Kampf um Land und Wasser in Brasilien

Holzfäller, Goldgräber und Großbauern vertreiben immer häufiger Kleinbauern und Indigene aus deren traditionellen Siedlungsgebieten. Von der Regierung ist kaum Hilfe zu erwarten.

Die Konflikte um Wasser, Land und Arbeitsbedingungen im ländlichen Brasilien haben im vergangenen Jahr laut Informationen einer katholischen Organisation fast eine Million Menschen betroffen. Die Anzahl der Opfer der Auseinandersetzungen sei in Jahresfrist von 708.520 auf 960.630 gestiegen, heißt es in dem am vergangenen Freitag vorgestellten Jahresbericht der brasilianischen Landpastoralkommission Comissão Pastoral da Terra (CPT).

Von den Konflikten war vor allem der Norden Brasiliens betroffen. Dies deute auf eine voranschreitende Invasion des Amazonasgebietes hin, hieß es.
Der rechtslastige Präsident Jair Bolsonaro will das riesige und rohstoffreiche Amazonasbecken wirtschaftlich intensiver als bisher nutzen lassen. Schon im Wahlkampf hatte er angekündigt, keine neuen Indigenen-Schutzgebiete mehr auszuweisen. Nun läßt er alle bestehenden prüfen. Diese machen seinen Angaben zufolge etwa 15 Prozent des gesamten Staatsgebietes Brasiliens aus. Indigene Völker treffen in ihren Schutzgebieten immer öfter auf Holzfäller, Goldgräber und Großagrarier, die ihr Land ausbeuten wollen.

Im Konflikt um Land seien gut 2.300 Familien aus ihren Gebieten vertrieben worden. Das seien 59 Prozent mehr als 2017, berichtete die CPT. In der Regel stünden dahinter Großagrarier, die sich Staatsland illegal aneigneten, um ihre landwirtschaftlichen Flächen auszuweiten. Sie setzten Söldner – so genannte Jagunços – ein, um die Menschen aus ihren Lebensräumen zu drängen, und könnten oftmals auch auf die Beteiligung der Polizei setzen.

Die Konflikte um Wasser, die meistens in Verbindung mit Bergbau stünden, erreichten laut CPT 2018 einen neuen Rekordstand. Im Vergleich zu 2017 stieg ihre Zahl um 40 Prozent auf 276. Fast 74.000 Familien und damit gut doppelt so viel wie noch 2017 seien davon betroffen gewesen. 85 Prozent von ihnen stammen aus traditionellen Gemeinschaften wie indigenen Völkern, Nachfahren von Sklaven und Flußbewohnern. Ausländische Minenbetreiber seien in gut die Hälfte der Konflikte verwickelt.
Vor allem Frauen litten unter Gewalt und Repression seitens Landbesitzern, Landbesetzern und Geschäftsleuten, aber auch seitens staatlicher Stellen wie der diversen Polizeitruppen, berichtet die CPT weiter. Zwischen 2009 und 2018 erfuhren 1.409 Frauen irgendeine Art von Gewalt, alleine 2018 waren es 482.

Besorgt zeigte sich die CPT zudem über sklavenähnliche Arbeitsbedingungen sowie Gesundheitsprobleme durch den Einsatz von Insektiziden in der Landwirtschaft. Die Landpastoralkommission hatte 1991 den alljährlich vergebenen »Alternativen Nobelpreis« der Stiftung Right Livelihood Award für ihren Kampf für soziale Gerechtigkeit und die Einhaltung der Menschenrechte von Kleinbauern und Landlosen in Brasilien erhalten.

(dpa/ZLV)

Holzverarbeitung in einem Sägewerk im Amazonas-Gebiet in Brasilien (Foto: Werner Rudhart/dpa)

Dienstag 16. April 2019