Ford schließt Werk in Frankreich

Belegschaft, Gewerkschaften und Regierung sind empört

Mit einem nüchternen Kommunique hat der Ford-Konzern am Mittwoch vergangener Woche bekanntgegeben, daß er sein Werk in Blanquefort bei Bordeaux im August 2019 schließen wird. Gleichzeitig wurde das von der Regierung und den Gewerkschaften befürwortete Übernahmeangebot des belgischen Autoteileherstellers Punch Powerglide, der immerhin die Hälfte der Ford-Belegschaft mit übernehmen wollte, ohne stichhaltige Begründung zurückgewiesen.

Von der Schließung des seit 1972 bestehenden und auf den Bau von Getrieben spezialisierten Werks sind direkt die 850 Mitarbeiter betroffen und indirekt weitere 2.000 Beschäftigte bei Zulieferbetrieben. Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire äußerte sich am Mittwoch im Parlament »in höchstem Grade empört« und sprach von »Verrat«. Er erinnerte daran, daß der Staat das Ford-Werk über Jahre finanziell unterstützt hat, um die Arbeitsplätze zu sichern. Das Werk jetzt zu schließen und eine Fortsetzung des Betriebs unter einem anderen Eigentümer und damit die Rettung eines Teils der Arbeitsplätze unmöglich zu machen, sei »inakzeptabel« und zeuge davon, daß es Ford nur darum geht, im Interesse der Aktionäre »den Börsenkurs steigen zu lassen«.

In seinem Kommuniqué behauptet Ford, daß sein Sozialplan für die Belegschaft vorteilhafter sei als das Angebot von Punch, was der Minister als »Lüge« bezeichnet. Ganz offensichtlich fürchtet die Ford-Konzernleitung, das Werk wieder zurücknehmen zu müssen, wenn Punch Probleme bekommt, wie das schon einmal 2010 passierte, als das Werk in Blaquefort an eine deutsche Gruppe verkauft worden war, die sich damit aber offensichtlich übernommen hatte.

Blanquefort ist das letzte Werk von Ford in Frankreich, und auch in Deutschland und anderen europäischen Ländern will der Konzern insgesamt 24.000 Arbeitsplätze abbauen, wie zuvor schon 15.000 in den USA und Kanada. Juristisch hat die Pariser Regierung keine Mittel, auf Ford Druck auszuüben. Bei der letzten Beihilfezahlung durch den Staat im Jahre 2013, die sich den Gewerkschaften zufolge auf 50 Millionen Euro belief, mußte sich Ford verpflichten, mindestens fünf Jahre lang keinen Arbeitsplatzabbau vorzunehmen. Diese Frist ist 2018 abgelaufen.

Da die Schließungspläne seit Monaten bekannt waren, hat sich die Regierung für die Übernahme durch ein anderes Unternehmen der Branche engagiert. Nach der Prüfung verschiedener Angebote blieb nur das der Gruppe Punch, die schon 2012 ein General-Motor-Werk in Straßburg übernommen und damit vor dem Aus gerettet hatte. Seinerzeit hatte allerdings GM für drei Jahre die Abnahme der produzierten Teile zugesagt, worauf sich Ford jetzt nicht einlassen will. Um Punch die Entscheidung zu erleichtern, erklärte sich in den Verhandlungen der Betriebsrat namens der Belegschaft zu einem Lohnstop für drei Jahre, einer »Flexibilisierung« der Arbeitszeit und zum Verzicht auf eine Anzahl freier Tage bereit. Der Staat und die Region waren gewillt, die Übernahme durch Punch mit 12,5 Millionen Euro Beihilfe zu begleiten.

Dem Betriebsratsvorsitzenden versagte am Mittwoch bei der Bekanntgabe des Ford-Urteils vor seinen Kollegen die Stimme und er brach in Tränen aus. Ein Arbeiter sagte verbittert: »Ich bin seit 34 Jahren im Betrieb und werde jetzt von Ford weggeworfen wie ein benutztes Papiertaschentuch.« Landesweit bekannt ist der Ford-Arbeiter und CGT-Betriebsrat Philippe Poutou, der bei de Präsidentschaftswahlen 2012 und 2017 für die Neue Antikapitalistische Partei NPA kandidiert hat. »Für die vielen langjährigen Mitarbeiter, die wie ich älter als 50 sind, bleibt nur der vorzeitige Ruhestand«, sagt er, »aber die Jüngeren werden es sehr schwer haben, in dieser Region, wo viele Unternehmen ins Billiglohnausland verlagert wurden, wieder einen Job zu finden.«

Ralf Klingsieck, Paris

CGT-Betriebsrat Philippe Poutou spricht zu den Arbeitern des Ford-Werkes in Blanquefort
(Foto: AFP)

Dienstag 18. Dezember 2018