Bourgeosie macht mobil für ihre Interessen in »Europa«:

Habt Acht! Präsentiert das Gewehr!

Am Mittwoch dieser Woche hatte die »Jeunesse Européenne du Luxembourg« (JEL) auf Belair in die »Schéiss« geladen, wo sich die Hauptstadtbourgeoisie auch sonst trifft, zum Thema »Shaping Europe‘s Future«. Dies nachdem sie bereits zuvor einen Plan mit zehn Punkten vorgestellt hatten, der auf einen einheitlichen Föderalstaat EU hinausläuft, natürlich mit dem zentralen Element einer einheitlichen Armee. Das ist dann mehr oder weniger das, was ein Frank Engel vor 17 Jahren als »Vereinigte Staaten von Europa« mit dem »Cercle Bech« als Ziel vorgab.

Am 6. Februar durfte einleitend Xavier Bettel wertfrei über die Wichtigkeit der Einigkeit in der Union und übers »Friedensprojekt Europa« parlieren (natürlich ohne die Bombardierung Serbiens und die Zerschlagung Jugoslawiens zu erwähnen), bevor sich die geladenen Gäste in der großen Runde selbst und natürlich »Europa« beweihräucherten: neben dem Premier waren das Frank Engel, Tilly Metz, Charles Goerens, Viviane Reding, Marc Angel, Claude Wiseler, Serge Wilmes, Laurent Mosar, Paul Galles, Sven Clement und Djuna Bernard. Also alle unkritischen Bejubler des imperialistischen Projekts, während die unrealistischen Träumer des »sozialen Europas« (Lénk) wie des »Europas der Vaterländer« unter Aufrechterhalten von nationaler Souveränität (adr) ebenso außen vor bleiben mußten wie die prinzipiellen Gegner von Neokolonialismus, Imperialismus und Ausbeutung, die für eine solidarische Zusammenarbeit der Völker nicht nur Europas statt der EU plädieren (KPL).

Von der Debatte ist eigentlich gar nichts zurückzubehalten, außer daß Charles Goerens des Nachdenkens fähig ist. Angeregt wurde er in Straßburg durch den Besuch von zwei Klassen des technischen Lyzeums Wiltz, denen er die einheitliche Armee der EU schmackhaft machen wollte. Die Jugendlichen machten ihm aber klar, daß sie das gar nicht so großartig finden. Tatsächlich haben die um Lohn Tätigen wie die Jugend nirgendwo ein Interesse an Soldaten- und Heldentum, das Finanz- und Großkapital ganz besonders des militärisch-industriellen Komplexes aber umso mehr. Denn Krieg wie Kriegsvorbereitung durch Aufrüstung lenkt öffentliche Gelder auf ihre privaten Konten um!

Charles Goerens machte sich an jenem Abend nicht wirklich beliebt, als er die allgemeine Euphorie für eine gemeinsame Armee, in der dann auch die Söhne und Töchter Luxemburgs den Interessen des Großkapitals dienen sollten, mit der Bemerkung bremste, das sei so einfach nicht machbar. Denn vier der 27 verbleibenden Mitglieder nach dem Brexit sind ihrer Verfassung nach neutral, was ein Mitmachen in einer einheitlichen Armee ausschließt. Die vier Verfassungen abzuändern, damit das möglich werde, wird nicht einfach sein. Das stimmt, Charles!

Letztlich ist ein Einheitsstaat EU wie die einheitliche Armee etwas, das nur den Profiten des Groß- und Finanzkapitals dienlich sein könnte, auf keinem Fall aber der historisch gewachsenen kulturellen Vielfalt der Völker Europas, die es so in den USA nicht gibt, und den Lebensinteressen des Salariats in den einzelnen EU-Mitgliedsstaaten wie außerhalb.

Wer ist die JEL?

Wer die »Jeunesse Européenne du Luxembourg« mittels Internet-Suchmaschine zu finden sucht, kriegt als erste Adresse die »Conférance Générale de la Jeunesse du Luxembourg«, wo die JEL Mitglied ist. Da erfahren wir, daß sie im Februar 1979 gegründet wurde, und es einen Vorläufer gab, der »Jeunesse Européenne fédéraliste« hieß, wo also das Ziel Föderalstaat im Namen stand, und die von nach dem Zweiten Weltkrieg bis zu den ersten Wahlen zum »Europäischen Parlament« am 10.6.1979 aktiv war. Die dort angegebene Internetadresse www.jel.lu führt aber zu den … »Jonk Entrepreneuren Luxembourg asbl«. Da darf gestaunt werden, wie Internetadressen weitergereicht wurden!

Die JEL gibt es aber doch weiterhin im Internet, und das nicht nur auf Facebook mit vielen Bildern von teuer geklufteten Leutchen in den Zwanzigern, sondern auch an www.jeunesseeuropeenne.lu, das aber ausschließlich auf Englisch trotz des französischen Namens. Die CIA kann so wohl besser überprüfen, ob alles auch in ihrem Sinne läuft.

Dafür verteilt die JEL auf Französisch ein Flugblatt mit EU-Fahne, das direkt vom EU-Parlament herausgegeben wird und auf die Interenetseite www.cettefoisjevote.eu verweist.

Da heißt es dann, die Wahlen würden dieses Jahr in einem stark anderen Zusammenhang stattfinden wie vor fünf Jahren. Unaufhörliche Gegenwahrheiten würden Verschiedenheit in eine verheerende Teilung »Europas« verwandeln. Das ist also das, was wir glauben sollen, wie wenn die EU für den ganzen Kontinent stehen könnte, obwohl dazu durchaus europäischen Hauptstädte wie z.B. Moskau, Minsk, Bern oder Belgrad keinesfalls gehören. Die größten »fake news« liefert die EU-Propaganda selbst!
»Dieses Mal wird es nicht genügen, auf eine bessere Zukunft zu hoffen. Dieses Mal ist es an einem jeden von uns, seine Verantwortung zu übernehmen, und diese Zukunft zu wählen.« Nun, mit Hoffnungen wurde noch nie eine bessere Zukunft durchgesetzt, aber mit dem Staatenbund EU, der Afrika ausbeutet und mit Gewalt, wenn es sein muß, in Unterentwicklung halten will, wird es auf keinen Fall diese bessere Zukunft geben! Wobei wir da schon wieder bei einem Thema sind, das in der »Schéiss« gar keine Rolle spielte.
Fix ist: wer die dort Anwesenden am 26.5. wählt, sichert nur dem Kapital eine bessere Zukunft!

jmj

Freitag 8. Februar 2019