Israels Raketen über Damaskus

Heimtückischer Überfall am Weihnachtstag galt angeblich iranischen Stützpunkten in Syrien

Am Dienstagabend, dem ersten Weihnachtsfeiertag, haben israelische Kampfjets Ziele in der Umgebung der syrischen Hauptstadt Damaskus angegriffen. »Wir dachten, jemand habe ein Feuerwerk für Weihnachten arrangiert«, sagt Joseph B., der in der Altstadt von Damaskus wohnt. Etwa um 21.30 Uhr am Dienstagabend seien laut und deutlich Explosionen zu hören gewesen. Ähnlich ging es auch Hussam M. der mit seiner Familie in Jdaidet Artuz westlich von Damaskus wohnt. Er habe das »Feuerwerk« beobachtet, beschreibt er auf Nachfrage der Autorin. Er habe gesehen, wie drei Raketen von der syrischen Luftabwehr zerstört wurden. Eine Rakete sei am Rande des Ortes auf neu gebaute Häuser gefallen, eine vierte Rakete sei in einem Munitionsdepot der Armee nordwestlich von Damaskus eingeschlagen: »Wir konnten 15 Minuten lang die Explosionen hören.«

Nach Angaben des syrischen Militärs wurden die Raketen aus dem libanesischen Luftraum abgefeuert. Die meisten der Raketen seien zerstört worden, hieß es in einer knappen Erklärung. Ein Munitionsdepot sei getroffen und drei Soldaten seien verletzt worden. Die libanesische Armee bestätigte, daß die Angriffe aus dem Luftraum über dem Südlibanon erfolgt seien. Die israelische Luftwaffe benutzt regelmäßig den libanesischen Luftraum für Angriffe auf Syrien, es handelt sich um einen Bruch des Völkerrechts. Beschwerden der libanesischen Regierung beim UNO-Sicherheitsrat bleiben folgenlos.
Das russische Verteidigungsministerium erklärte, 14 von 16 israelischen Raketen seien von der syrischen Luftabwehr zerstört worden. Die Angriffe hätten »direkt zwei zivile Flugzeuge bedroht, die im Landeanflug auf Damaskus und Beirut gewesen seien«, sagte Ministeriumssprecher Igor Konaschenkow. Eine der Maschinen sei aus Sicherheitsgründen umgeleitet worden und auf dem russischen Militär-Flughafen Hmeimin (Latakia) gelandet. Laut unbestätigten Berichten aus US-amerikanischen und israelischen Geheimdienstkreisen soll zu dem Zeitpunkt eine Delegation der Hisbollah von Beirut über Damaskus nach Teheran unterwegs gewesen sein, um dort zum Tod von Ayatollah Hashemi Shahroudi zu kondolieren. Er war am 24. Dezember gestorben.
»Business as usual« titelte die israelische Tageszeitung »Haaretz« ihren Artikel über den »angeblichen israelischen Angriff« auf Syrien. Anläßlich des von USA-Präsident Trump angekündigten Truppen-Abzugs aus Syrien habe Israel signalisiert, »egal was Putin oder Trump« sagten, es werde sich weiter »wie gewohnt« verhalten. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erklärte am Mittwoch bei der Abschlußfeier von Luftwaffenpiloten auf der Luftwaffenbasis Hatzerim, man tue was nötig sei, »um den Iran davon abzuhalten, sich in Syrien festzusetzen.«

Im Internetportal DEBKA, das dem Geheimdienst israelischen Mossad nahesteht, wurden die Angriffe bestätigt. Ziel seien syrische Waffendepots gewesen, weder Stellungen des Iran noch der Hisbollah. Dem Bericht zufolge sei der Angriff von Regierung und Militärführung beschlossen worden. Man habe das Chaos nutzen wollen, das die Entscheidung zum USA-Truppenabzug aus Syrien und der Drohung aus Ankara, mit der türkischen Armee die Gebiete östlich des Euphrat einzunehmen, ausgelöst worden sei.

Karin Leukefeld

Spuren von Luftabwehrraketen sind am 25. Dezember am Himmel über Damaskus zu sehen (Foto: XinHua/dpa)

Donnerstag 27. Dezember 2018