Auch nach dem Weltwassertag:

Nicht alles in Butter

Im Lande Luxemburg ist, auch wenn Politiker im Amte sich schwertun es zuzugeben, längst nicht alles in Butter mit dem Wasser und dem Abwasser. Zwar muß niemand kilometerweit zur nächsten Wasserstelle marschieren, dennoch können wir nicht einfach so in eine sorgenfreie Zukunft blicken. Immerhin gibt es einen Lichtblick bei den Pestiziden und den Nitraten, spricht es sich doch so langsam herum, daß es eine vollständige Umstellung der Landwirtschaft auf biologische Wirtschaftsweise braucht.

Überhaupt ist das Jahr 2019 das erste seit langem, wo der Staat keine monatlichen Strafzahlungen an die EU-Kommission zu entrichten hat, weil es mit der Abwasserklärung hapert. Wie lange das so bleibt, hängt davon ab, ob die von der EU geforderten vierten Klärstufen für Mikroverunreinigungen rasch genug kommen, und ob das Wachstum in um die Hauptstadt herum nicht schneller wird als die Erweiterung der Beggener Kläranlage.

Die kann maximal 40.000 m³ am Tag behandeln, was in einem Jahr mit 365 Tagen 14,6 Mio. m³ Abwasser sind. 2018 waren aber schon 13,329 Mio. m³ zu klären, die aus Leudelingen, Roedgen, Bartringen, Strassen, der Hauptstadt und dem Westen des Findels stammten. Das ist ein Einzugsgebiet von 9.483 ha, wovon 5.173 auf die Hauptstadt selbst entfallen.

Dabei treten demnächst schärfere Grenzwerte in Kraft, die eine Kläranlage in der Größe der Beggener erreichen muß, bevor sie das Geklärte in einen Bach wie die Alzette entlassen darf. Die neuen Werte liegen großteils 30-50% unter den heutigen, für Ammoniumstickstoff geht es aber von heute höchstens 5 mg/l auf dann 1 mg/l. Es geht folglich nicht nur um eine Vergrößerung der Kapazität, es muß gleichzeitig eine deutliche Verbesserung beim Klärprozeß stattfinden.

Mikroverunreinigungen sind richtig schädlich

Daß es Stoffe gibt, die schon im Millionstel- bis Milliardstelgramm-Bereich pro Liter Wasserlebewesen schädigen und Trinkwasserressourcen beeinträchtigen, weil sie zu Krebs führen oder das menschliche Erbgut schädigen, ist erst seit kurzem allgemein anerkannt. Vor noch nicht allzu langer Zeit wurden Mahner und Warner zu Spinnern erklärt.

Inzwischen ist es wenigstens so weit, daß diese Mikroverunreinigungen zumindest in größeren Kläranlagen herauszufiltern sind. Es handelt sich um eine breite Palette von Stoffen: Reste von Arzneimitteln, Röntgenkontrastmittel, Hormone (z.B. Östrogene aus der Empfängnisverhütung, Biozide und Pestizid-Rückstände (was umso heftiger ist, wenn die in drei von zehn Zonen in der Hauptstat bereits im ach so sauberen Trinkwasser sind), Korrosionsschutzmittel, Komplexbildner (Stoffe, die sich an Metallionen anlagern und mit ihnen sogenannte Komplexe bilden), Industriechemikalien, Perfluorierte Tenside, Duftstoffe, Flammschutzmittel und Süßstoff.

Unverständlich ist, daß es kein Projekt gibt, um direkt an Kliniken und Altersheimen anzusetzen, damit etwa gar keine Röntgenkontrastmittel und (viel) weniger Medikamentenreste in der Beggener Kläranlage ankommen. Vorbeugen ist besser als heilen, sagt schließlich der Volksmund, und er hat damit zweifelsfrei recht.

Herauszukriegen sind die Mikroverunreinigungen aus dem Wasser, wenn sie denn schon einmal drin sind, mittels gepreßter Aktivkohle oder Oxydierung, wobei zur Zeit für die Beggener Kläranlage eine Kombination aus beiden Verfahren angedacht ist. Es darf aber nicht mehr lange gedacht werden!

Bemerkenswert ist, daß all dies 2017 im Gemeinderatswahlkampf kein Thema sein durfte. Alle Sektionen der bürgerlichen Einheitspartei waren sich einig, daß die Warnungen der KPL grundlos übertrieben wären. Sie waren das keineswegs, auch wenn die gesamte Mainstream-Presse bemüht war, das Thema zu verschweigen. So liegt denn jetzt auch erst ein unfertiges Vorprojekt vor, das aber schon auf 198,75 Mio. Kosten geschätzt wird, wobei es aber bis Ende 2027 verwirklicht sein muß, damit es nicht wieder zu Strafzahlungen kommt.

Ewige Baustellen

Das wird sportlich! Denn Baustellen dauern ewig im Lande Luxemburg, wie wir alle aus leidvoller Erfahrung wissen. So wurde im Februar 2012 damit begonnen, einen unterirdischen Kanal von 6.150 m Länge zwischen der Bonneweger Kläranlage, die leider aufgelassen wird, zur Beggener Kläranlage zu fräsen. Jetzt eben wurde die Bohrung fertig und nach Fertigstellung der technischen Ausstattung soll dann wirklich und wahrhaftig die Inbetriebnahme 2020 erfolgen, acht satte Jahre nach Baubeginn!
Ebenso erfreulich ist die angekündigte Fertigstellung für Herbst 2019 der neuen Abwasser- und Regenwasser-Kollektoren in der Neudorfer Straße. Das Ding hat eine Vorgeschichte mit Pleite und Karacho, sodaß wirklich erst im Februar 2016 mit der eben fertiggestellten Bohrung auf 1.370 m begonnen wurde. Bis Herbst sollen die Anschlüsse aus der Rue du Kiem und aus den bergseitigen Lagen oberhalb der Neudorfer Straße fertig werden.

Wenn bei zwei ewigen Baustellen nun ein Ende absehbar wird, bedeutet das aber kein Baustellenende. In 14 Straßen der Hauptstadt werden 2019 neue Kanalrohre verlegt (neben den anderen Infrastrukturen natürlich, denn zumindest so weit reicht die Koordination, daß nicht jeder nur seine Sache erledigt, wenn schon nirgends begehbare Mannrohre verlegt werden, um fürs nächste Jahrhundert die Straße nicht mehr aufreißen zu müssen), fünf neue Baustellen gibt es für den nötigen Ausbau des Kanalnetzes und sechs Projekte werden dem Staat für die Subventionierung vorgelegt.
Wir werden demnach noch vor vielen Löchern stehen!

jmj

Freitag 22. März 2019