Forderungskatalog zur Mobilität für die Großregion:

Offenbarungseid des Scheiterns

In fünf Arbeitssitzungen in den Jahren 2017 und 2018 hat sich die Arbeitsgruppe 3 des Wirtschafts- und Sozialausschusses der Großregion (WSAGR) mit dem Verkehr und seinen Problemen beschäftigt. Unter dem wunderschönen Titel »Ein attraktiver ÖPNV (= öffentlicher Personennahverkehr) und eine leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur für die Großregion« sind 33 Seiten Empfehlungen unter dem Vorsitz von Gilles Dostert (Direktor des Luxemburger Verkehrsverbunds) und seinem Stellvertreter René Birgen (Tram asbl) entstanden. Erschreckend wenig Neues gehört zum Altbekannten, das nicht zum ersten Mal vom WSAGR gefordert wird.

Allein das zeigt, wie langsam dringend Notwendiges im Infrastrukturbereich Verkehr geschieht, egal ob es sich um die Schiene, Straßen oder die Binnenschifffahrt handelt, während die Mobilitätsbedürfnisse exponentiell steigen. Das gilt sowohl für den Warentransport (mehr Betriebe und eine erheblich größere am Findel angelandete Tonnage führen zu mehr LKW auf den Straßen) wie für den Personentransport, wo die Zahl der Grenzgänger im kleinen Großherzogtum nur von November 2017 zu November 2018 von 186.604 auf 195.212 stieg.

Dann zeigt das Papier sehr deutlich auf, welchen Denkverboten gefrönt wird. Obwohl wir unmöglich die Ortseinfahrten vergrößern oder multiplizieren können, obwohl es völlig unmöglich ist, jedes Jahr sieben zusätzliche Züge auf die Schienen zu stellen, darf nicht einmal im Traum an neue Verkehrswege in der Luft (www.monrail.lu; seelbunn.lu) oder im Tunnel unter der Hauptstadt für direktere Züge (www.busbunn.net) und zusätzliche Kapazität am Hauptbahnhof gedacht werden.

Ebenso darf kein Gedanke darauf verschwendet werden, wie es möglich werden könnte, nicht so viele Betriebe in die Hauptstadt und direkt drumherum zu kriegen. Einzig die Empfehlung an den Gipfel der Großregion, »die Rahmenbedingungen und Potenziale der Telearbeit genauestens zu analysieren und diese anschließend anzupassen, um gegebenenfalls Pilotprojekte zu fördern« sind ein (schwacher) Ansatz in die Richtung.

Zu wenig, zu spät auf der Schiene

Auch wenn neue Schienen (z.B. Wiltz - Bastogne, Diekirch - Echternach, Volmerange-les-Mines - Thionville) völlig fehlen, bleiben immer noch 10 Forderungen für den Ausbau der Schiene, die aber eigentlich schon verwirklicht sein müßten, so lange gibt es sie. Es dreht sich um

– die Umsetzung des Bahnprojektes Eurocaprail auf der Schienenachse Brüssel – Luxemburg - Straßburg, u.a. zur Verbesserung der Verbindung Luxemburg - Brüssel;

– den Ausbau und die Beschleunigung der Hochgeschwindigkeitsstrecke des Nordastes zwischen Baudrecourt und Mannheim, um die Großregion über Saarbrücken und Kaiserslautern noch besser an die Rhein-Rhône-Achse und Paris anzubinden;

– den Ausbau der Moselstrecke (Nancy - Metz - Apach - Perl - Trier - Koblenz);

– die Reaktivierung der Bahnstrecke Zweibrücken - Homburg;

– eine Machbarkeitsstudie zur Reaktivierung der Bahnstrecke Dillingen - Bouzonville, die noch im Frachtverkehr befahren wird, für den Personenverkehr;

– die Anbindung des Kirchbergs und des Findel an das luxemburgische Schienennetz (allerdings mit einem Kopfbahnhof bei der Foire, was eine Lösung des 19. Jh. ist) und den laufenden Ausbau des Hauptbahnhofs Luxemburg;

– den Ausbau der direkten Bahnverbindungen zwischen den Städten der Großregion im Taktverkehr;

– den Ausbau der Strecke Luxemburg - Liège, um die Kapazität zu erhöhen, was viel mehr Zweigleisigkeit voraussetzt;

– den Ausbau der Eifelstrec­ke (Luxemburg - Gerolstein - Köln);

– die Verlegung des TGV-Bahnhofs von der Gare de Lorraine bei Louvigny nach Vandières (nördlich von Pont-à-Mousson).

Engpaß am Wasser

Bei der Binnenschifffahrt erfahren wir, daß die Mosel zu 110% (ja, wirklich!) ausgelastet sei, was zu Wartezeiten an den Schleusen führt. Da es nirgends eine zweite Schleusenkammer gibt, fallen 8-10 Tage im Jahr wegen Reparaturarbeiten aus. Die 50 Jahre alten Schleusen müßten daher dringend saniert werden (und das vor dem geplanten Termin 2032) nach Installieren einer zweiten Schleusenkammer (was nicht geplant ist).

Schon lange wird von einem Verbindungskanal zwischen der Mosel und der Saône geredet, die den Vorteil hat in den Rhône zu münden. Das brächte eine direkte Verbindung von der Nordsee bis zum Mittelmeer, wovon der WSAGR einen wichtigen wirtschaftlichen Impuls für die Großregion erwartet und eine »Entlastung des Straßen- und Schienensystems … vor allem im Massen- und Schüttgutverkehr«. Aber wir sind nicht in China, drum geht nichts voran.

Straßen-Engpässe

Die A31 in Lothringen müßte längst ausgebaut sein – mit Umfahrungen für Thionville und Nancy. Selbiges gilt für die Verbindung zwischen der belgischen E411 und der Luxemburger A13, die nach der »Biff« im Niemandsland endet, während die E411 das zwischen Aubange und Athus tut. An der A1 fehlen 25,2 km zwischen den Anschlußstellen Kelberg und Blankenheim für die Anbindung der Großregion an den Westen und Norden der BRD. Die dafür nötige halbe Milliarde (es sind mehr als 20 Brücken zu bauen) ist leider bei der Verteidigung der BRD am Hindukusch draufgegangen, während in Frankreich die Ausgaben für »force de frappe« und »légion étrangère« vorgehen. Dumm gelaufen!

jmj

Donnerstag 10. Januar 2019