Erheblicher Verlust an Ackerland, keine Klarheit über Wasserverbrauch und den wirtschaftlichen und sozialen Mehrwert

Einspruch gegen geplantes Google-Rechenzentrum

Der USA-Internetkonzern Google will bekanntlich sein sechstes europäisches Rechenzentrum in Bissen bauen, weshalb die Gemeinde ihren allgemeinen Bebauungsplan punktuell abändern will. Die Regierung drängt auf den Bau des Rechenzentrums und tut so, als werde Luxemburg, sollten diese Investitionen nicht getätigt werden, den Anschluß an den wissenschaftlich-technischen Fortschritt verlieren, ließ die Öffentlichkeit bisher aber völlig im Unklaren über die tatsächlichen Auswirkungen einer solchen Niederlassung.

Die Umklassierung soll für eine Fläche von 34,7 Hektar, davon 30 Hektar guter Ackerboden, auf dem »Busbierg« gelten, welche sich gegenwärtig außerhalb des Siedlungsgebietes in einer Grünzone befindet.

Der Mouvement Ecologique hat nun angekündigt, er werde im Rahmen der öffentlichen Prozedur zur Umklassierung des betreffenden Areals im Bebauungsplan zu einer »Spezialzone Datacenter« Einspruch erheben.

Darauf hingewiesen wird, dass mit dem Bau des Rechenzentrums der Verlust erheblicher Flächen besonders wertvoller Ackerböden, aber möglicherweise auch ein sehr hoher Wasserverbrauch verbunden wäre. Bis dato wurde nicht mitgeteilt, ob auf Wasserkühlung zurückgegriffen wird und wenn, ob die Regierung Google Vorgaben machte, was die Kühlungstechnik angeht und welcher Verbrauch von Oberflächen- beziehungsweise Trinkwasser zulässig wäre.

Die potentiellen Belastungen für Natur- und Landschaft dürften gemäß der, allerdings unvollständigen, beziehungsweise völlig unzureichenden strategischen Umweltprüfung bedeutsamer sein als angenommen. Daher will sich die Umweltvereinigung dafür einsetzen, dass bereits im Rahmen der Prozedur zu Umklassierung des Areals alle relevanten Fakten im Umweltbereich offengelegt werden.

Der Mouvement Ecologique macht darauf aufmerksam, dass die kumulativen Auswirkungen dieser weiteren Verbauung auf dieser bereits mit riesigen Industriegebieten überzogenen Hochebene besonders gravierend sein würden.
Er wirft die Frage auf, ob es nicht sinnvoller wäre, diese Fläche für alternative, wirtschaftlich und gesamtgesellschaftlich sinnvollere Ansiedlungen zu nutzen, angesichts der Begrenztheit der Fläche, des steigenden Land-, Wasser- und Energieverbrauchs und des Biodiversitätsverlu­stes.

Als besonders gravierend erachtet die Umweltvereinigung, dass es bisher an Fakten fehlt, aus denen man den tatsächlichen sozialen und wirtschaftlichen Mehrwert während der Bauphase und auch mittel- und langfristig her­auslesen könnte.

Niedrige Energiepreise und Steuerdumping

Besonders fragwürdig wäre, so heißt es in der Stellungnahme, wenn wieder einmal die Wirtschaftspolitik auf einer Politik des Steuerdumpings – besonders niedrige Energiepreise – hinauslaufen würde. Tatsächlich sind die äußerst niedrigen Energiepreise für Internet-Konzerne besonders profitabel, da die Stromkosten zwischen 30 und 40 Prozent der Gesamtkosten von Rechenzentralen ausmachen.

Das macht Investitionen in Datenzentralen hierzulande besonders lukrativ.

Andererseits ist gegenwärtig gar nicht gewusst, wie viel der USA-Konzern tatsächlich in Luxemburg inve­stieren wird und wem die Investitionen potentiell zugute kommen werden, abgesehen von den Google-Aktionären selbstverständlich. Denn aus der Fachliteratur ist bekannt, dass die IT-Hardware der Hauptteil bei Investitionen in Rechenzentren ausmacht, diese aber nicht in Luxemburg produziert werden dürfte.

A.R.

Datacenter von Google in Dalles im USA-Bundesstaat Oregon. Die blauen Röhren bringen Kühlwasser, die roten führen warmes Wasser wieder ab. Der Wasserverbrauch ist erheblich. Doch machte die Luxemburger Regierung Google überhaupt Vorgaben, was die Kühlungstechnik und den Verbrauch von Oberflächen- beziehungsweise Trinkwasser angeht? (Foto: EPA)

Dienstag 12. Februar 2019