Gegen Stau, Wind und Wetter in der Hauptstadt:

Vel‘OH! als Pedelec

Gestern war das dritte offizielle Datum für den Start der mit Elektromotor unterstützten Leihfahrräder in der Hauptstadt, und der wurde eingehalten, nachdem der Lieferengpaß bei den dafür benötigten Batterien nun überwunden ist. Verfügbar sind einstweilen 600 der neuen 28,6 kg schweren Dreigang-Fahrräder mit Batterie und Elektromotor, der Treten mit wenig Kraft bis 25 km/h auf 30-40 km unterstützt. Das ist leicht mehr Gewicht als das Vorgängermodell, das noch zur körperlichen Ertüchtigung geeignet war. Beim damaligen Start am 21.3.2008 hieß es im Schneetreiben, damit werde das größte Fitnesszentrum des Landes eröffnet. Gestern schneite es nicht, und von Fitness sprach niemand.

Es ist künftig nicht mehr nötig, sich das Fahrrad an der Säule freizuschalten. Dafür gibt es nur mehr an 10 Stationen eine Säule mit Zahlterminal, wo es mittels Kreditkarte die Möglichkeit zu einem Kurzzeitabo für einen oder drei Tage um 2 oder 5 € gibt. Fürs Jahresabo um 18 € ist das vorherige Eröffnen eines Nutzerkontos im Internet auf www.veloh.lu nötig. Auf dem Weg gibt es auch die Kurzzeitabos. Anfang Dezember (wie weit am Anfang wurde nicht mitgeteilt) kommt für Smartphone-Besitzer zusätzlich eine App »vel‘OH!officiel« für Android und Apple, die über die Verfügbarkeit und das eigene Konto informiert sowie das Freischalten eines Fahrrads erlaubt.

Bei allen Abonnements sind die ersten 30 Minuten einer Fahrt kostenlos. Ist bis dahin das Fahrrad nicht zurückgestellt, wird ab dann pro Stunde 1 € verrechnet mit einem Maximum von 5 € für 24 Stunden. Die sollte aber niemand überschreiten, denn da wird die Kaution eingezogen.

Wer schon beim alten Veloh ein Abonnement hatte, kann mit seinem alten Paßwort und dahinter zwei zusätzlichen Nullen die neuen Pedelecs nutzen.
Laut Geschäftsbedingungen müssen den Dienst Nutzende mindestens 14 Jahre alt und 1,50 m groß sein. Sie müssen über eine Privathaftpflichtversicherung verfügen. Über +352 800 611 00 gibt es telephonische Auskünfte von Montag bis Freitag von 8-22 Uhr, an Samstagen von 9-22 Uhr und an Sonn- und Feiertagen von 9-19 Uhr.
Einstweilen sind 60 Stationen mit 600 Fahrrädern in der Hauptstadt, in Strassen und in Hesperingen bestückt. Bis zum 18. Dezember werden es 92 Stationen sein. Wenn die Weihnachtsmärkte auf der Place de Paris und auf der Place de la Constitution abgebaut sind, gibt es deren 94 mit 900 Pedelecs und 1.900 Andockstationen. Einige weitere Stationen werden im Lauf der nächsten Jahre hinzukommen.
Die Firma Decaux, die 1996 erstmals in der Hauptstadt einen Vertrag für Bushäuschen gegen Werbetafeln erhielt, wird dieses neue Sy­stem bis 2028 warten. Dann wird neu ausgeschrieben.

Freudscher Versprecher

In seiner mehr als kurzen Eröffnungsansprache gab Mobilitätsschöffe Goldschmidt zunächst den Startschuß fürs Eintragen in die Liste für die versprochenen 100 Einjahres-Gratisabonnements. Um die 18 Eier zu sparen hatte sich schon etliche Zeit vor dem offiziellen Termin 11 Uhr eine Schlange Wartender am Knuedler gebildet. Das zeigt wie gering etliche den Wert ihrer Zeit einschätzten, da sie bereit waren, davon eine Stunde und mehr für so wenig zu opfern. In der Schlange wurde übrigens weit mehr Englisch als Luxemburgisch gesprochen.

Während die ersten sich eintragen durften, kam‘s richtig dick: »Was deren mehr mit dem Fahrrad fahren, was der Verkehr für uns alle besser läuft«, hieß es. Darauf folgte logischerweise die schöffenrätliche Hoffnung, die neuen Fahrräder möchten intensiv genutzt werden und das möchte dazu führen, daß sich viele selbst ein eigenes Fahrrad kaufen, um in der Stadt der Immobilität doch noch weiterzukommen. Gut, so weit ging Goldschmidt dann doch nicht, um mit der vollen Wahrheit rauszurücken und von Immobilität und ständigem Stau zu sprechen, aber es stimmt schon, daß es zu Fuß und mit dem Fahrrad bei allen Problemen auch für diese Kategorie Menschen am besten durch die Stadt geht.

jmj

Freitag 30. November 2018