RTL Group setzt auf TV aus dem Internet

Medienkonzern will 350 Millionen Euro in Ausbau seiner Streaming-Dienste investieren

Anläßlich der Vorlage ihrer Jahresbilanz 2018 hat die vom deutschen Medienkonzern Bertelsmann kontrollierte RTL Group massive Investitionen in digitale Streaming-Angebote angekündigt. In den kommenden drei Jahren würden »mindestens 350 Millionen Euro zusätzlich« in den Ausbau der eigenen Streaming-Dienste investiert, davon 300 Millionen Euro in Serien, Dokumentationen, Reality-Shows und andere Formate, stellte Konzernchef (CEO) Bert Habets in Aussicht. Damit, so Habets, würden zwei Ziele verfolgt: »Die Schaffung lokaler Streaming-Champions und die Stärkung unserer Inhalteproduktion.«

Auch mit konkurrierenden Streaming-Diensten wie Netflix oder Amazon Prime arbeitet die RTL Group zusammen. So läuft die von der Konzerntochter Fremantle produzierte Serie »The Rain« bei Netflix und »American Gods« bei Amazon Prime. Für seinen eigenen Streaming-Dienst TV Now hat der Konzern wiederum die Serie »M – eine Stadt sucht einen Mörder« produzieren lassen.

Zur Entwicklung der Abozahlen bei den Streaming-Diensten hieß es auf der Bilanzpressekonferenz, TV Now Premium in Deutschland und das niederländische Angebot Videoland erreichten zusammen über eine Million zahlender Kunden. In den nächsten drei Jahren wolle man diese Zahl verdreifachen, kündigte Habets an. Das Wachstum sei »sehr vielversprechend«. Die RTL Group setze gleichzeitig die Expansion bei der Produktion fiktionaler Serien fort, die auch für den Ausbau der Streaming-Dienste »von zentraler Bedeutung« seien.

Abgesehen davon, daß Digitalangebote, zu denen Videoclips für sogenannte soziale Netzwerke gehören, bei weitem nicht so profitträchtig sind wie das klassische Geschäft mit werbefinanzierten Fernsehsendern, mußte RTL im Geschäftsjahr 2018 einen Rückschlag in der Digitalsparte verkraften: Das erst 2014 übernommene US-amerikanische Videonetzwerk StyleHaul mußte für 105 Millionen Euro abgeschrieben werden. Dadurch sank der Nettogewinn des Konzerns deutlich.

Zur Jahresbilanz hieß es, trotz gesunkener Werbeeinnahmen in Deutschland habe man 2018 »den vierten Rekordumsatz in Folge« eingefahren. Unter anderem wegen gestiegener Einnahmen auf dem französischen und dem niederländischen Werbemarkt sei der Konzernumsatz um 2,1 Prozent auf 6,5 Milliarden Euro gestiegen. Daß das Betriebsergebnis (EBITDA) um 5,7 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro absackte, habe an einem hohen Vorjahreswert gelegen – 2017 wurden Immobilien in Paris für 94 Millionen Euro verkauft. Rechnet man diesen Einmaleffekt heraus, wäre es immerhin ein kleines Ergebnisplus von 0,7 Prozent gewesen.

oe

(Foto: Archiv)

Oliver Wagner : Donnerstag 14. März 2019