Unser Leitartikel:
Der Mensch im Mittelpunkt

Seit ihrem vorläufigen Sieg in der Systemauseinandersetzung, und befreit von der »lästigen Konkurrenz« aus dem Osten Europas, zeigen die Kapitalisten wieder ihr wahres Gesicht. Ihr Auftreten ist aggressiver und arroganter geworden. Mit Kompromissen an die arbeitenden Menschen ist seit geraumer Zeit Schluss. Löhne stagnieren – es sind vielfach sogar Reallohnverluste zu beklagen – und so manche in Jahrzehnten von der Arbeiterklasse erkämpfte Errungenschaften wurden beschnitten, teilweise sogar abgeschafft.

In den Betrieben wird den Werktätigen immer mehr abverlangt, dies nach dem Motto »mehr Arbeit für weniger Lohn«. Um den Profit höchstmöglich maximieren zu können, wird wie verrückt globalisiert, flexibilisiert und dereguliert. Mit der Folge, dass sich die Situation der arbeitenden Menschen seither deutlich verschlechtert hat.

Luxemburg zählt derzeit mehr als 20.000 Arbeitsuchende, und aus den Betrieben wollen die schlechten Nachrichten nicht abreißen. Arbeitsplätze werden abgebaut, Betriebe zum Nachteil der Schaffenden umstrukturiert, Produktionsstätte stillgelegt. Auch auf die Qualität der Arbeitsbedingungen wird immer weniger Rücksicht genommen. Lohnpolitik und Arbeitszeitorganisation werden heute so gestaltet, dass das Streben nach höchstmöglicher Profitmaximierung ganz zu Lasten der Beschäftigten geht.

Hinzu kommt, dass sich die arbeitenden Menschen für den Verkauf ihrer Arbeitskraft immer weniger leisten können. Ihre Kaufkraft ist in den letzten Jahren deutlich beschnitten worden. Während einerseits das Patronat mit Kompensationen für Mehrausgaben und riesigen Steuergeschenken immer wieder beglückt wird, werden Arbeiter und Rentner zur Kasse gebeten. So dass die Reichen immer reicher werden, während die Zahl jener, die von sozialen Problemen betroffen sind, unaufhaltsam steigt. Und zwar in einem Ausmaß, dass inzwischen rund 17 Prozent aller Haushalte von Armutsrisiko bedroht sind.

Um dem entgegenzuwirken, muss der erschaffene Mehrwert umverteilt werden. Nicht Besitzer von Produktionsstätten und Aktionäre, sondern jene, die ihn erschaffen, sollten in erster Linie davon profitieren. Hierzu muss eine andere Politik her, wozu allerdings der politische Wille fehlt. Wodurch sich an der Situation der Schaffenden kaum Spürbares zum Positiven ändern wird.

Erst wenn die Herrschenden spüren würden dass die Arbeiterklasse dem bestehenden System die Gefolgschaft zu kündigen droht und die Herrschaft des Kapitals in Frage stellt, wäre das Patronat zu neuen spürbaren Konzessionen im Interesse der arbeitenden Menschen bereit. Längerfristig würde allerdings nur eine Verstaatlichung von Banken und Großbetrieben Arbeitsplatzabbau, weitere Verschlechterung der Arbeitsbedingungen und Betriebsschließungen verhindern und eine Umverteilung des Profits zu Gunsten der arbeitenden Menschen ermöglichen.

Kapitalisten, denen das Wohlergehen der arbeitenden Menschen schnuppe ist, müssen enteignet werden, damit Produktionsanlagen und Betriebsgelände in den Besitz des Staates gelangen und den Beschäftigten und ihren Gewerkschaften weitgehende Entscheidungsbefugnisse bei der Leitung der Betriebe eingeräumt werden können.
Nur dann wird die Möglichkeit bestehen, dass nicht weiter vordergründig der Profit, sondern endlich der Mensch im Mittelpunkt stehen wird.

gilbert simonelli

Gilbert Simonelli : Dienstag 18. Dezember 2018