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Qualität der Arbeit baut ab

Gestern wurden die Ergebnisse der sechsten nationalen Befragung zur Qualität der Arbeit im Lande Luxemburg vorgestellt, die von der Salariatskammer in Zusammenarbeit mit der Uni Luxemburg von April bis Juni bei 1.689 Lohnabhängigen zwischen 16 und 64 Jahren erhoben wurden. 30% davon waren Grenzgänger und 1.042 sind bereits in den Vorjahren befragt worden. Ein Telefongespräch mit rund 150 Fragen dauerte durchschnittlich 31 Minuten und konnte in Luxemburgisch, Französisch, Deutsch, Portugiesisch oder Englisch geführt werden. In größtmölicher Transparenz sind alle Einzelergebnisse im Internet an obiger Adresse verfügbar, und wer auch immer damit herumspielen und sie unterschiedlich kombiniert anschauen will, kann das tun.

Die jährliche Wiederholung macht es möglich, eine Entwicklung festzustellen, wie Lohnabhängige ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen selbst sehen.

Zeiten werden härter

Der geistige Druck am Arbeitsplatz war von 2014 bis 2017 Jahr um Jahr gesunken, um 2018 um 2% auf 68,3%, die diesen empfinden, anzusteigen. Arbeiten unter Termindruck (59,1%), gefühlsmäßige Belastung (52,4%) und Mobbing (22,1%) klettern auf bisher unerreichte Höhen.

Positiv empfundene Faktoren nehmen andererseits ab und erreichen Werte, die noch nie niedriger waren als 2018. Da sind zu nennen die Zusammenarbeit (-3% auf 70,9%), die Teilhabe am Beschlußfassungsprozeß (-3,2% auf 42,8%), positive Rückmeldung von oben (-2,1% auf 56,3%) und auch die Autonomie in der Arbeit (-2% auf 50,4%). Auch die Zufriedenheit mit der Bezahlung sinkt um 1,3% auf 56,7%, obwohl die Aussichten auf Beförderung inzwischen von 37% (+2,9%) positiv gesehen werden, ein Wert der so hoch noch nie war.

Obwohl die Sicherheit des Arbeitsplatzes unverändert hoch eingeschätzt wird, sinkt die Zufriedenheit um 4,9% auf nur noch 60,6%, wobei 34,4% Probleme haben, Arbeits- und Privatleben vereint zu kriegen, 35,3% von Burnout sprechen, was neuerdings mit beruflicher Erschöpfung übersetzt wird, und mit 31,5% so viele wie noch nie sich in ihrer geistigen Gesundheit beeinträchtigt fühlen. Motivation (55,8%) und Wohlsein auf der Arbeit (61%) war noch nie so niedrig.

Alles sieht danach aus als ob die Arbeitsorganisation in den Betrieben deutlich strikter geworden ist, denn immer weniger können selbst Einfluß darauf nehmen, wie sie ihre Arbeit zum Ergebnis bringen. Das wird folglich mehr und mehr vorgegeben, wobei die Digitalisierung die individuelle Kontrolle des Arbeitsrhythmus begünstigt. Höhere Arbeitsintensität ist die Folge, wobei höherer Druck logischerweise zu weniger Zufriedenheit und Wohlbefinden führt.

Arbeitszeitverkürzung, bitte jetzt!

Arbeit und Privatleben miteinander zu vereinbaren ist für 5% fast immer schwierig, für 10% oft und für 26% manchmal, während das bei 38% noch selten und bei 22% nie der Fall ist.

Im Durchschnitt arbeiten immer mehr länger als in ihrem Arbeitskontrakt steht. Statt 40 Stunden bei einem Vollzeitvertrag arbeiten Männer 43,7 und Frauen 42,4 Stunden pro Woche, möchten aber eigentlich nur 38,7 oder 36,3 Wochenstunden tätig sein. Bei Teilzeitverträgen sind im Durchschnitt bei Männern 27,3 Stunden vereinbart, gearbeitet werden 30, wobei die Wunscharbeitszeit 29,6 ist. Bei Frauen stehen durchschnittlich 26 Stunden im Vertrag, gearbeitet werden 27,7 und die gewünschte Arbeitszeit wäre 27 Wochenstunden.

Diese beiden Punkte sind der Auftrag für Kollektivvertragsverhandler, etwas zu tun bei der Arbeitszeitregelung. Laut Jean-Claude Reding, Präsident der Salariatskammer, müsse das nicht für jeden Betrieb dasselbe sein. Was für den einen zum Beispiel die 38-Stundenwoche sein könne, könne für den anderen 10 zusätzliche Urlaubstage bedeuten, die flexibel genommen werden dürfen. Wenn die 40-Stundenwoche heute 226 Tage Arbeit zu 8 Stunden und 25 Urlaubstage sind, könne die 38-Stundenwoche so auch aus 216 Tage Arbeit zu 8 Stunden und 35 Urlaubstagen bestehen.

Bemerkenswert ist die deutliche Zunahme der Zeit, die für einen Arbeitsweg aufgewendet wird. War das 2015 im Durchschnitt erst 32 Minuten, so sind das 2018 satte 79 Minuten, und das pro Richtung. Einwohner aus Luxemburg und Belgien brauchen übrigens am längsten!

Die Zufriedenheit mit der Arbeit steht ansonsten in direktem Zusammenhang mit der Vielzahl unterschiedlicher Gestaltungsmöglichkeiten wie etwa der Wechsel zwischen Teilzeit und Vollzeit hin und her, die Möglichkeit ohne langen Vorlauf einen Tag frei zu kriegen oder unterm Tag frei zu nehmen, die Pause selbst festsetzen zu dürfen, die Zeit für Arbeitsende und Arbeitsanfang selbst zu bestimmen, die Arbeitszeit auf weniger als fünf Tage zu konzentrieren, gelegentlich von zu Hause aus zu arbeiten usw. Nur eine dieser Möglichkeiten hat kaum Einfluß auf die Zufriedenheit.

Wichtig für Kollektivvertragsverhandler wird auch das Recht abzuschalten von der Arbeit und während Freizeit und Urlaub nicht gestört zu werden. Denn die wenigsten wollen die Grenzen zwischen dem Leben auf der Arbeit und nach der Arbeit verwischt sehen. Jene, die erklären, zu Hause ihre Arbeit nur wenig vergessen zu können sind weniger zufrieden mit ihrer Arbeit als die anderen (56,7 gegenüber 64,5%), haben zu nahezu zwei Drittel mehr Konflikte zwischen Arbeits- und Privatleben (42,1 zu 26,1%), sind erheblich mehr von Burnout (40 zu 30,6%) und Problemen mit der geistigen Gesundheit (35,4 zu 27,5%) betroffen, sind weniger motiviert (52,8 zu 58,5%) und fühlen sich weniger wohl (55,7 zu 66,4%).

Fragt sich allerdings, ob das irgendeinen Kapitalisten kratzt, so lange der Profit stimmt.

jmj

Dienstag 27. November 2018