Unser Leitartikel:
Humanitäre Hilfe

Es gibt eine lange Reihe von Ländern und Regionen, die humanitäre Hilfe dringend benötigen. In vielen Fällen haben schlechte Witterungsbedingungen eine schlechte Ernte verursacht, so daß Nahrungsmittel für viele Menschen nicht nur knapp, sondern aufgrund der herrschenden kapitalistischen Marktbedingungen auch unerschwinglich werden. In vielen Ländern und Regionen ist eine falsche Wirtschaftspolitik der jeweiligen Regierung der Grund für knappe Nahrungsmittel. Anderswo führen Kriege dazu, daß Felder nicht bewirtschaftet werden können und somit zusätzlich zum Elend des Krieges auch das Elend des Hungers um sich greift.

Aktuelle Beispiele für Hunger und Hungerrevolten gibt es viele. Seit über zwei Wochen gegen die Menschen in Haiti auf die Straße und protestieren gegen die Politik der Regierung, die sie für den um sich greifenden Hunger und sonstiges Elend verantwortlich machen. Im Sudan begann Mitte Dezember eine massive Volksbewegung gegen den diktatorisch herrschenden Präsidenten. Anlaß für die Erhebung war eine Erhöhung der Brotpreise, wodurch der ohnehin um sich greifende Hunger im Land noch größer wird. Aus dem Südsudan, einem mit aktiver Hilfe der USA und der NATO im Jahr 2011 von Sudan abgespaltenen Staat, wurde in der vorigen Woche gemeldet, daß sieben Millionen Menschen akut von Hunger bedroht und mehr als 860.000 Kinder akut unterernährt sind.

Nun könnten wohlmeinende Leute auf die Idee kommen, daß die Menschen in Haiti, im Sudan, im Südsudan dringend humanitäre Hilfe benötigen. Das ist durchaus richtig, aber in den Hauptstädten der USA und der EU-Staaten sieht man das anders. Die Hilferufe aus Afrika oder Haiti werden gar nicht gehört.

Anders verhält es sich mit Venezuela. Auch dort gibt es einen großen Mangel an Lebensmitteln und Medikamenten, weil einerseits zugelassen wird, daß die Versorgung zum großen Teil in den Händen privater Unternehmen liegt, die aus dem Mangel zusätzlichen Profit schlagen. Knappheit herrscht allerdings in erster Linie aufgrund der Sanktionen und Blockaden, die von den USA, von anderen Staaten der Region und von der EU verhängt wurden, weil den dort Herrschenden das politische System in Caracas nicht paßt. Und einem Möchtegern-Staatschef von Washingtons Gnaden wird dann »humanitäre Hilfe« angeboten, die allerdings »vergiftet« ist, weil sie nur scheinbar den Menschen zugute kommen soll, sondern weil sie vor allem dazu beitragen soll, das ungeliebte Regime zu stürzen.

Statt Hilfsgüter nach Haiti zu transportieren, unternahmen die USA und ihre lokalen Hilfswilligen am Wochenende den Versuch, Waren mit Gewalt nach Venezuela zu transportieren und dabei die Grenzen eines souveränen Staates zu verletzen. Dabei werden auch Tote und Verletzte in Kauf genommen. Und weil es nicht funktionierte, wird zum Instrument der Lüge gegriffen. Lastwagen wurden nicht von Grenzschützern attackiert, sie brannten bereits auf der kolumbianischen Seite der Grenze. Nicht venezolanische Soldaten haben die Gewalt provoziert, sondern Kolumbien hat zugelassen, daß Provokateure und Randalierer Steine und Molotowcocktails in Richtung Venezuela warfen.

Die großangelegte Provokation am Wochenende ist gescheitert, und mit ihr auch der Putschistenführer, dessen Namen man wahrscheinlich bald vergessen haben wird. Die Versuche, einen »Regime Change« in Caracas herbeizuführen, werden allerdings weitergehen. Den zu verhindern, braucht es vor allem effektive Schritte von Präsident Maduro und seiner Regierung, das Leben aller Venezolaner dauerhaft zu verbessern.

Uli Brockmeyer

Uli Brockmeyer : Montag 25. Februar 2019