der Frau in der Gesellschaft grundlegend verändert. Davor war sie die rechtlose Arbeiterin für den Mann, die in keiner Versammlung zugelassen war und die kein Recht auf den Besitz einer Kaffee-Plantage hatte. In der Kooperative und damit auch im Dorf hat sie nun Sitz und Stimme.

Aber die größte Herausforderung ist es nun, die gute Produktion auch komplett zum guten Preis abzusetzen. Joachim und Evelyne bitten daher darum, im Regal zum Kongo-Kaffee zu greifen und sie garantieren für beste Qualität.

jmj

Freitag 16. November 2018