Keine gute Prognose

Handelsstreit und Probleme der EU: Internationaler Währungsfonds geht im besten Falle von sich abschwächender Weltkonjunktur aus

Keine frohen Nachrichten für dieses Jahr hat der Internationale Währungsfonds (IWF) parat. Wie es in dem aktuellen, am Dienstag publizierten World Economic Outlook des Fonds heißt, wird die Weltwirtschaft dieses Jahr deutlich langsamer wachsen als zuvor. Nahm sie im Jahr 2017 um etwa 3,8 Prozent, vergangenes Jahr dann immerhin noch um 3,6 Prozent zu, so werden es dieses Jahr wohl nur 3,3 Prozent werden – 0,4 Prozentpunkte weniger, als die in Washington ansässige Organisation noch im Herbst gehofft hatte.

Hinter den trockenen Zahlendifferenzen nach dem Komma verbirgt sich ein gewaltiger Verlust an realem Wohlstandszuwachs: Bei einer weltweiten Wirtschaftsleistung von 87,5 Billionen US-Dollar im Jahr 2018 entsprechen 0,1 Prozentpunkte 87,5 Milliarden US-Dollar – fast soviel wie die Wirtschaftsleistung der Slowakei.

Die benannten Ursachen überraschen nicht. Neben Faktoren wie der strikteren Regulierung der Kreditvergabe in China und den (notwendigen) jüngsten Zinserhöhungen der USA-Notenbank Fed, führt der Währungsfonds vor allem Probleme in der EU und politische Maßnahmen der USA-Administration auf. Die Schwierigkeiten der deutschen Autoindustrie bei der Umstellung auf die neuen Abgasnormen schlagen dabei ebenso zu Buche, wie die ökonomische Stagnation in Italien. Vor allem aber greift der Trump’sche Handelskrieg gegen China: Lag das Wachstum der Wirtschaftsleistung im ersten Halbjahr 2018 noch bei 3,8 Prozent, so sank es im zweiten Halbjahr, als die Zusatzzölle gegen die Volksrepublik China in Kraft traten, auf 3,2 Prozent.

Dabei trifft, sofern der IWF recht behält, der politisch verursachte Wachstumsrückgang vor allem die Wirtschaft der reichen westlichen Mächte. Für die USA, deren Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2018 besonders dank Trumps gewaltiger Senkung der Unternehmenssteuern um 2,9 Prozent gewachsen war, hat der Fonds seine Prognose nun um 0,2 Prozentpunkte auf 2,3 Prozent gesenkt. Im Jahr 2020 dürfte das Wachstum weiter auf 1,9 Prozent zurückgehen: Die überaus kapitalfreundlichen Entscheidungen Trumps scheinen nur ein schnell erlöschendes Strohfeuer entfacht zu haben. Stärker noch wird jedoch vom Abflauen der globalen Konjunktur die exportfixierte deutsche Wirtschaft getroffen: Laut IWF-Schätzung wird sich das Wachstum in der Bundesrepublik nicht, wie noch im Sommer 2018 vermutet, auf 2,1 Prozent, sondern nur auf 0,8 Prozent belaufen.

Dabei enthält die IWF-Prognose noch eine gute Portion Zweckoptimismus. Sie geht nicht nur davon aus, daß die Türkei und Argentinien sich wirtschaftlich erholen – deren Krisen trugen im vergangenen Jahr zum globalen Abschwung bei. Vor allem rechnet sie damit, daß es im Handelskrieg der USA gegen China zu einer Verhandlungslösung kommt. In die Prognose ist daher ein Aufschwung in der zweiten Jahreshälfte 2019 eingerechnet. Ob es wirklich dazu kommt, steht in den Sternen. Zweifel sind mit Blick auf die antichinesischen Hardliner in der Trump-Administration erlaubt. Zudem droht Washington den Handelskonflikt mit der EU zu einem zweiten Handelskrieg auszuweiten: Entscheidungen nicht nur über Strafzölle gegen die EU wegen unzulässiger Airbus-Subventionen, sondern vor allem auch die seit langem angedrohten Kfz-Strafzölle stehen kurz bevor.

Vergleichsweise unbeschadet scheint die asiatische Wirtschaft Trumps Handelskriege zu überstehen. Für China hat der IWF seine Prognose für 2019 von 6,2 auf 6,3 Prozent erhöht, für die Länder des südostasiatischen Staatenbundes ASEAN ist sie mit 5,1 Prozent konstant geblieben.

Lediglich die Vorausschau für Indien hat der Währungsfonds von 7,5 auf 7,3 Prozent reduziert. Während USA und EU sich in Wirtschaftskämpfen verzetteln und kaum noch wachsen, steigt Asien weiter auf.

Erst kürzlich hat die »Financial Times« darauf hingewiesen, daß bereits im kommenden Jahr die Wirtschaftsleistung Asiens, berechnet nach Kaufkraftparität, die Wirtschaftsleistung der gesamten nichtasiatischen Welt übertreffen wird.

Jörg Kronauer

Für China hat der IWF seine Prognose für 2019 von 6,2 auf 6,3 Prozent erhöht (Morenwerk in Zhangjiakou im Norden Vhinas, 10. April 2019) (Foto: AFP)

Donnerstag 11. April 2019