Proteste im Sudan weiten sich aus

Aus Solidarität mit Protesten gegen höhere Brotpreise hat eine wichtige Ärztevereinigung im Sudan einen unbefristeten Streik erklärt. Die Mediziner würden nur für Notfälle eine Ausnahme machen, erklärte die Vereinigung CCSD am Sonntag. Es sei die moralische Pflicht aller Bürger, die Gewalt abzulehnen, die »von den Sicherheitskräften bei der Unterdrückung der Proteste an den Tag gelegt« worden sei, hieß es. Es sei mit scharfer Munition auf unbewaffnete Demonstranten geschossen worden.

Die neuen Proteste gegen die Wirtschaftspolitik der Regierung hatten in der vergangenen Woche in Städten im Osten des Landes begonnen, ausgelöst von einer Erhöhungen des Brotpreises. Seither kam es auch in anderen Landesteilen zu Protesten. Bei deren Niederschlagung wurden nach Oppositionsangaben mehrere Menschen getötet und Dutzende verletzt.

Die Regierung hatte wegen der andauernden Proteste in zwei östlichen Provinzen den Notstand verhängt. Die Wirtschaft des ölreichen ostafrikanischen Staates befindet sich derzeit in einer schweren Krise. Wegen hoher Inflation verlieren die Menschen an Kaufkraft. Auch die Landeswährung, das sudanesische Pfund, hat zuletzt an Wert verloren.

Die Verdreifachung des Brotpreises am 17. Dezember war im Sudan der Anlaß, der das Faß zum Überlaufen brachte. Arbeiter, Studenten, Angestellte, Männer und Frauen gingen auf die Straße, demonstrierten gegen die Regierung, die während des Jahres vom Internationalen Währungsfonds auferlegten Wirtschaftsreformen auf die Bevölkerung abzuwälzen suchte. Die Lebenshaltungskosten waren bei einer Inflationsrate von fast 70 Prozent in den letzten Monaten explodiert, vor den Bäckereien bildeten sich lange Schlangen.

Von Port Sudan am Roten Meer ging der Protest aus, und als der das ganze Land erfaßte, verfügte die Regierung nächtliche Ausgangssperren und setzte die Armee ein.
Rufe wie »Freiheit, Freiheit« und »Das Volk will den Sturz der Regierung«, aber auch Steine gegen Banken und ausgeplünderte Läden im Tränengas-Gewitter in Khartum wie in Paris.

Am Donnerstag vergangener Woche, dem dritten Tag der Demonstrationen, hieß es »Feuer frei«: In der Provinzhauptstadt Al-Qadarif erschossen Polizisten acht Demonstranten, darunter einen Studenten. Die aufgebrachten Demonstranten setzten daraufhin das örtliche Büro der Partei von Präsident Al Bashir (Nationalkongreß) in Brand, ebenso in Dongola im Norden Sudans, wie »Le Monde« berichtete. In der Stadt Atbara, 400 km östlich von Khartum, kamen zwei Demonstranten ums Leben. Bis zum Samstag, 22. Dezember, wurden insgesamt 43 Demonstranten erschossen und viele verletzt, teilte das Sekretariat der Sudanesischen Kommunistischen Partei (SCP) mit.
Die SCP und andere oppositionelle Parteien rufen zu weiteren Massenprotesten auf. Sie fordern einen sofortigen Stopp des Schießbefehls und die Freilassung aller politischen Gefangenen, darunter Hanadi Fadl, Mitglied des Politbüros der SCP.

Zudem stürmten am Sonntag bewaffnete Gruppen der »Sicherheitskräfte« den Sitz der Zentrale der Sudanesischen Kommunistischen Partei und kidnappten ein weiteres Mitglied des Politbüros der SCP Masoud Ali, Sekretär der Parteiorganisation der Hauptstadt. Dessen Verbleib ist bislang unbekannt.

(SCP/UZ/dpa/ZLV)

(Foto: SCP)

Donnerstag 27. Dezember 2018