Überlebensfrage Systemwechsel

XXIV. Rosa-Luxemburg-Konferenz in Berlin

Mehr als 3.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen am Samstag zur diesjährigen Internationalen Rosa-Luxemburg-Konferenz in Berlin, organisiert von der Tageszeitung »junge Welt«. Unmittelbar vor dem 100. Jahrestag der Ermordung der Revolutionäre Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht referierten Intellektuelle, Politiker und Künstler aus Europa, den USA und Kuba über linke Alternativen zu einem profitgetriebenen System, welches durch Kriege und Krisen die Lebensgrundlagen der Menschheit gefährdet.

Die in der Türkei juristisch verfolgte deutsche Journalistin Mesale Tolu prangerte in ihrer Rede die deutschen Waffenexporte an den Bosporus an. Unter dem Beifall der Teilnehmer forderte sie einen sofortigen Stopp solcher Geschäfte, die für das Leid von sehr vielen Menschen verantwortlich seien, zu Flucht und Vertreibung führten.

In seinem Vortrag kennzeichnete der US-amerikanische Ökonom Michael Hudson die Geopolitik der Vereinigten Staaten als »Barbarei«: Jene Staaten, die sich einer ökonomischen Abhängigkeit von der westlichen Führungsmacht widersetzten, sähen sich von ihr permanent militärisch bedroht. Der italienische Wissenschaftler Vladimiro Giacché referierte über die Abwälzung der Folgen der globalen Finanzkrise auf die Allgemeinheit. Allein in Europa sei eine Billion Euro für die Rettung von Banken ausgegeben worden. Die Spekulation durch Investoren und Konzerne habe sich in dem Jahrzehnt seit dem Kollaps noch weiter ausgedehnt, stellte er fest. Der weltweite Wertpapierhandel habe sich verdreifacht, das Wirtschaftswachstum halte mit der globalen Staatsverschuldung nicht mit. Der Krisenkapitalismus müsse durch ein System abgelöst werden, in dem die Produktionsmittel vergesellschaftet sind, schlussfolgerte Giacché.

Die XXIV. Konferenz stand unter dem Motto »Sozialismus oder Barbarei: Die nächste Krise. Der nächste Krieg. Die nächste Revolution«. Zu den Rednern zählten auch der frühere Kulturminister Kubas, Abel Prieto, und der Publizist Dietmar Dath. An der Podiumsdiskussion zum Abschluss der Veranstaltung nahm unter anderen der ehemalige Vorsitzende der SPD Baden-Württemberg, Ulrich Maurer, teil.

Eine Grußbotschaft an die Konferenz sandte der Journalist und politische Gefangene Mumia Abu-Jamal aus den USA. Zu Gast waren Delegationen u.a. aus Spanien, Belgien, Österreich, Dänemark, aus der Schweiz, aus Venezuela und Kuba.
Die Konferenz stand im Zeichen des Jubiläums der deutschen Novemberrevolution und des 100. Jahrestages der Ermordung der Revolutionäre Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht durch rechte Freikorpssoldaten.

Im Parallelprogramm widmet sich ein Jugendforum dem Thema »100 Jahre Kampf gegen Kapitalismus und Krieg«. Ein Kulturprogramm, Auftritte der kubanischen Band »Proyecto Son Batey« und eine Ausstellung bildender Künstler der »Gruppe Tendenzen« sowie ein Diskussionstreffpunkt der Deutschen Kommunistischen Partei und der Sowzialstischen Deutschen Arbeiterjugend rundeten die Veranstaltung ab.
Die Veranstaltung, die von mehr als 30 Organisationen und Medien unterstützt wird, wurde von »junge Welt« per Livestream im Internet übertragen. (jW/ZLV)

Der US-amerikanische Ökonom Michael Hudson am Samstag in Berlin (Foto: Jens Schulze)

Montag 14. Januar 2019