Die Arbeitsbedingungen und die Frage »Wie lange musst du noch?«

Wenn Studien des STATEC auch darauf schließen lassen könnten, dass Lohnabhängige (besonders Frauen) heutzutage länger im Arbeitsprozess verbleiben als noch vor 30 Jahren, so sieht die Realität in so manchen Wirtschaftssektoren allerdings nach wie vor so aus, dass viele »ältere« Mitarbeiter schon Jahre vor Erreichen des Pensionsalters damit beginnen, ihren Eintritt in den Ruhestand regelrecht herbeizusehnen.

Was ohne Zweifel seine Gründe hat. Angefangen bei den Arbeitsbedingungen, die sich aufgrund der wachsenden Flexibilisierung und der massiven Deregulierung der Arbeitszeitorganisation deutlich verschlechtert haben. So klagen immer häufiger Mitarbeiter über längere und öfters abgeänderte Arbeitszeiten, andere beschweren sich über Mehrarbeit und Überstunden, die ihnen aufgezwungen werden, ohne als solche vergütet zu werden. Andere wiederum regen sich über gekürzte Ruhepausen, gestrichene freie Tage und immer weniger arbeitsfreie Wochenende auf.

Immer schwerer zu schaffen machen den Schaffenden auch die neuen »Krankautomaten« Druck, Hetze, Stress und Mobbing. Erscheinungen, die die Grenzen des Zumutbaren schon lange überschritten haben.

Wer die schlechter gewordenen Arbeitsbedingungen nicht akzeptiert und sich der Order des Chefs nicht beugt, gerät ins schiefe Licht und läuft Gefahr, bei der nächsten Gelegenheit seinen Arbeitsplatz los zu sein. Dass das Patronat die schlechte Situation auf dem Arbeitsmarkt ausnutzt, um den Druck auf die Schaffenden zu verstärken, ist kein Geheimnis.

Kein Wunder also, dass unter solchen Umständen nach wie vor viele Lohnabhängige so schnell wie möglich in den Ruhestand möchten. Was auch erklärt, dass unter Arbeitskollegen aus der Frage »Wie lange gehst du noch?« in vielen Betrieben die Frage »Wie lange musst du noch?« geworden ist.

g.s.

Freitag 28. Dezember 2018