Disruptive Technologie:

Mehr Profit durch Digitalisierung bei Husky

Die Firma »Husky Injec­tion Molding Systems« gibt es seit 1985 in der Industriezone Riedgen zwischen Düdelingen und Bettemburg. Sie ist weltweit Marktführer beim Herstellen von Behältnissen aller Art nach vorgefertigten Formen und produziert in Kanada, den USA, in Luxemburg, Österreich, in der Schweiz, in der Volksrepublik China, in Indien und in der Tschechischen Republik. Husky beliefert Kunden mit Maschinen und Endprodukten in über 100 Ländern und beschäftigt weltweit 4.000 Leute. In Luxemburg gibt es aus 33 Nationalitäten 918 Beschäftigte, darunter 23 Lehrlinge. Sie machen einen Jahresumsatz von 385 Mio. USA-Dollars, wobei sich die Gesamtinvestition bislang auf 200 Mio. summiert.

Mit Hilfe der Firma Siemens, die seit 1910 eine Niederlassung im Lande hat und hier 180 Menschen beschäftigt, ist nun der gesamte Produktionsprozeß von der Gestaltung über die Formenherstellung bis zur Endproduktion digitalisiert worden. Diese Investition beläuft sich auf 50 Mio. USA-Dollar, wozu der Staat Luxemburg 3,4 Mio. € Subvention zuschießt.

Zweck der Übung ist es nicht, Arbeitsplätze wegzurationalsieren, erklärte der Presse Husky-CEO und Präsident John Galt gestern. Erzielt werden soll eine Produktivitätssteigerung von 20%, die es erlaubt mehr mit der vorhandenen Infrastruktur zu leisten, was natürlich mehr Gewinn aus dieser bedeutet.
Ziel ist es, schneller in höchster Qualität produzieren zu können, indem es nur mehr 1-2 Wochen von der Idee bis zum Endprodukt braucht statt bisher 6-12 Wochen. Vergingen früher 14 Tage bis zum ersten Produkt, wenn klar war, wie das Behältnis werden soll, so braucht es dafür nur mehr 17 Minuten.

Da es über die Datenwolke mit der Software möglich wird in direkter Kommunikation mit Kunden zu stehen, die weiter weg sind, entsteht ein Wettbewerbsvorteil. Es wird sogar möglich, daß Husky dem Kunden Zeit auf einer Maschine in Luxemburg vermietet, anstatt ihm nur Endprodukte zu liefern oder eine Maschine zu verkaufen.
Das sollte den möglichen Kundenkreis erweitern helfen.

So weit dabei für einen Teil des Personals eine Weiterbildung bei den Kenntnissen in Informationstechnologie nötig ist, wird Husky die zum Teil vom Arbeitsministerium bezahlte »Luxembourg Digital Skills Bridge fir d‘Kompetenze vu muer« nutzen. Das Programm wurde in der vorigen Legislaturperiode aufgelegt, um zu verhindern, daß Personal auf der Strecke bleibt auf dem Weg der Digitalisierung in den Betrieben.
Sicher ist sich Wirtschaftsminister Schneider, daß es so möglich ist, die Wirtschaft in Luxemburg wachsen zu lassen, ohne daß es mehr Arbeitsplätze und damit mehr Grenzgänger und Staus gibt. Er glaubt sogar, daß damit die Auswirkungen auf die Umwelt geringer sein könnten. Wie das mit einem automatisierten Goodyear-Autoreifenwerk in derselben Industriezone gehen soll, erschließt sich nur auf die geringe Personalmenge: sie ermöglicht eine Produktion, die vor 7 Jahren noch für unmöglich erklärt wurde wegen zu hoher Löhne im Land. Umweltschonend ist daran aber sonst nichts.

Lustig ist auch, wenn am Roost jetzt ein modulierbares Parkhaus mit Kantine, Sozialräumen und Kinderkrippe für alle Betriebe des Zentrums rund ums Auto vom Staat gebaut wird. Das soll die Parkplatzfläche reduzieren und durch die gemeinsame Nutzung günstiger für alle sein. Schön, und sonst?

Von ganz besonderer Güte ist es allerdings, wenn gleich mehrere Redner hintereinander von der Billiglohnkonkurrenz aus China sprechen, die nur den Nachteil habe, daß die Lieferung nach Europa vier Wochen dauere, weswegen es gelte, mit der Digitalisierung schneller als »die da« zu produzieren. Denn erstens produziert Husky selbst auch in China und zweitens wird nirgendwo mehr über »disruptive Technologien« geredet als dort.

jmj

Mit Hilfe von Elektronik, Hardware, Software sowie neuen Materialien und Produktionsprozessen wird es möglich flexibler eine hohe Anzahl individueller Produktvarianten unterschiedlichster Behältnisse herzustellen.

Mittwoch 6. Februar 2019