Gangstermethoden bei Luxtram S.A.

Straßenbahnbetreiber feuert Mitarbeiter ohne Angabe von Gründen. Landesverband und OGBL vermuten sein gewerkschaftliches Engagement als Kündigungsgrund

Während die Mitarbeiter des zu zwei Dritteln dem Staat und zu einem Drittel der Stadt Luxemburg gehörenden privatrechtlichen Unternehmens Luxtram S.A. noch immer auf einen Kollektivvertrag warten, der den Namen verdient, hat die Direktion den Sozialkonflikt um eine höhere Entlohnung und bessere Arbeitsbedingungen ausgerechnet am ersten Tram-Geburtstag eskaliert, indem sie einen im Landesverband (FNCTTFEL) organisierten Mitarbeiter ohne Angabe von Gründen feuerte. Der Landesverband und das Syndikat Öffentliche Dienste des OGBL gehen davon aus, daß sein gewerkschaftliches Engagement der Grund für die Kündigung war und haben am Dienstag auf einer Pressekonferenz im generalsanierten Bonneweger Eisenbahnercasino angekündigt, alles zu tun, um den Gewerkschaftsaktivisten zu verteidigen.

Landesverband-Präsident Georges Merenz betonte, der Kollege sei gerade dabei gewesen, bei Luxtram eine Delegation zu den Sozialwahlen im März 2019 aufzustellen, als ihm von der Direktion am 11. Dezember nach seiner Tagesschicht aus heiterem Himmel gekündigt wurde. Von »Gangstermethoden«, die den Salariatsvertretern leider schon bekannt seien, sprach OGBL-Zentralsekretär Chri­stian Sikorski. Es sei »skrupellos«, einen Mitarbeiter kurz vor den Feiertagen zu feuern. Der Zentralsekretär erinnerte daran, daß die Gewerkschaften eine Tram in öffentlicher Hand gefordert hatten, um ein »Zweiklassensystem im öffentlichen Dienst« zu verhindern. Nun lägen die bei Luxtram gezahlten Löhne 30 bis 45 Prozent unter denen im öffentlichen Dienst, die Mitarbeiter hätten sieben bis elf Tage weniger Jahresurlaub und müßten Tagesschichten von bis zu 13 Stunden verrichten. Angesichts der vielen Überstunden grenze es an ein Wunder, daß die Tram in den vergangenen Monaten nicht in einen tödlichen Unfall verwickelt war.

»In einem normalen staatlichen Betrieb hätten die Direktion und die Salariatsvertreter eine einvernehmliche Lösung gefunden«, ist sich Sikorski sicher. Doch auch hinsichtlich möglicher Disziplinarmaßnahmen seien die Mitarbeiter von Luxtram S.A. offenbar gegenüber ihren Kollegen im öffentlichen Dienst benachteiligt. Zur Motivation der Direktion sagte er, es sei offensichtlich darum gegangen, gewerkschaftliches Engagement bei Luxtram »im Keim zu ersticken«. Landesverband und OGBL fordern, den entlassenen Mitarbeiter sofort wieder in den Dienst aufzunehmen und »auch bei Luxtram ein Disziplinarsystem wie beim Staat einzuführen, damit solche Gangstermethoden künftig unterbunden werden«.

Wobei sich die Gewerkschaften mit ihren Forderungen auch an die Regierung und den Schöffenrat der Stadt Luxemburg richten, wie Nico Wennmacher, Präsident der Rentnerabteilung des Landesverbands, auf der Pressekonferenz betonte. Im Verwaltungsrat von Luxtram S.A. tummelten sich Regierungs- und Schöffenratsvertreter, die weisungsgebunden seien. An die neue Regierung aus DP, LSAP und Déi Gréng erging der Appell, im Arbeitsrecht die Möglichkeit zu schaffen, daß ein Richter bei einer ungerechtfertigten Entlassung anordnen kann, den zu Unrecht Entlassenen wieder in das Unternehmen aufzunehmen. In Luxemburg haben zu Unrecht Entlassene bislang nur die Möglichkeit vor Gericht eine finanzielle Entschädigung herauszuschlagen. Der aktuelle Fall zeige, »daß unser Arbeitsrecht Lücken hat«, sagte Wennmacher. »Hier stehen Grundrechte auf dem Spiel!«

oe

Als Ende Juli drei neue Tramhaltestellen eingeweiht wurden, bereiteten die Gewerkschaften Bürgermeisterin Lydie Polfer und Infrastrukturminister François Bausch am Theater einen heißen Empfang (Foto: ZLV)

Dienstag 18. Dezember 2018