ILR zum Postmarkt 2017 :

Weniger Briefe, mehr Pakete

Allzu konkret wurde der Regulator ILR ( »Institut Luxembourgeois de Régulation« ) gestern bei der Zusammenfassung zum Postmarkt bei Briefen und Paketen bis 31,5 kg nicht. Es sei ihm nicht erlaubt mitzuteilen, wer genau welchen Anteil habe, denn das gehöre zu den Geschäftsgeheimnissen. Es ist also lustiges Räteraten angesagt.
Der Umsatz nahm 2017 gegenüber dem Vorjahr insgesamt um 0,7% auf 167,26 Mio. zu. 117,97 Mio. entfallen da auf die Briefpost (-1,3%). Zu diesem Preis wurden insgesamt 185,6 Mio. Briefe transportiert (-2,8% nach -4,8% 2016 gegenüber 2015). Jeder Haushalt bekam im Monat durchschnittlich 21,78 Briefe zugestellt, wobei in diesem Bereich nur zwei Dienstleister in Luxemburg tätig sind : die Post und DC Postal Service Sàrl mit nur einer Niederlassung und einem Abholservice.

Pro zugestelltem Brief wurden durchschnittlich 0,636 € erlöst, also weniger als das Inland-Porto für Normalsterbliche bis 50g ausmacht (0,7 €). Dies kommt daher, weil 62% der Briefe aus Massenaufgaben mit Rabatt kommen (Kontoauszüge, Rechnungen…).

Worauf im Einzelnen die Abnahme gegenüber dem Vorjahr zurückzuführen ist, wäre zwar interessant, wurde aber nicht ermittelt. 2017 wurde bekanntlich das Zusenden des Auszugs beim Postscheck nach jedem Anlaßfall gebührenpflichtig, wonach fast alle darauf verzichteten. Die Radar-Protokolle sorgten wohl für mehr Briefe. Zugenommen hat auch die Zahl der Briefe, die von Luxemburg ins Ausland geschickt wurden, und zwar um 2,4%. Das zusammengenommen hat also zu einem Abbremsen des Rückgangs geführt, der in skandinavischen Ländern bereits zweistellig ist.

Universaldienstleister Post

Die Zahl der Zugangspunkte der Post ist 2017 auf 102 gestiegen, nachdem es 2016 gegenüber dem Vorjahr von 114 auf 96 zurückging. Das sind aber nicht alles Postbüros ! Die Zahl der Postkästen ist letztes Jahr um weitere 5% auf 4.792 zurückgegangen. Die automatischen Paketverteilstationen »Pack Up« nahmen dafür um 17% auf 84 zu. 2015 gab es deren erst 32.

Mit Gesetz ist der Universaldienstleister dazu angehalten, die Post im ganzen Land täglich von Montag bis Freitag auszutragen. Die ILR hat dabei überhaupt keine Kompetenz der Post zu erlauben, weniger oft auszutragen. Das ist wohl der Postdirektion bekannt und sie hat folglich auch keine derartige Anfrage gestellt entgegen anderslautender Gerüchte.

So lange das Gesetz nicht geändert ist, muß die Post folglich täglich im ganzen Land zustellen, außer es gibt außerordentliche Ereignisse wie Überschwemmungen oder einen Haufen Schnee, der für Unzugänglichkeit sorgt.

Wird das nicht eingehalten, gibt es die Möglichkeit beim ILR (L-2922 Luxemburg, info@ilr.lu) eine Reklamation einzubringen. Beim ILR ist laut Artikel 39/2 des Gesetzes vom 26.12.2012 auch ein Mediations-Dienst eingerichtet. 2016 gab es keine Reklamation, 2017 wurden deren 17 eingereicht. Ein Begehr zur Mediation kam 2016 und wurde 2017 abgeschlossen. 2017 kam‘s zu 11 Mediationsbegehren. Beides ist also einerseits ein deutlicher Zuwachs, andererseits aber immer noch eine verschwindend geringe Menge angesichts der Millionen Poststücke.

Qualitätskriterien sind im Reglement P13/10/ILR vom 19.7.2013 vorgeschrieben, die vom Universaldienstleister einzuhalten sind. 85% der Poststücke müssen im Land zwei Tage nach Aufgabe verteilt sein, Das trifft aber wie 2016 auch 2017 auf 99,4% zu. Auch wenn seit 2013 der Anteil, der nach einem Tag schon zugestellt ist, nicht mehr veröffentlicht wird, so wurde auf Nachfrage doch gesagt, das treffe auf über 80% der Briefe zu.

Im Ländervergleich liegen die zuletzt 2016 angehobenen Posttarife des Universaldienstleisters in Luxemburg übrigens im günstigen Bereich, dies umso mehr, als die erste Tarifstufe bis 50g reicht. Im Bereich 20-50g liegen die Tarife in der BRD und in Frankreich doppelt bis dreifach so hoch wie hierzulande. Das gilt für den nationalen Tarif wie für den Versand in Europa.

Die Paketpost

Die Zahl der Pakete steigt von Jahr zu Jahr, und das geht sicher so weiter, kriegt doch jeder Haushalt im Durchschnitt erst ein Paket pro Monat. Das ist im Ausland um einiges mehr.

2017 war gegenüber dem Vorjahr eine Zunahme von 10,9% auf 8,56 Mio. festzustellen. Nur 6% davon werden in Luxemburg für eine Luxemburger Adresse aufgegeben, 16% werden aus Luxemburg ins Ausland verschickt und 78% kommen aus dem Ausland nach Luxemburg.

87% des nationalen Paketverkehrs wird von 5 Firmen bewerkstelligt. Der größte hält 42%, die vier nächsten 45% (19% für den zweiten, 13% für den dritten, 7% für den vierten und 6% für den fünften, wobei einer davon die Post ist). Der größte ist nicht DHL, das ist nur der erste im Alphabet, in dessen Reihenfolge es weitergeht mit DPD, GLS, Post und UPS. Der Rest entfällt auf 24 Firmen.

Pro Paket wurden durchschnittlich 5,76 € erlöst, 4,75% weniger als 2016. Das macht aber 29,5 % der Gesamterlöse im Paketbereich, auch wenn die Briefe 95,6% der Stückzahlen bringen. Gleichzeitig ist das die Erklärung, warum die Gesamterlöse wachsen, steigt doch der Paketanteil gegenüber dem Vorjahr, und da ist eben der Stückerlös um einiges höher als bei einem Brief.

Der erlöste Durchschnittspreis liegt unter dem nationalen Tarif für ein 2 kg-Paketchen, der 8,4 € ausmacht, während die Post für den internationalen Versand 18,05 € verlangt. Großversender zahlen eben erheblich weniger als Normalsterbliche !

jmj

mardi 4 décembre 2018