Deutlich mehr und schneller bauen – aber wie soll das gehen?

Heute werden noch immer weniger Wohnungen im Jahr fertig gestellt als vor der Finanzkrise von 2008

Den Angaben des stati­stischen Amtes zufolge wurden im Jahr 2016 insgesamt 3.856 Wohnungen in Luxemburg fertiggestellt. Das waren 25 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.
Allerdings blieb die Zahl der fertiggestellten Wohnungen damit noch deutlich unter der Zahl von 4.444, die vor der Finanzkrise, die Ende 2008 begann, bezugsfähig waren. Anschließend ging es während der nachfolgenden drei Jahre stetig bergab; 2011 belief sich die Zahl der neuen Wohnungen sogar nur auf 2.162.

Dann gab es wiederum mehr Fertigstellungen, aber anders als bis zum Jahr 2000, wuchs die Bevölkerung deutlich schneller als die Zahl der fertiggestellten Wohnungen, so dass der Mangel an bezahlbaren Wohnungen, der sich innerhalb von zwei Jahrzehnten akkumuliert hatte, von Jahr zu Jahr größer wurde.

Parallel dazu stiegen die Mieten in schwindelerregende Höhen, so dass Menschen mit kleinen Löhnen sich gezwungen sahen, einen immer größeren Teil ihres Einkommens für die Miete auszugeben oder ihr Glück im belgischen, französischen oder deutschen Grenzgebiet versuchen mußten, um nicht in die Armutsfalle zu tappen.

Zwischen 2007 und 2016 befanden sich übrigens zwei Drittel der neuen Wohnungen im Kanton Esch/Alzette, in der Stadt Luxemburg und in der näheren Umgebung Luxemburgs. Während der gleichen Zeitspanne war festzustellen, dass die durchschnittliche Wohnfläche in Einfamilienhäusern nach oben tendierte: von 181 Quadratmetern im Jahr 2007 auf 195,6 m² im Jahr 2016. In Appartements ging die durchschnittliche Wohnfläche hingegen zurück, von 93,4 Quadratmetern im Jahr 2011 auf 80,1 m² im Jahr 2016.

Bisher dauerte es im Durchschnitt 18 Monate, bevor ein Einfamilienhaus fertig gestellt wurde, bei Appartements stieg diese Zeit inzwischen auf über 21 Monate.
Sollen in Zukunft deutlich mehr Wohnungen schneller gebaut werden, wird die öffentliche Hand nicht daran vorbeikommen, selber Baugesellschaften zu gründen, Bauarbeiter zu beschäftigen und insbesondere Mietwohnungen mit bezahlbaren Mieten zu bauen, da ansonsten alle möglichen Baulöwen und Spekulanten sich noch lange eine goldene Nase verdienen werden, während die Wohnungsnot immer größer wird.

A.R.

Dienstag 14. Mai 2019