Am 9. Mai auf der hauptstädtischen Place d‘Armes:

EU-Kommission ließ es krachen

Zum Teil Tourismusmesse mit den Ständen der in Luxemburg akkreditierten Botschaften, zum Teil Wahlkampfveranstaltung mit allen 10 Listen, die in Luxemburg am 26. Mai auf dem Wahlzettel stehen, zum Teil Musik- und Tanzprogramm im Rahmen von Brot und Spiele. Das war die Place d‘Armes bei schönstem Aprilwetter mit Regen und Sonnenschein, wobei zeitweise der britische Union Jack extrem dominierte, da er massenhaft von der Botschaft ihro königlichen Majestät Elisabeth verteilt wurde.

Bemerkenswert für das Demokratieverständnis des Organisators waren die zwei politischen Reden des Tages auf dem Kiosk. Erster am Wort war Jean Asselborn, LSAP-Außenminister, der sagte, was er immer sagt, völlig unbeeindruckt von den Tatsachen wie dem Krieg in der Ostukraine oder im Mali, von den Umsturzversuchen in Syrien und Venezuela, die aus der EU mit Aufrüstungsverpflichtung, Rüstungsagentur und 13 Mrd.
schweren Rüstungsfonds ein Kriegs- und kein Friedensprojekt machen. In dieselbe Kerbe durfte dann CSV-Außenpolitiker Laurent Mosar hauen. Das war’s dann, denn von den acht anderen Listen bekam niemand Zugang zu Lautsprecheranlage und Mikro.

Von besonderer Güte war der Großauftritt der aktuell Vorsitz führenden Nation Rumänien, die neben umfangreicher Tourismuswerbung auch Gratisessen anbot. Die Roma und Sinti, die ansonsten hierzulande betteln, weil der Kapitalismus auch hier keine Arbeit für sie hat, konnten sich so wenigstens einmal auf rumänische Staatskosten richtig satt essen. Als Dessert gab es von der EU-Kommission einen trockenen Kuchen mit einer fürchterlich blauen Zuckerglasur – da freute sich ganz sicher die chemische Industrie.

Ansonsten feierte sich jede in Luxemburg beheimatete EU-Dienststelle selbst. Daß dabei eine gewisse Unschärfe entstand, ist wohl dem propagandistischen Übereifer geschuldet. So wurde uns am Stand der KPL vorgeworfen, wie wir gegen die EU sein könnten, wo sie doch die Hälfte unseres Luxemburger Sozialwesens finanziere. Wie bitte? Ja, das sei am Stand des Sozialfonds gesagt worden. Eine grobe Übertreibung, bitteschön! Der Sozialfonds finanziert einige wenige Projekte für drei Jahre zur Hälfte. Das ist mitnichten die Hälfte des Sozialwesens!

So hielten wir in feindlicher Umgebung die Stellung und waren am Abend neben den unvermeidbaren Streitgesprächen mit geprüften Antikommunisten doch um etliche positive Überraschungen reicher. Es gibt jedenfalls erheblich mehr Problembewußtsein wie bei der vorigen Wahl, daß es im Kapitalismus nicht fürs Salariat läuft, auch nicht in Luxemburg, wo die Wohnungspreise davon galoppieren, schon gar nicht in der südlichen und östlichen Peripherie, wo Auswanderung die einzige realistische Wahl für ein besseres Leben wird, und am allerwenigsten in den in Unterentwicklung gehaltenen Ländern anderer Kontinente.

Trotz der Propaganda-Flut, die über uns hereinbricht, entwickelt sich also langsam Widerspruch. Ein erfreuliches Zeichen für eine bessere Zukunft mit einer solidarischen Zusammenarbeit der Völker statt Konkurrenz und Dominanz des Kapitals.
Die Sektion Zentrum der KPL bietet an das Thema zu vertiefen und lädt vor den Wahlen herzlich ein zu einem öffentlichen Informations- und Diskussionsabend im 1. Stock des Casino Syndical in Luxemburg-Bonneweg (63, rue de Bonnevoie, gegenüber der Fußgängerbrücke über die Bahngleise) am Montag, 20 Mai um 19.30 Uhr zum Thema »Frieden, Kriege, Kapitalismus und Sozialismus«.

Im Vordergrund wird da stehen, was hinter der Propaganda der diversen Akteure steht, was ihre eingestandenen und nicht eingestandenen Interessen sind auf den Konfliktfeldern Europas, Afrikas, Asiens und Lateinamerikas. Eintritt frei, kommt mit Freunden und Bekannten!

jmj

Einigkeit macht stark im KPL-Zelt auf der Place d’Armes

Freitag 10. Mai 2019