Konkurse haben Hochkonjunktur

Creditreform Luxemburg meldet mehr Unternehmenspleiten im vergangenen Jahr

Nach Angaben des Luxemburger Ablegers der privaten deutschen »Wirtschaftsauskunftei« Creditreform gab es im vergangenen Jahr 1.195 Firmenpleiten in Luxemburg. Das seien 260 Konkurse mehr als 2017 gewesen, erklärte die auch als »Inkasso-Dienst« tätige Unternehmensgruppe in einer Mitteilung an die Presse. Damit sei das »Konkursgeschehen« um 27,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr »dramatisch« auf einen »absoluten Höchststand« gestiegen.

Wobei Herbert Eberhard, Administrateur délégué bei Creditreform Luxemburg, nicht nur betont, die Zunahme an Pleiten hierzulande sei »im Gegensatz zu Deutschland« erfolgt, wo nach einem Minus von 1,2 Prozent »der niedrigste Wert seit 1994« erreicht worden sei, und insbesondere zur Region Trier, wo die Zahl der Unternehmenspleiten im vergangenen Jahr sogar um 14,7 Prozent gesunken sei.

Eberhard verweist auch darauf, daß in Luxemburg die Zahl der Pleiteunternehmen, die älter als fünf Jahre waren, 2018 »erneut stark gestiegen« sei und mittlerweile 78,2 Prozent aller Unternehmensaufgaben ausmache. Vor 20 Jahren habe dieser Wert erst bei 40 Prozent, vor zehn Jahren bei 60 Prozent gelegen. Fast ein Viertel aller Betriebe, die im vergangenen Jahr Insolvenz anmeldeten, sei sogar vor 1999 gegründet worden.

Bei 254 Pleiteunternehmen (21,3 Prozent) habe es sich um Einzelhändler gehandelt, heißt es in der Mitteilung weiter. Das lasse auf einen »harten Strukturwandel« im Handel schließen. Im produzierenden Gewerbe habe es 2018 zehn Firmenpleiten gegeben, nach nur einer im Vorjahr. Hingegen sei die Konkursquote im Baubereich gesunken, ihr Anteil sei von 5,4 auf 4,1 Prozent zurückgegangen. »Trauriger Spitzenreiter« bleibe der Dienstlei­stungsbereich mit 882 Insolvenzfällen und einem Anteil von 73,8 Prozent.
Zu den Pleiten, die im vergangenen Jahr für Schlagzeilen sorgten, zählt Creditreform Luxemburg den Capellener Nahrungsmittelhersteller Tavola, wo rund 100 Schaffende ihre Anstellung verloren, der Konkurs des Transportunternehmens Mancino in Zolver, der über 20 Mitarbeitern den Job kostete, sowie der Konkurs der Tankschiffgesellschaft EH Verwaltung S.à.r.l. mit zuletzt 52 Mitarbeitern. Kurz vor dem Jahreswechsel kam dann noch der hiesige Ableger des französischen Finanzunternehmens Alliage Management SA in Luxemburg mit 84 Mitarbeitern hinzu, das seither einer »Procédure d’insolvabilité« unterliegt. Die meisten anderen Pleiteunternehmen hatten nur ein oder zwei Mitarbeiter.

»Die trotz guter Konjunktur eingetretenen Höchstwerte bei den Konkursen in 2018« seien »Zeichen eines Strukturwandels«, werden die Zahlen von Eberhardt kommentiert. »Soweit sich die Strukturprobleme nicht verschärfen, könnten in Verbindung mit einer weiterhin guten Konjunktur in Mitteleuropa die Konkurszahlen im Jahr 2019 wieder rückläufig sein.«

Die Kommunisten fordern seit Jahren die Einrichtung einer staatlichen Auffanggesellschaft, um den Beschäftigten bei Konkursen ihre Arbeitsplätze und ihre Löhne absichern zu können.

oe

Donnerstag 10. Januar 2019