Der amtlichen Statistiker letzter Schluß

Prognose der Jahreswirtschaftsleistung nach unten korrigiert. Nun rechnet der Statec in diesem und im nächsten Jahr mit einem BIP-Wachstum von drei Prozent

In seiner bereits in den Koalitionsverhandlungen von DP, LSAP und Déi Gréng vorab dargelegten und am Dienstag auch der Presse präsentierten »Note de conjoncture No. 2-2018« hat das nationale Statistikamt seine Wachstumsprognosen angesichts »weltweit wachsender Risiken« nach unten korrigiert. Hieß es noch im Frühjahrsgutachten, im laufenden Jahr werde die Jahreswirtschaftsleistung ungefähr um vier Prozent zulegen, so geht der Statec mittlerweile davon aus, daß das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Luxemburgs in diesem und im nächsten Jahr jeweils um 3,0 Prozent wachsen wird. Hatte das Statistikamt im Herbst 2017 noch ein BIP-Wachstum von 2,3 Prozent im vergangenen Jahr prognostiziert, so wurde gestern auch dieser Wert auf nun 1,5 Prozent nach unten revidiert.

Von einer »Verschlechterung des internationalen wirtschaftlichen Umfelds« sprach gestern Statec-Direktor Serge Allegrezza. Insbesondere der »Handelskrieg zwischen den USA und China« bereite Sorgen. Trotz dieser »weniger guten Aussichten« sei die Wirtschaftslage in Luxemburg angesichts wachsender Steuereinnahmen und einer Beschäftigungszunahme, die zu Mehreinnahmen der Sozialversicherungen führt, »weiterhin gut«, befand der Oberstatistiker. Auch sein Mitarbeiter Ferdy Adam erklärte, die Entwicklung bzw. die Prognose der Steuer- und Sozialversicherungseinnahmen in Luxemburg zeige, »daß wir uns noch immer in einer positiven Konjunkturphase befinden«.

Nach einer Inflationsrate von 1,7 Prozent im vergangenen und (geschätzt) 1,6 Prozent im laufenden Jahr rechnet der Statec mit 1,9 Prozent Inflation im kommenden Jahr. Das könnte dazu führen, daß im letzten Trimester 2019 eine Indextranche erfällt. Derweil rechnen die amtlichen Statistiker damit, daß die Arbeitslosenquote, die 2017 bei 5,9 Prozent und im laufenden Jahr bei (geschätzt) 5,5 Prozent lag, im kommenden Jahr auf durchschnittlich 5,2 Prozent sinken wird. Davon würden dann in erster Linie junge und geringqualifizierte Arbeitslose profitieren, erklärte Adam.

Den am Wochenende am Rande des G20-Gipfels in Buenos Aires beschlossenen »dreimonatigen Aufschub« für US-amerikanische Strafzölle gegen China wertete der Statec-Ökonom als Hoffnungsschimmer. Demnach werden die USA nicht, wie bisher geplant, die Strafzölle auf Importe aus China im Wertumfang von 200 Milliarden US-Dollar (umgerechnet 177 Milliarden Euro) zum 1. Januar 2019 von zehn auf 25 Prozent erhöhen. Statt dessen soll bis zu drei Monate lang mit der Volksrepublik über eine Lösung des Konflikts verhandelt werden. Gesprochen werden soll laut Angaben aus dem Weißen Haus über »strukturelle Änderungen«, die unter anderem sogenannte nichttarifäre Handelshemmnisse, Technologietransfers und den Urheberrechtsschutz in China betreffen. Scheitern die Gespräche, dann tritt die Zollerhöhung doch in Kraft. Die nächste Verhandlungsrunde ist für Mitte Dezember in Washington geplant.

Wenn die Handelsgespräche zwischen Washington und Peking erfolgreich seien, könne sich das internationale Umfeld auch wieder verbessern, erklärte Adam. Im besten Falle sei für Luxemburg im nächsten Jahr ein BIP-Wachstum von 4,7 Prozent im Bereich des Möglichen. Wenn der Handelskrieg zwischen den USA und China jedoch wieder eskaliere, könne das BIP-Wachstum in Luxemburg im schlechtesten Fall »auf 1,3 Prozent gedrückt werden«. Adam ging auch auf den in den vergangenen Tagen wieder gesunkenen Rohölpreis ein. Halte dieser Trend an, könne er die Inflationsrate in Luxemburg gegenüber dem vom Statec prognostizierten Wert »noch ein paar Zehntelprozentpunkte nach unten ziehen«.

oe

Serge Allegrezza, Bastien Larue und Ferdy Adam (v.l.n.r.) während der gestrigen Pressekonferenz im Foyer des »House of Entrepreneurship«

Dienstag 4. Dezember 2018