Unser Leitartikel:
Den Herrschenden die Gefolgschaft kündigen

Seit ihrem vorläufigen Sieg in der Systemauseinandersetzung zeigen die Kapitalisten, befreit von der »lästigen Konkurrenz« aus dem Osten Europas, wieder ihr wahres Gesicht. Ihr Auftreten ist aggressiver und arroganter geworden. Kompromisse an die Adresse der arbeitenden Menschen gibt es so gut wie keine mehr. Lineare Lohnaufbesserungen stehen kaum noch auf der Tagesordnung. Schlimmer noch: so manche während Jahrzehnten von der Arbeiterklasse erkämpfte Errungenschaften sollen abgeschafft, zumindest beschnitten werden.

In den Betrieben wird den Werktätigen immer mehr abverlangt, dies ganz nach dem Motto »mehr Arbeit für weniger Lohn«. Um den Profit weiter maximieren zu können, wird seit Jahren wie verrückt globalisiert, flexibilisiert und dereguliert. Was zur Folge hat, dass sich Situation der arbeitenden Menschen massiv verschlechtert hat.
Aus den Betrieben wollen die schlechten Nachrichten nicht abreißen. Posten werden weiter abgebaut, Abgänge immer seltener durch neue Arbeitskräfte ersetzt, den Erwerbstätigen zunehmend Mehrarbeit aufgezwungen, Abteilungen stillgelegt. Bei Lohnforderungen wird immer fester aufs Bremspedal gedrückt und bei der Arbeitszeitorganisation – Schichtenpläne, Arbeitszeiten, Wochenendarbeit. usw. – entscheidet allein das Patronat.

Hinzu kommt, dass sich die arbeitenden Menschen für den Verkauf ihrer Arbeitskraft immer weniger leisten können. Einseitige »Sparmaßnahmen« zwangen und zwingen viele Erwerbstätige weiter dazu, den Gürtel enger zu schnallen. Fakt ist, dass Reallohnverluste, Sozialabbau und Kaufkraftverlust dazu geführt haben, dass inzwischen fast 20 Prozent aller Haushalte von Armut bedroht sind, oder bereits in Armut leben.
Um dem entgegen zu wirken, muss der erschaffene Mehrwert schnellstens umverteilt werden. Dazu muss eine andere Politik her. Nur wenn die herrschende Klasse merken sollte, dass die Arbeiterklasse dem kapitalistischen System die Gefolgschaft zu kündigen droht und die Herrschaft des Kapitals in Frage stellt, wird sie wieder zu Konzessionen bereit sein, werden Lohnaufbesserungen und bessere Arbeitsbedingungen wieder möglich sein, der Rotstift von Abbauspezialisten deutlich weniger rabiat im Einsatz sein.

Längerfristig wird allerdings nur eine Verstaatlichung von Banken und Großbetrieben – wie sie die Kommunisten fordern – Betriebsschließungen und Arbeitsplatzabbau verhindern und eine Umverteilung des Profits zu Gunsten der arbeitenden Menschen ermöglichen. Kapitalisten, die aus Profitgier Posten abbauen, Betriebe schließen, Löhne torpedieren, Prämien abschaffen und den Schaffenden zunehmend schlechtere Arbeitsbedingungen aufzwingen, müssen enteignet werden, damit Produktionsanlagen und Betriebsgelände in den Besitz des Staates gelangen und den Beschäftigten und ihren Gewerkschaften weitgehende Entscheidungsbefugnisse bei der Leitung der Betriebe eingeräumt werden können.

Nur dann wird die Garantie bestehen, dass nicht weiter der Profit, sondern endlich der Mensch im Mittelpunkt stehen wird.

gilbert simonelli

Gilbert Simonelli : Mittwoch 13. März 2019